Von diesem Ort gibt es Millionen Aufnahmen, und die allermeisten zeigen eines von sechs Motiven. Das liegt nicht an fehlender Fantasie, sondern an der Geografie: Das Plateau ist offen, die Bauwerke sind riesig, und es gibt nur eine überschaubare Zahl von Stellen, an denen sich etwas Sinnvolles zusammenfügt.
Wer die sechs kennt, liest jede Aufnahme anders. Man sieht dann nicht nur eine Pyramide, sondern erkennt, von wo aus fotografiert wurde, zu welcher Tageszeit und mit welcher Brennweite. Und man weiß vorher, welches Bild man selbst mitbringen kann und welches nicht.
Die sechs wiederkehrenden Ansichten






Warum alle das gleiche Foto zeigen
Das erste Motiv verdient eine Erklärung, weil es fast alle Erwartungen an diesen Ort prägt. Die drei Bauwerke passen nur von einem einzigen Bereich aus nebeneinander ins Bild, dem Panoramapunkt im Südwesten. Er liegt abseits der Bauwerke, ist zu Fuß etwa eine halbe Stunde vom Haupteingang entfernt und wird vom Shuttle angefahren.
Aufgenommen wird dort fast immer mit einem leichten Teleobjektiv, und das erzeugt den zweiten Effekt: Die Brennweite schiebt die Bauwerke optisch zusammen, sodass sie dichter beieinander wirken, als sie stehen. Tatsächlich liegen zwischen der ersten und der dritten Pyramide gut ein Kilometer offener Sand. Bilder der Cheops-Pyramide allein wirken deshalb oft weniger spektakulär als die Gruppe, obwohl das Bauwerk das größte ist.
Zeitlich lohnt der frühe Vormittag. Die Reisegruppen erreichen den Punkt verlässlich zwischen neun und zehn Uhr, davor ist es dort ruhig und das Licht flacher.

Kurze Führung über das Plateau zu Fuß
Drei Stunden zu Fuß, mit jemandem, der die Standpunkte kennt. Für Fotos zählt die Reihenfolge, in der man sie ansteuert, mehr als die Ausrüstung.
Standort, Zeit und Brennweite je Motiv
Wer ein bestimmtes Bild mitbringen möchte, plant am besten rückwärts vom Motiv.
| Motiv | Standort | Beste Zeit | Brennweite |
|---|---|---|---|
| Drei Pyramiden gestaffelt | Panoramapunkt, Südwesten | früher Vormittag | leichtes Tele |
| Sphinx mit Pyramide | Aussichtsterrasse, Osten | erste Stunde nach Öffnung | Normalbrennweite |
| Steinlagen im Detail | Fuß der Cheops-Pyramide | jederzeit, Schatten hilft | Weitwinkel bis normal |
| Kante nach oben | direkt an einer Ecke | Mittag, harter Schatten | starker Weitwinkel |
| Pyramiden über der Stadt | Dächer in Gizeh, außerhalb | später Nachmittag | starkes Tele |
| Verkleidungsrest | Südseite der zweiten Pyramide | Vormittag | starkes Tele |
- Standort
- Panoramapunkt, Südwesten
- Beste Zeit
- früher Vormittag
- Brennweite
- leichtes Tele
- Standort
- Aussichtsterrasse, Osten
- Beste Zeit
- erste Stunde nach Öffnung
- Brennweite
- Normalbrennweite
- Standort
- Fuß der Cheops-Pyramide
- Beste Zeit
- jederzeit, Schatten hilft
- Brennweite
- Weitwinkel bis normal
- Standort
- direkt an einer Ecke
- Beste Zeit
- Mittag, harter Schatten
- Brennweite
- starker Weitwinkel
- Standort
- Dächer in Gizeh, außerhalb
- Beste Zeit
- später Nachmittag
- Brennweite
- starkes Tele
- Standort
- Südseite der zweiten Pyramide
- Beste Zeit
- Vormittag
- Brennweite
- starkes Tele
Das Gelände fällt nach Osten ab. Wer bergauf geht, gewinnt Überblick, verliert aber die Nähe zu den Blöcken.
Was Sie selbst fotografieren dürfen
Für eigene Fotos der Pyramiden von Gizeh gelten inzwischen klare Regeln, und sie sind entspannter, als viele erwarten.
Mit dem Handy oder einer normalen Kamera zu fotografieren, ist auf dem Gelände kostenfrei, auch mit Spiegelreflex- und spiegellosen Modellen. Genehmigungspflichtig sind nach dem Wortlaut der amtlichen Regelung Fotoschirme, künstliches Außenlicht und Ausrüstung, die öffentliche Wege belegt oder blockiert. Ein Stativ wird dort nicht genannt. Verlassen Sie sich deshalb trotzdem nicht darauf: Vor Ort wird es häufig beanstandet, und ein aufgebautes Stativ fällt schnell unter die dritte Kategorie. Für Aufnahmen im Inneren einer Pyramide gilt eine gesonderte Regelung, die am Ticketschalter geklärt wird.
Eindeutig ist die Lage bei Drohnen: Sie sind ohne Genehmigung verboten, und die nötige Freigabe muss vor der Einreise bei der Luftfahrtbehörde beantragt werden. Für Reisende ist das praktisch unerreichbar. Alle Luftaufnahmen, die Sie sehen, entstanden mit Sondergenehmigung, aus einem Flugzeug oder per Satellit.

Warum es vor Ort anders aussieht
Ein letzter Hinweis zur Erwartung. Die berühmten Aufnahmen zeigen leeren Sand, weil sie so gemacht wurden: früh, mit gewählter Blickrichtung, oft außerhalb der normalen Öffnungszeiten. Vor Ort ist der Ort belebter, staubiger und lauter, als jedes Bild vermuten lässt.
Das macht die Motive nicht falsch. Es heißt nur, dass ein gutes Foto hier keine Momentaufnahme ist, sondern eine Entscheidung über Standort und Uhrzeit. Wer diese beiden Größen im Griff hat, bekommt mit dem Handy bessere Bilder als jemand mit teurer Ausrüstung um die Mittagszeit. Die gesamte Anlage steht seit 1979 auf der Welterbeliste der UNESCO, und die Absperrungen, die auf manchen Bildern stören, sind der Preis dafür, dass es sie noch gibt.
