Rund viereinhalbtausend Jahre. Das ist die Antwort, sie steht in jedem Nachschlagewerk, und sie ist im Rahmen dessen, was sich überhaupt bestimmen lässt, gut belegt.
Genauer wird es so gerechnet: Die größte der drei Pyramiden gilt als um 2560 vor Christus fertiggestellt. Bis heute sind das gut 4.580 Jahre. Weil die Datierung selbst eine Unsicherheit von einigen Jahrzehnten trägt, ist die runde Angabe von 4.500 Jahren die ehrlichere.
Das Alter der Pyramiden von Gizeh ist damit keine gemessene Größe wie eine Höhe, sondern ein abgeleiteter Wert. Es steht kein Datum am Bauwerk. Was es gibt, sind Königslisten, Verwaltungsnotizen, Grabungsbefunde und naturwissenschaftliche Messungen, und aus deren Zusammenspiel ergibt sich ein Zeitraum.
Zu unterscheiden ist außerdem zwischen dem Alter der Bauwerke und dem Alter des Ortes. Auf dem Felsrücken wurde schon vor dem Pyramidenbau bestattet, und in der Umgebung reicht die Nutzung noch weiter zurück. Wer fragt, wie alt der Ort ist, bekommt deshalb eine größere Zahl als bei der Frage nach den Bauwerken. Auf dieser Seite geht es um die Bauwerke.
Bemerkenswert ist, wie robust dieser Zeitraum ist. Seit rund hundert Jahren verschiebt sich die Datierung um Jahrzehnte, nicht um Jahrhunderte, und keine der großen Umwälzungen in der Archäologie hat daran etwas Grundsätzliches geändert. Wenn Sie irgendwo eine Zahl in ganz anderer Größenordnung lesen, etwa zehntausend Jahre, dann lesen Sie keine neuere Forschung, sondern eine andere Art von Behauptung.
Eine Kleinigkeit zur Rechnung, weil sie erklärt, warum Quellen sich um ein oder zwei Jahre unterscheiden. Zwischen dem Jahr 1 vor Christus und dem Jahr 1 nach Christus liegt kein Jahr null. Wer 2560 und 2026 einfach addiert, kommt auf 4.586 und liegt damit ein Jahr daneben. Solche Ein-Jahres-Unterschiede sind bei einer Datierung mit Jahrzehnten Unsicherheit ohne Bedeutung, tauchen aber in Nachschlagewerken auf und irritieren.
Diese Seite erklärt, woher die Zahl kommt, warum eine naturwissenschaftliche Methode systematisch etwas anderes liefert, und wie sich eine Zeitspanne dieser Länge überhaupt vorstellen lässt. Denn das ist die eigentliche Schwierigkeit: Viereinhalbtausend Jahre sind eine Zahl, die niemand fühlt.
Das Alter der drei Bauwerke
Die drei großen Pyramiden entstanden nacheinander unter drei Königen. Zwischen der ersten und der letzten liegen rund achtzig Jahre.
| Bauwerk | Fertigstellung, gängige Datierung | Alter im Jahr 2026 |
|---|---|---|
| Cheops-Pyramide | um 2560 v. Chr. | rund 4.580 Jahre |
| Chephren-Pyramide | um 2530 v. Chr. | rund 4.550 Jahre |
| Mykerinos-Pyramide | um 2500 v. Chr. | rund 4.520 Jahre |
| Großer Sphinx | um 2500 v. Chr. | rund 4.520 Jahre |
- Fertigstellung, gängige Datierung
- um 2560 v. Chr.
- Alter im Jahr 2026
- rund 4.580 Jahre
- Fertigstellung, gängige Datierung
- um 2530 v. Chr.
- Alter im Jahr 2026
- rund 4.550 Jahre
- Fertigstellung, gängige Datierung
- um 2500 v. Chr.
- Alter im Jahr 2026
- rund 4.520 Jahre
- Fertigstellung, gängige Datierung
- um 2500 v. Chr.
- Alter im Jahr 2026
- rund 4.520 Jahre
Alle Angaben tragen eine Unsicherheit von mehreren Jahrzehnten. Die Reihenfolge der Bauwerke ist dagegen sicher, weil sie sich aus der Bauabfolge im Gelände ergibt.
Woher die Jahreszahl kommt
Woher weiß man das überhaupt? Die Grundlage ist ein Verfahren, das mit Naturwissenschaft zunächst nichts zu tun hat.
Ägypten hat über drei Jahrtausende Königslisten geführt. Verzeichnet wurden Herrscher und ihre Regierungsjahre, und zwar fortlaufend, teils auf Papyrus, teils auf Stein. Aus diesen Listen lässt sich rückwärts rechnen: Wenn man weiß, wie lange jeder König regierte und in welcher Reihenfolge, ergibt sich ein Gerüst. Die Frage, wie alt ist die Cheops-Pyramide, wird damit zunächst zu einer Buchhaltungsfrage.
Dieses Gerüst hat zwei Schwächen. Erstens sind die Listen lückenhaft und teils beschädigt; ausgerechnet für die frühen Dynastien fehlen Abschnitte. Zweitens gab es Zeiten, in denen mehrere Herrscher gleichzeitig regierten, was beim Aufaddieren zu Doppelzählungen führt.
Die wichtigsten dieser Listen sind gut bekannt. Ein Papyrus aus Turin verzeichnet Herrscher und Regierungsjahre über Jahrhunderte hinweg und ist die wichtigste Einzelquelle für die frühen Dynastien, allerdings in einem beklagenswerten Zustand: Er zerfiel bereits beim Transport ins Museum in hunderte Fragmente, die seither geordnet werden. Dazu kommt eine im dritten Jahrhundert vor Christus verfasste Geschichte Ägyptens, die selbst nur in Zitaten späterer Autoren überliefert ist. Beide Quellen widersprechen sich an Stellen, und beide sind unentbehrlich.
Verankert wird das Gerüst deshalb an astronomischen Ereignissen. Ägyptische Texte vermerken gelegentlich den Frühaufgang bestimmter Sterne, und solche Ereignisse lassen sich rückrechnen. Damit bekommt die relative Abfolge einen absoluten Bezugspunkt.
Für Gizeh kommt der Grabungsbefund hinzu. Die drei Anlagen überlagern einander im Gelände, ihre Bauabfolge ist damit gesichert, und die umliegenden Beamtengräber lassen sich über Titel und Namen den jeweiligen Königen zuordnen. Die Grabungsdokumentation von über hundert Jahren macht dieses Netz nachvollziehbar.
Wie belastbar dieses Gerüst ist, zeigte sich, als 2013 an einem Hafenplatz am Roten Meer Papyri gefunden wurden. Darunter ist das Dienstbuch eines Inspektors, das ausdrücklich das 27. Regierungsjahr des Bauherrn der größten Pyramide nennt und Lieferungen zum Plateau verzeichnet. Ein Fund dieser Art hätte die Chronologie erschüttern können. Er hat sie stattdessen bestätigt und zugleich präzisiert, weil er zeigt, dass im 27. Jahr noch gebaut wurde.
Das Ergebnis ist eine Datierung mit einer Unsicherheit von Jahrzehnten. Für ein Ereignis vor viereinhalbtausend Jahren ist das bemerkenswert genau.
Was die Radiokarbondaten sagen
Jetzt zur Naturwissenschaft, und hier wird es interessant, weil sie ein anderes Ergebnis liefert als die Königslisten.
Beim Bau wurde Mörtel verwendet, und in diesem Mörtel steckt Holzkohle, Stroh und Schilf. Solches Material lässt sich mit der Radiokarbonmethode datieren. In zwei großen Kampagnen, 1984 und 1995, wurden Proben aus den Bauwerken selbst entnommen und gemessen.
Das Ergebnis war unerwartet. Die Messungen von 1984 lagen im Mittel 374 Jahre früher als die historische Chronologie erwarten ließ. Die Kampagne von 1995 kam auf hundert bis zweihundert Jahre Abweichung, ebenfalls in Richtung älter.
Kurz zum Verfahren, weil es die Abweichung verständlich macht. Lebende Organismen nehmen ständig Kohlenstoff aus der Umwelt auf, darunter einen kleinen Anteil einer radioaktiven Variante. Mit dem Tod hört die Aufnahme auf, und der radioaktive Anteil zerfällt mit bekannter Geschwindigkeit. Aus dem verbliebenen Anteil lässt sich zurückrechnen, wie lange der Tod her ist. Ergänzt wird das durch Eichkurven, die aus Jahresringen und anderen Archiven gewonnen werden, weil der Anteil in der Atmosphäre über die Jahrtausende schwankte. Die Auswertung der Kampagnen am Plateau beschreibt diese Arbeit im Detail.
Der Altholzeffekt erklärt die Abweichung
Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber gut erklärbar, und die Erklärung heißt Altholzeffekt. Radiokarbon datiert nicht den Zeitpunkt der Verwendung, sondern den Zeitpunkt, an dem ein Organismus aufhörte, Kohlenstoff aufzunehmen, also den Tod des Baums. Holz war in Ägypten knapp und wurde über Generationen weiterverwendet. Wer einen jahrhundertealten Balken verheizt, um Mörtel anzurühren, erzeugt Holzkohle, die entsprechend älter datiert als die Baustelle.
Dazu kommt, dass die Bauleute nachweislich älteres Material wiederverwendeten, teils aus Sparsamkeit, teils möglicherweise, um bewusst eine Verbindung zu den Vorgängern herzustellen. Das Alter der Cheops-Pyramide wird durch solche Messungen also systematisch überschätzt, und zwar in eine Richtung.
Eine grundsätzliche Einschränkung gehört dazu: Stein lässt sich mit dieser Methode nicht datieren. Kalkstein enthält Kohlenstoff, aber aus einem Meer vor vierzig Millionen Jahren, also weit jenseits der Reichweite des Verfahrens. Datierbar ist ausschließlich organisches Material, das beim Bau hineingeriet. Wer also fragt, wie alt ein bestimmter Block ist, fragt nach etwas, das mit dieser Methode nicht zu beantworten ist. Gemessen wird immer der Mörtel, nie der Stein.
Wichtig ist die Schlussfolgerung, die daraus gezogen wurde. Die Messungen haben die historische Einordnung bestätigt, nicht widerlegt: Das Bauwerk gehört in genau die Epoche, die die Ägyptologie annimmt. Die Streuung stammt aus dem Material, nicht aus einem Fehler in der Chronologie.





Halbtagestour zu den Pyramiden von Gizeh und dem Sphinx
- Die Bauabfolge der drei Anlagen ist im Gelände direkt ablesbar
- Ein lizenzierter Guide ordnet die Datierung ein, statt nur eine Jahreszahl zu nennen
- Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Viereinhalbtausend Jahre lassen sich nicht vorstellen
Und jetzt das eigentliche Problem: Viereinhalbtausend Jahre lassen sich nicht vorstellen. Die Zahl ist zu groß, und sie hat keinen Bezug zu irgendetwas, das ein Mensch erlebt.
Der übliche Trick ist ein Vergleich, und der beste geht so. Kleopatra, die letzte Herrscherin des unabhängigen Ägypten, lebte im ersten Jahrhundert vor Christus. Von ihr aus gerechnet waren die Pyramiden damals rund zweieinhalbtausend Jahre alt. Von uns aus gerechnet ist Kleopatra rund zweitausend Jahre entfernt. Die Pyramiden waren für Kleopatra also älter, als Kleopatra für uns ist.
Das lässt sich weiterdrehen. Als die Römer Ägypten übernahmen, waren die Bauwerke bereits antike Sehenswürdigkeiten mit Fremdenverkehr. Als Herodot sie beschrieb, war die Bauzeit rund zweitausend Jahre her, und er war auf Erzählungen von Priestern angewiesen, so wie wir heute auf mittelalterliche Chroniken.
Noch aufschlussreicher ist der Blick auf Ägypten selbst. Die ägyptische Hochkultur bestand rund dreitausend Jahre, von den ersten Königen bis zur römischen Eroberung. Die Pyramiden von Gizeh entstanden im ersten Sechstel dieser Spanne. Für die ägyptischen Priester, mit denen Herodot sprach, lag der Pyramidenbau weiter zurück als für uns das Ende des Weströmischen Reiches. Die Vorstellung eines gleichförmigen Alten Ägypten ist damit falsch: Zwischen den Pyramidenbauern und Tutanchamun liegen mehr Jahre als zwischen Tutanchamun und uns nicht, aber eben auch weit mehr als tausend.
Ein zweiter Zugang führt über Generationen. Rechnet man mit fünfundzwanzig Jahren je Generation, liegen zwischen dem Bau und heute rund hundertachtzig Generationen. Das ist eine Zahl, die man sich immer noch nicht vorstellen kann, aber sie ist wenigstens zählbar.
Ein weiterer Zugang macht die Verhältnisse räumlich. Stellen Sie sich die Zeit seit der Fertigstellung als eine Strecke von viereinhalb Metern vor, ein Jahr je Millimeter. Das Kolosseum steht dann bei zwei Metern, der Kölner Dom bei einem, die Erfindung der Dampfmaschine bei fünfundzwanzig Zentimetern, und Ihre eigene Lebensspanne ist ein Abschnitt von wenigen Zentimetern ganz am Ende. Die gesamte Zeit, aus der wir Fotografien besitzen, misst weniger als zwei Zentimeter.
Und ein dritter Zugang über den Alltag: In der Zeit, die seit der Fertigstellung vergangen ist, wurde die Schrift mehrfach neu erfunden, das Rad verbreitete sich, Bronze wich Eisen, Eisen wich Stahl, und in den letzten zwei Prozent dieser Zeitspanne entstand alles, was wir Technik nennen. Das Bauwerk stand die ganze Zeit über da.
Wie alt im Vergleich
Alter in Jahren, gerundet
Die Balken zeigen, wie ungewöhnlich weit dieses Bauwerk aus der übrigen Denkmallandschaft herausragt. Fast alles, was wir für alt halten, ist jünger als die Hälfte davon.
Gerundete Werte nach gängiger Datierung, zum Größenvergleich.

Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy
Die Bauwerke selbst und die Grabfelder ringsum liegen im normalen Ticketbereich. Für das Innere kommt vor Ort ein eigenes Ticket dazu.
Die Überschneidungen, die niemand erwartet
Am besten funktioniert das Begreifen über Überschneidungen, also über Dinge, die gleichzeitig existierten und für uns in völlig verschiedene Zeitalter gehören.
Das eindrücklichste Beispiel sind Mammuts. Auf dem Festland starben sie am Ende der letzten Eiszeit aus, doch auf einer Insel im Nordpolarmeer überlebte eine kleine Population sehr viel länger, nach heutigem Kenntnisstand bis etwa 1650 vor Christus. Als die größte Pyramide fertig war, gab es also noch Mammuts, und sie existierten danach fast tausend Jahre weiter.
Ähnlich verhält es sich mit Kulturen. Während in Gizeh gebaut wurde, blühte im Industal eine Stadtkultur mit Kanalisation und genormten Ziegeln, in Mesopotamien liefen Verwaltung und Schrift seit Jahrhunderten, und auf Kreta begann die Palastzeit. Das Alte Reich war also kein isolierter Sonderfall, sondern Teil einer Welt, in der an mehreren Stellen gleichzeitig große Organisationen entstanden.
Zwei Bilder, die im Kopf nie zusammenkommen, gehören damit in dieselbe Epoche: eine fertige Pyramide mit glatter weißer Außenhaut und eine Herde Mammuts. Das ist kein Kuriosum, sondern die zutreffende Vorstellung.
Der Vergleich funktioniert auch andersherum
In die andere Richtung funktioniert der Vergleich ebenso. Der im Alpeneis gefundene Mann, den wir für den Inbegriff von Urgeschichte halten, starb rund 3300 vor Christus, also etwa siebenhundertfünfzig Jahre vor der Fertigstellung der größten Pyramide. Er ist damit älter als das Bauwerk, aber nicht um Zeitalter, sondern um weniger, als zwischen uns und dem Mittelalter liegt. Wer beide Bilder nebeneinanderlegt, einen Gletschermann mit Kupferbeil und eine fertige Pyramide, sieht zwei Punkte derselben Epoche.
Weitere Überschneidungen in dieselbe Richtung: Der große Steinkreis von Stonehenge entstand ungefähr gleichzeitig mit den Pyramiden. Die Schrift war in Ägypten und Mesopotamien bereits Jahrhunderte alt, in China und Mittelamerika noch nicht erfunden. Und in Nordeuropa lebten Menschen zu dieser Zeit in Holz- und Lehmbauten, während in Gizeh ein Bauwerk aus sechs Millionen Tonnen Stein entstand.
Ein letzter Vergleich, der die Richtung umdreht. Von der Fertigstellung der größten Pyramide bis zur Geburt Kleopatras vergingen rund zweieinhalbtausend Jahre. In derselben Zeitspanne, von uns aus in die Zukunft gerechnet, läge das Jahr 4500. Was auch immer dann von unseren Bauwerken noch steht, hätte dasselbe Verhältnis zu uns wie die Pyramiden zu Kleopatra.
Wer das nebeneinanderlegt, versteht besser, warum die Anlage schon in der Antike als außergewöhnlich galt. Sie war es nicht nur handwerklich, sondern auch zeitlich: ein Bauwerk, das die Kultur überlebte, die es hervorbrachte, und danach noch zwei weitere Jahrtausende Geschichte überstand.
Die Behauptungen von einem viel höheren Alter
Bleibt die Frage nach den Behauptungen, die ein weit höheres Alter nennen, denn wer nach dem Alter sucht, stößt darauf.
Die verbreitetste betrifft nicht die Pyramiden, sondern den Sphinx. Sie stützt sich auf das Verwitterungsbild der Figur und schließt daraus auf starken Regen, den es in dieser Gegend seit Jahrtausenden nicht mehr gab. Daraus wird ein Alter von neuntausend Jahren oder mehr abgeleitet. Die Fachwelt teilt diese Deutung nicht, weil sich das Verwitterungsbild aus den Gesteinsschichten und aus Salzsprengung erklären lässt. Dazu gibt es auf diesem Portal eine eigene Seite.
Für die Pyramiden selbst sind solche Behauptungen seltener, und sie stoßen auf ein handfestes Problem. Ein Bauwerk dieser Größe entsteht nicht im luftleeren Raum. Es braucht Steinbrüche, Werkzeuge, eine Siedlung, Vorratshaltung, Verwaltung und einen Friedhof für die Beteiligten. All das ist am Plateau ausgegraben, und all das datiert in dieselbe Epoche. Wer die Bauwerke fünftausend Jahre älter machen will, muss auch die Bäckereien, die Speicher und die Gräber älter machen, und dafür gibt es keinen Befund.
Warum solche Behauptungen trotzdem Anklang finden, hat wenig mit Ägypten zu tun. Ein sehr hohes Alter macht aus einem gut erforschten Bauwerk ein Rätsel und aus einer bekannten Kultur eine unbekannte. Das ist erzählerisch attraktiv, und es hat den zusätzlichen Reiz, dass es die etablierte Wissenschaft ins Unrecht setzt. Dagegen steht ein unspektakulärer Befund: eine Kultur, die schrittweise lernte, immer größere Steinbauten zu errichten, und die dabei Fehlschläge hinterließ, die man besichtigen kann.
Dazu kommt die Bauabfolge. Die drei Anlagen überlagern einander, ihre Reihenfolge ist im Gelände ablesbar, und sie fügen sich in eine Entwicklungsreihe ägyptischer Pyramiden ein, die von Stufenbauten über misslungene Zwischenformen bis zur ausgereiften Form führt. Diese Reihe hat einen Anfang und ein Ende, und Gizeh sitzt darin an einer bestimmten Stelle.
Methodisch liegt die Beweislast dabei nicht bei der Fachwelt. Die gängige Datierung stützt sich auf Königslisten, astronomische Verankerung, Grabungsbefunde, Bauabfolge, Siedlungsfunde und naturwissenschaftliche Messungen, die sich gegenseitig stützen. Wer sie ersetzen will, muss nicht eine dieser Säulen erschüttern, sondern alle, und zwar mit Befunden statt mit Deutungen. Bislang ist das nicht geschehen.
Die gesamte Nekropole steht seit 1979 als Welterbe unter Schutz, gemeinsam mit den älteren Pyramidenfeldern von Sakkara und Dahschur. Diese Zusammenfassung ist kein Verwaltungsakt, sondern folgt genau dieser Entwicklungsreihe.





Tagestour zum Großen Ägyptischen Museum und zum Plateau
- Im Museum liegen die datierten Funde, aus denen die Chronologie aufgebaut ist
- Plateau und Museum an einem Tag, ohne zwei Anfahrten selbst zu organisieren
- Eintritte, deutschsprachige Führung, Abholung und Mittagessen sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Wie weit ist das von Ihnen entfernt?
Voreinstellung 25 Jahre je Generation.
Bei einem Geburtsjahr von 1985 und 25 Jahren je Generation sind es rund 182 Generationen und etwa 111 Ihrer bisherigen Lebensspannen.
Nicht das Alter, die Sichtbarkeit
Zum Schluss eine Einordnung, die das Alter erst richtig bemerkenswert macht: Die Pyramiden sind nicht deshalb außergewöhnlich, weil sie alt sind, sondern weil sie so lange sichtbar geblieben sind.
Es gibt ältere Bauwerke. In Anatolien stehen Anlagen, die mehrere tausend Jahre älter sind, und in Europa gibt es Grabbauten aus Stein, die den Pyramiden zeitlich vorausgehen. Nur waren sie über lange Strecken verschüttet, vergessen oder unbekannt. Sie wurden ausgegraben, nicht überliefert.
Die Pyramiden dagegen waren nie weg. Es gibt keinen Zeitpunkt in den letzten viereinhalbtausend Jahren, an dem niemand wusste, dass sie dort stehen. Ägypter, Perser, Griechen, Römer, Araber, Osmanen und Europäer haben sie gesehen, beschrieben, geplündert, vermessen und bestaunt. Sie sind das einzige Bauwerk dieser Größenordnung mit einer ununterbrochenen Beobachtungsgeschichte.
Die Beobachtungsgeschichte ist selbst eine Quelle
Diese Beobachtungsgeschichte ist selbst eine Quelle. Griechische Reisende beschrieben die Verkleidung, als sie noch vollständig war. Arabische Gelehrte des Mittelalters vermaßen die Bauwerke und notierten Zustände, die es heute nicht mehr gibt. Europäische Reisende des 17. und 18. Jahrhunderts zeichneten, was inzwischen abgetragen ist. Aus diesen Berichten lässt sich der Verfall über zweitausend Jahre hinweg verfolgen, und das ist bei kaum einem anderen Bauwerk der Welt möglich.
Das erklärt auch, warum die Datierung so stabil ist. Ein Bauwerk, das seit der Antike beschrieben wird, hat eine dichte Quellenlage, und jede neue Methode wird an dieser Lage geprüft statt an einem leeren Blatt.
Diese Kontinuität hat auch eine unangenehme Seite. Ein Bauwerk, das nie vergessen wurde, war auch nie geschützt. Die Verkleidung wurde abgetragen, weil sie erreichbar war, die Kammern wurden geplündert, weil man von ihnen wusste, und die Steine wanderten in Bauten der Umgebung. Was heute steht, verdankt seine Erhaltung nicht der Fürsorge, sondern der schieren Masse: Es war zu groß, um vollständig abgeräumt zu werden.
Und es erklärt die Wirkung vor Ort. Für die Reiseplanung heißt das wenig, für den Besuch selbst einiges. Es lohnt sich, einmal stehen zu bleiben und den Gedanken zu Ende zu denken: Dieses Bauwerk war bereits ein Denkmal, als die Menschen, die wir als Antike bezeichnen, es besuchten. Es hat jede Herrschaft überdauert, die es je verwaltet hat, und es wird mit ziemlicher Sicherheit auch die unsere überdauern.
Wer davorsteht, sieht nicht nur ein altes Bauwerk, sondern eines, das schon für Menschen alt war, die ihrerseits seit zweitausend Jahren tot sind. Das ist der Teil, den keine Jahreszahl vermittelt.
Häufige Fragen
Vor wie vielen Jahren wurden die Pyramiden gebaut?
Die größte wurde um 2560 v. Chr. fertiggestellt, also vor rund 4.580 Jahren. Die beiden anderen folgten in den darauffolgenden achtzig Jahren.
Wie genau ist diese Angabe?
Die Unsicherheit liegt im Bereich von Jahrzehnten, nicht von Jahrhunderten. Deshalb ist die gerundete Angabe von 4.500 Jahren die ehrlichere.
Warum sagt die Radiokarbonmethode etwas anderes?
Sie datiert den Tod des Holzes, nicht den Bau. Weil altes Holz weiterverwendet wurde, fallen die Messungen systematisch zu alt aus, um hundert bis mehrere hundert Jahre.
Sind sie das älteste Bauwerk der Welt?
Nein. Es gibt deutlich ältere Anlagen. Einzigartig ist eher, dass die Pyramiden nie in Vergessenheit gerieten und durchgehend sichtbar blieben.
Was ist mit den Behauptungen von 10.000 Jahren?
Sie betreffen meist den Sphinx und stützen sich auf dessen Verwitterungsbild. Die Fachwelt erklärt dieses aus den Gesteinsschichten und aus Salzsprengung.
Wie alt war die Anlage zur Zeit Kleopatras?
Rund zweieinhalbtausend Jahre. Die Pyramiden waren für sie also älter, als sie selbst für uns ist.

Private Tour zum Großen Ägyptischen Museum und zu den Pyramiden
Privat geführt, also Zeit für Fragen zur Chronologie statt für einen festen Gruppentakt. Eintritte und Mittagessen sind enthalten.



