Wie hoch sind die Pyramiden von Gizeh?

146,6 Meter waren es einmal, heute sind es weniger. Warum es zwei Zahlen gibt, warum die mittlere Pyramide größer wirkt und was die Höhe im Vergleich bedeutet.

Die kurze Antwort zuerst, weil die meisten Menschen genau deswegen hier sind: Die Cheops-Pyramide misst heute rund 138,5 Meter. Die Chephren-Pyramide kommt auf etwa 136,4 Meter, die Mykerinos-Pyramide auf ungefähr 61 Meter.

Die Höhe der Cheopspyramide, wie sie in vielen deutschen Texten ohne Bindestrich geschrieben wird, ist dabei die einzige dieser drei Zahlen, um die überhaupt gestritten wird. Diese Zahlen stimmen, und trotzdem finden Sie in Büchern und im Netz ständig andere. Dort stehen 146,6 Meter, 143,5 Meter, 65 Meter. Beide Angaben sind richtig, sie beschreiben nur verschiedene Zeitpunkte. Die Höhe der Pyramiden von Gizeh ist deshalb keine Zahl, sondern eine Zahl mit Jahresangabe.

Der Grund ist einfach: Die Pyramiden sind geschrumpft. Nicht gesackt, nicht eingestürzt, sondern abgetragen. Was fehlt, ist die glatte Außenhaut aus feinem Kalkstein, die einmal das gesamte Bauwerk überzog und oben in einer Spitze zusammenlief. Ohne sie fehlen der Cheops-Pyramide gut acht Meter.

Wer eine Zahl für die Schule, ein Quiz oder eine Wette braucht, sollte also dazusagen, welche gemeint ist. Die ursprüngliche Höhe von 146,6 Metern ist die Zahl der Bauleute, gerechnet bis zur Spitze, die es einmal gab. Die 138,5 Meter sind die Zahl, die ein Messgerät heute liefert, wenn es auf dem Plateau steht.

Interessanterweise ist keine der beiden Zahlen exakt. Die Pyramide steht auf leicht unebenem Fels, ihre Kanten sind ausgebrochen, und was oben als Ende gilt, ist eine Frage der Definition. Verschiedene Vermessungen kommen deshalb auf Werte, die sich um wenige Dezimeter unterscheiden. Für den Alltag reicht: knapp 140 Meter heute, knapp 147 damals.

Eine Vorbemerkung zur Verlässlichkeit: Die Maße der drei Bauwerke gehören zu den am gründlichsten untersuchten Daten der Archäologie. Die Nekropole steht seit 1979 auf der Welterbeliste der UNESCO, sie ist seit über zweihundert Jahren Gegenstand systematischer Vermessung, und die Zahlen sind vielfach unabhängig geprüft. Wenn Sie irgendwo lesen, die wahre Höhe werde geheim gehalten oder sei nie ermittelt worden, ist das schlicht falsch.

Der Rest dieser Seite erklärt, wohin die fehlenden Meter gegangen sind, warum die mittlere Pyramide auf fast jedem Foto höher aussieht als die höchste, und was 146 Meter im Vergleich zu Bauwerken bedeuten, die Sie kennen.

146,6 Meter im Vergleich

Meter über Grund

161,53Ulmer Münster, höchster Kirchturm Deutschlands
157,38Kölner Dom
146,6Cheops-Pyramide, ursprüngliche Höhe
138,5Cheops-Pyramide heute
136,4Chephren-Pyramide heute
93,0Freiheitsstatue mit Sockel
65,0Mykerinos-Pyramide, ursprünglich

Der Kölner Dom hätte die Cheops-Pyramide also überragt, allerdings erst rund viertausend Jahre nach ihrer Fertigstellung.

Die fehlenden Meter stehen heute in Kairo

Die fehlenden Meter sind kein Rätsel. Sie stehen heute in Kairo.

Ursprünglich war jede der drei Pyramiden mit sorgfältig zugeschnittenem, weißem Kalkstein aus Tura verkleidet. Diese Schicht war glatt, sie reflektierte das Licht, und sie lief oben in einem Punkt zusammen. Was Sie heute sehen, ist das Kernmauerwerk darunter, das nie zum Anschauen gedacht war und deshalb grob aussieht.

Abgetragen wurde die Verkleidung vor allem im Mittelalter. Nach einem schweren Erdbeben im 14. Jahrhundert lagen große Mengen davon ohnehin am Boden, und ein Steinbruch mit fertig zugeschnittenem Material direkt vor der Stadt war für die Bauherren von Kairo ein Geschenk. Die Blöcke wanderten in Moscheen, Paläste und Befestigungen.

Der Auslöser war ein schweres Beben im Jahr 1303, das große Teile der Verkleidung von den Flanken riss. Damit lag vor den Toren von Kairo plötzlich ein Haufen fertig zugeschnittener, hochwertiger Werksteine, für die niemand mehr einen Steinbruch betreiben musste. Was folgte, war keine Plünderung im Affekt, sondern jahrzehntelange, geordnete Abfuhr. Bauten aus dieser Zeit in der Altstadt von Kairo enthalten Material, das ursprünglich auf dem Plateau lag. Wer die Beschreibung des ursprünglichen Bauwerks liest und dann vor der heutigen Pyramide steht, sieht den Unterschied zwischen einem verkleideten und einem entkleideten Bauwerk.

Deshalb ist der obere Abschluss der Cheops-Pyramide heute keine Spitze, sondern eine ebene Fläche. Sie misst je nach Zählweise etwa neun bis zehn Meter im Quadrat, also grob die Fläche eines großen Wohnzimmers. Auf historischen Fotos sitzen dort Reisende in Anzügen und picknicken.

Ob dort jemals eine Spitze im engeren Sinn saß, ein sogenanntes Pyramidion, ist übrigens nicht gesichert. Für andere Pyramiden sind solche Schlusssteine gefunden worden, aus Granit oder Kalkstein, teils vergoldet. Für die Cheops-Pyramide gibt es keinen. Berichte aus der römischen Zeit beschreiben die Spitze bereits als abgeflacht. Möglich ist also beides: Sie wurde früh entfernt, oder sie wurde nie gesetzt.

An der Chephren-Pyramide ist der Beweis dagegen noch da. Die obersten Meter tragen ihre originale Verkleidung, ein heller, glatter Deckel auf dem sonst rauen Bauwerk. Von unten sieht das aus wie eine Mütze. Tatsächlich sehen Sie dort den einzigen größeren Rest des ursprünglichen Erscheinungsbilds aller drei Pyramiden.

Oben endet die Pyramide nicht spitz, sondern auf einer ebenen Fläche von rund zehn Metern im Quadrat.

Alle drei Pyramiden, damals und heute

Die Differenz in der letzten Spalte ist die verlorene Verkleidung.

PyramideUrsprünglichHeuteGrundseiteNeigungswinkelVerlust
Cheops-Pyramide146,6 mrund 138,5 m230,3 mrund 51,5 Gradgut 8 m
Chephren-Pyramide143,5 mrund 136,4 m215,25 mrund 53 Gradgut 7 m
Mykerinos-Pyramide65 mrund 61 m102,2 mrund 51 Gradrund 4 m
Cheops-Pyramide
Ursprünglich
146,6 m
Heute
rund 138,5 m
Grundseite
230,3 m
Neigungswinkel
rund 51,5 Grad
Verlust
gut 8 m
Chephren-Pyramide
Ursprünglich
143,5 m
Heute
rund 136,4 m
Grundseite
215,25 m
Neigungswinkel
rund 53 Grad
Verlust
gut 7 m
Mykerinos-Pyramide
Ursprünglich
65 m
Heute
rund 61 m
Grundseite
102,2 m
Neigungswinkel
rund 51 Grad
Verlust
rund 4 m

Die Werte stammen aus verschiedenen Vermessungen und schwanken um wenige Dezimeter. Der steilere Winkel der Chephren-Pyramide ist einer der Gründe, warum sie größer wirkt.

Warum die mittlere Pyramide größer wirkt

Und damit zu der Sache, die auf dem Plateau die meisten Diskussionen auslöst. Wer von Osten oder Süden auf die Gruppe schaut, ist sich sicher: Die mittlere Pyramide ist die größte. Sie ist es nicht.

Vier Effekte arbeiten hier zusammen, und jeder einzelne wäre schon auffällig.

Der wichtigste ist der Untergrund. Die Chephren-Pyramide steht auf Fels, der rund zehn Meter höher liegt als der unter der Cheops-Pyramide. Das Plateau fällt nach Nordosten ab, und die zweite Pyramide wurde weiter oben gesetzt. Ihre Spitze liegt damit über der ihres größeren Nachbarn, obwohl das Bauwerk selbst niedriger ist. Gemessen wird eine Pyramide aber von ihrem eigenen Fuß, nicht über dem Meeresspiegel.

Der zweite Effekt ist der Winkel. Chephren steigt mit rund 53 Grad an, Cheops mit etwa 51,5 Grad. Anderthalb Grad klingen nach nichts, verändern die Silhouette aber sichtbar: Die steilere Pyramide wirkt aufragender, die flachere breiter und gedrungener.

Dritter Effekt: der erhaltene Deckel. Die helle Verkleidung an der Spitze zieht den Blick nach oben und gibt der Chephren-Pyramide einen sauberen Abschluss, während die Cheops-Pyramide oben ausgefranst endet. Ein Bauwerk mit klarer Spitze wirkt höher als eines, das oben zerfasert.

Und viertens die Perspektive. Auf den meisten Fotos, auch auf den berühmten, steht der Fotograf südwestlich, am Panoramapunkt. Von dort ist die Chephren-Pyramide näher an der Kamera als die Cheops-Pyramide. Näher heißt größer im Bild. Diese Anordnung ist so verbreitet, dass viele Menschen die Pyramiden nur in dieser Reihenfolge kennen.

Für Fotos lässt sich das ausnutzen oder vermeiden, je nachdem, was Sie wollen. Wer die Chephren-Pyramide monumental haben möchte, geht in den Südwesten und lässt sie vorn stehen. Wer die tatsächlichen Verhältnisse zeigen will, sucht einen Standpunkt weiter östlich, ungefähr auf der Verbindungslinie zwischen beiden Bauwerken, und geht so weit zurück, dass beide Fußpunkte im Bild sind. Dann stimmt der Eindruck, und die Cheops-Pyramide bekommt die Größe, die ihr zusteht. Ein Weitwinkel verstärkt die Täuschung übrigens, ein leichtes Tele mildert sie.

Zusammengenommen ergibt das eine der hartnäckigsten optischen Täuschungen der Reisefotografie. Wenn Sie vor Ort die Probe machen wollen: Stellen Sie sich zwischen die beiden Bauwerke, in etwa gleichem Abstand, und schauen Sie auf die Fußpunkte statt auf die Spitzen.

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Die Chephren-Pyramide mit dem erhaltenen Verkleidungsrest an der Spitze
Der helle Deckel oben ist Originalverkleidung und einer der Gründe, warum diese Pyramide höher wirkt.

Wie groß sind die Pyramiden, wenn man davorsteht?

Zahlen auf einer Seite sind eine Sache. Wie groß sind die Pyramiden von Gizeh, wenn man tatsächlich davorsteht?

Der ehrliche Befund lautet: zuerst kleiner als erwartet, dann sehr viel größer. Das liegt daran, dass es in der Umgebung nichts gibt, woran das Auge Maß nehmen könnte. Kein Baum, kein Haus, kein Fahrzeug in der Nähe des Bauwerks. Aus zweihundert Metern Entfernung wirkt eine Pyramide deshalb wie ein sauberes geometrisches Objekt ohne Bezug.

Das ändert sich beim Näherkommen, und zwar sprunghaft. Die untersten Steinlagen sind die dicksten. Ein Block am Fuß reicht einem Erwachsenen häufig bis zur Brust, und die Lage darüber ebenfalls, und die darüber auch. Sobald Sie eine Person am Fuß der Pyramide sehen, kippt der Eindruck. Der Mensch wird zum Maßstab und schrumpft auf die Größe eines Details.

Ein zweiter Effekt kommt beim Umrunden. Eine Seite ist 230 Meter lang, und Sie brauchen für eine Runde um die Cheops-Pyramide bei normalem Tempo gut zwölf Minuten, im Sand mehr. In dieser Zeit verändert sich die Ansicht dauernd, und die Ecken sind der interessanteste Teil, weil man an ihnen entlang bis zur Spitze schauen kann.

Der Trick, mit dem sich die Höhe begreifen lässt

Es gibt einen Trick, mit dem sich die Höhe doch begreifen lässt. Suchen Sie sich eine Stelle an der Nordseite, wo der Sand weggeweht ist und die untersten Lagen frei liegen, und zählen Sie die Steinlagen nach oben, so weit Sie kommen. Die Cheops-Pyramide hat rund 200 davon. Die untersten sind gut anderthalb Meter hoch, nach oben werden sie dünner. Zwanzig Lagen sind etwa so hoch wie ein Wohnhaus, und Sie sind dann noch nicht bei einem Zehntel angelangt. Diese Rechnung funktioniert besser als jeder Vergleich mit einem Fernsehturm, weil Sie die Einheit direkt vor sich haben und mit der Hand berühren können.

Höhe wird auf dem Plateau ohnehin selten als Höhe erlebt, sondern als Fläche. Sie stehen an einer Wand, die nach oben wegläuft, ohne dass Sie den Abschluss sehen. Das ist der Grund, warum viele Besucher berichten, Fotos hätten sie schlecht vorbereitet: Ein Foto zeigt eine Silhouette, vor Ort steht man an einer Böschung aus Stein.

Die Höhe hat übrigens eine Folge, die man leicht übersieht: Reichweite. Weil das Plateau erhöht liegt und die Bauwerke fast 140 Meter darüber aufragen, sind sie aus großen Teilen des westlichen Stadtgebiets von Kairo zu sehen, aus Dachcafés, aus dem Anflug auf den Flughafen, von Brücken über den Nil. Viele Reisende sehen ihre erste Pyramide nicht auf dem Plateau, sondern zufällig zwischen zwei Hochhäusern, während sie im Taxi sitzen. Bei Dunst verschwinden sie allerdings vollständig, und Dunst ist in Kairo häufig. Wer die Silhouette aus der Ferne sehen will, hat im Winter nach einem Regentag die besten Chancen.

Wer die Höhe als Zahl erleben will, hat trotzdem eine Möglichkeit. Vom Panoramapunkt im Südwesten liegen alle drei Bauwerke in einer Blickachse, und die Staffelung macht die Größenunterschiede zwischen Cheops, Chephren und Mykerinos zum ersten Mal wirklich sichtbar.

Der Höhenrekord der Menschheit

  • um 2560 v. Chr.

    Die Cheops-Pyramide wird mit 146,6 Metern fertig und ist damit das höchste Bauwerk der Welt.

  • 1311

    Der Vierungsturm der Kathedrale von Lincoln übertrifft sie. Der Rekord hat rund 3.800 Jahre gehalten.

  • 1548

    Der Turm von Lincoln stürzt in einem Sturm ein. Für rund dreihundert Jahre liegen die Pyramiden wieder vorn oder gleichauf mit europäischen Kirchtürmen.

  • 1880

    Der Kölner Dom wird nach über sechshundert Jahren Bauzeit vollendet, 157,38 Meter.

  • 1890

    Das Ulmer Münster erreicht 161,53 Meter und ist der höchste Kirchturm der Welt.

  • Oktober 2025

    Die Sagrada Família in Barcelona übernimmt diesen Titel. Ulm hat ihn 135 Jahre gehalten, die Cheops-Pyramide ihren rund 3.800.

Wie misst man eine Pyramide?

Bleibt die Frage, wie man so etwas überhaupt misst, und warum seriöse Quellen leicht verschiedene Zahlen nennen.

Das Grundproblem ist der Fußpunkt. Eine Pyramide beginnt nicht auf einer sauberen Linie, sondern auf einem Felsplateau, das planiert wurde, aber nicht überall gleich hoch liegt. Dazu kommt Sand, der sich seit Jahrtausenden an den Kanten sammelt und die Ecken verdeckt. Wo genau die Messung ansetzt, ist deshalb eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit.

Das zweite Problem ist die Spitze. Bei der ursprünglichen Höhe wird auf einen Punkt gerechnet, den es heute nicht gibt. Man ermittelt ihn aus dem Neigungswinkel der erhaltenen Flächen und der Grundseite, verlängert die Kanten rechnerisch nach oben und schaut, wo sie sich treffen. Wer den Winkel um ein Zehntelgrad anders ansetzt, bekommt eine andere Höhe.

Die Rechnung selbst ist einfacher, als sie klingt. Die Grundseite ist messbar, sie liegt am Boden und ist an mehreren Stellen freigelegt. Der Neigungswinkel lässt sich an den erhaltenen Verkleidungsresten und an der Böschung des Kernmauerwerks bestimmen. Aus halber Grundseite und Winkel ergibt sich die Höhe über den Tangens: 115,15 Meter halbe Grundseite, multipliziert mit dem Tangens von rund 51,8 Grad, ergeben etwa 146,6 Meter. Wer stattdessen mit 51,5 Grad rechnet, landet bei gut 144 Metern. Ein Drittelgrad Unterschied im Winkel kostet also zweieinhalb Meter Höhe, und genau daher stammt der Großteil der Abweichungen zwischen den Quellen.

Den Maßstab für alle späteren Angaben setzte Flinders Petrie in den 1880er Jahren. Er vermaß das Plateau über Monate mit Theodoliten und Messketten und legte eine Genauigkeit vor, an der sich die Ägyptologie ein Jahrhundert lang orientierte. Moderne Verfahren, von Laserscanning bis Satellitenvermessung, haben seine Werte in erstaunlich vielen Punkten bestätigt und in wenigen korrigiert.

Praktisch heißt das für Sie: Wenn eine Quelle 138,8 Meter schreibt und eine andere 138,5, streiten die beiden nicht. Sie haben nur anders gemessen oder anders gerundet. Erst wenn jemand eine Zahl nennt, die um mehrere Meter abweicht, lohnt der zweite Blick auf die Quelle.

Warum 146,6 Meter und keine runde Zahl?

Eine Frage bleibt bei allen diesen Zahlen offen, und sie ist die interessanteste: Warum 146,6 Meter? Warum keine runde Zahl?

Die Antwort ist, dass die Höhe gar nicht festgelegt wurde. Festgelegt wurde die Neigung, und die Höhe ergab sich daraus.

Ägyptische Bauleute dachten nicht in Winkelgraden. Sie beschrieben eine Schräge mit einer Größe, die Seked heißt: Wie weit weicht die Fläche waagerecht zurück, während sie um eine Elle steigt? Die königliche Elle war in sieben Handbreit geteilt, jede Handbreit in vier Finger. Ein Seked von fünf Handbreit und zwei Fingern bedeutet also: pro Elle Höhengewinn geht die Fläche um fünfeinhalb Handbreit nach innen.

Genau dieser Wert steckt in der Cheops-Pyramide. Fünfeinhalb Handbreit entsprechen einer Neigung von rund 51,8 Grad, und das ist exakt der Winkel, den die Vermessungen liefern.

Überliefert ist dieses Rechenverfahren nicht aus der Bauzeit selbst, sondern aus späteren Schulbüchern. Der Papyrus Rhind im Britischen Museum enthält eine Reihe von Aufgaben, die genau das üben: Gegeben sind Grundseite und Höhe, gesucht ist der Seked. Oder umgekehrt, gegeben sind Grundseite und Seked, gesucht ist die Höhe. Es sind Übungsaufgaben für angehende Beamte, und sie zeigen, dass die Pyramidengeometrie im Alten Ägypten ein Handwerk mit festen Regeln war, kein einmaliger Geniestreich.

Praktisch war das eine kluge Wahl. Ein Winkel lässt sich auf der Baustelle nicht kontrollieren, ein Verhältnis von Handbreit zu Elle schon: Man legt ein Winkelmaß an und misst nach. Jeder Steinmetz konnte an jedem Block prüfen, ob die Böschung stimmt, ohne den Gesamtplan zu kennen.

Und das erklärt die krumme Höhe. Sie ist kein Zielwert, sondern das Ergebnis aus einer gewählten Grundseite und einem gewählten Seked. Die Bauleute legten fest, wie breit und wie steil. Wie hoch, das rechnete sich aus.

Die kleineren Pyramiden auf dem Plateau

Die drei großen Pyramiden sind nicht die einzigen auf dem Plateau, und die kleineren erklären die Höhenverhältnisse mit.

Östlich der Cheops-Pyramide stehen drei deutlich kleinere Bauwerke, die Königinnenpyramiden. Sie erreichen jeweils um die dreißig Meter, teils weniger, und sind heute stark abgetragen, sodass sie eher wie Steinhügel wirken. Neben einem Bauwerk von 138 Metern verschwinden sie fast, obwohl jede einzelne für sich genommen ein großes Grabmal ist.

Zugeordnet werden sie Frauen aus dem engsten Umfeld des Chufu. Für die nördlichste gilt Hetepheres als wahrscheinliche Besitzerin, die Mutter des Königs, deren Grabausstattung 1925 in einem benachbarten Schacht gefunden wurde und heute im Museum liegt. Die beiden anderen werden Königinnen zugeschrieben, deren Zuweisung weniger sicher ist. Dazu kommt eine vierte, sehr kleine Pyramide an der Südostecke, die erst in den 1990er Jahren als sogenannte Kultpyramide erkannt wurde. Sie war kein Grab, sondern gehörte zum religiösen Programm der Anlage, und dass sie so lange übersehen wurde, sagt einiges darüber, wie viel auf diesem Plateau unter Sand liegt.

Auch die Mykerinos-Pyramide gehört in diese Betrachtung. Mit rund 61 Metern ist sie weniger als halb so hoch wie ihre beiden Nachbarn, und beim Volumen fällt der Unterschied noch drastischer aus, weil sich das Bauvolumen ungefähr mit der dritten Potenz der Höhe entwickelt. Sie ist damit nicht eine etwas kleinere dritte Pyramide, sondern ein Bauwerk einer völlig anderen Größenordnung.

Warum das so ist, gehört zu den offenen Fragen der Ägyptologie. Erklärungen reichen von wirtschaftlicher Erschöpfung nach zwei Riesenbauten über eine kürzere Regierungszeit bis zu einer bewussten Änderung der religiösen Schwerpunkte, weg vom Bauvolumen und hin zu Tempeln und Statuen. Belegt ist keine davon.

Wer alle Bauwerke zusammenzählt, kommt auf dem Plateau je nach Zählweise auf neun bis elf Pyramiden. Die genaue Zahl hängt davon ab, ob man stark zerstörte Kultpyramiden mitzählt.

Rund dreißig Meter hoch und trotzdem kaum wahrnehmbar: Der Maßstab auf dem Plateau ist gnadenlos.
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Die Königinnenpyramiden, der Aufweg und der Panoramapunkt liegen abseits der üblichen drei Fotostopps. Dafür braucht es Zeit, und die lässt sich hier festlegen.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist die Cheops-Pyramide?

Heute rund 138,5 Meter, ursprünglich 146,6 Meter. Die Differenz ist die fehlende Außenverkleidung.

Welche der drei Pyramiden ist die höchste?

Die Cheops-Pyramide, sowohl damals als auch heute. Die Chephren-Pyramide wirkt nur höher, weil sie auf zehn Meter höherem Fels steht.

War die Cheops-Pyramide wirklich das höchste Bauwerk der Welt?

Ja, und zwar rund 3.800 Jahre lang, bis 1311 der Turm der Kathedrale von Lincoln fertig wurde.

Kann man auf die Pyramide hinaufsteigen, um die Höhe zu erleben?

Nein. Das Besteigen ist verboten und wird geahndet. Die Stufen sind unregelmäßig hoch und die Kanten abgerundet, es hat dabei schwere Unfälle gegeben.

Was die Zahl 146,6 nicht sagt

Höhe ist bei diesen Bauwerken die Zahl, nach der am häufigsten gefragt wird, und zugleich die, die am wenigsten erklärt.

146,6 Meter sagen nichts darüber, dass diese Höhe fast viertausend Jahre lang unerreicht blieb, und zwar nicht, weil niemand höher bauen wollte, sondern weil es niemand konnte. Sie sagen auch nichts darüber, dass die Zahl das Ergebnis einer Planung ist, die vor dem ersten Stein feststand, denn die Neigung einer Pyramide lässt sich später nicht mehr korrigieren.

Und sie sagen vor allem nichts darüber, wie sich die letzten Meter angefühlt haben müssen. Ganz oben, auf einer Arbeitsfläche von wenigen Quadratmetern, ohne Geländer, mit Blöcken, die von unten heraufgeschafft werden mussten, in einem Land ohne Kran.

Zur Einordnung noch einmal die europäische Perspektive: Der höchste Kirchturm Deutschlands, das Ulmer Münster, überragt die ursprüngliche Cheops-Pyramide um knapp fünfzehn Meter. Gebaut wurde er in Etappen zwischen 1377 und 1890, also über gut fünfhundert Jahre. Die Pyramide entstand in etwa zwanzig.

Wenn Sie sich eine einzige Zahl von dieser Seite merken wollen, nehmen Sie nicht 146,6. Nehmen Sie 3.800. So viele Jahre stand dieses Bauwerk an der Spitze, bevor ein anderes Volk auf einem anderen Kontinent es übertraf.

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