Die Pyramiden von Gizeh gehören drei Königen, und diese drei regierten unmittelbar nacheinander in derselben Familie: Großvater, Sohn, Enkel, in einem Zeitraum von rund achtzig Jahren.
Das ist bemerkenswert, weil es die Anlage in ein anderes Licht rückt. Es handelt sich nicht um eine über Jahrhunderte gewachsene Nekropole, in der irgendwann irgendwer etwas hinzufügte, sondern um ein Familienunternehmen über drei Generationen. Die Bauwerke stehen nebeneinander, weil die Bauherren miteinander verwandt waren.
Diese drei gehören zur vierten Dynastie, und die hatte mehr Könige als drei. Die übrigen bauten anderswo, aus Gründen, die teils erkennbar und teils rätselhaft sind. Auch das gehört zur Antwort, denn es zeigt, dass Gizeh keine selbstverständliche Wahl war.
Und dann gibt es die Verwechslungen. Der bekannteste ägyptische König überhaupt hat mit diesem Gelände nichts zu tun, liegt gut zwölfhundert Jahre später und ist mehrere hundert Kilometer entfernt bestattet. Auch dazu weiter unten mehr.
Zur Einordnung gehört außerdem, dass diese Dynastie nicht besonders lang war. Sechs Könige, zusammen gut hundert Jahre, und in diese Spanne fällt der gesamte Höhepunkt des ägyptischen Pyramidenbaus. Davor wurde experimentiert, danach wurde kleiner gebaut. Was das Alte Reich an Steinmasse hinterlassen hat, konzentriert sich damit auf wenige Generationen.
Vorweg ein Hinweis zu den Namen. Die geläufigen Formen sind griechisch, die ägyptischen klingen anders. Cheops hieß Chufu, Chephren hieß Chafre, Mykerinos hieß Menkaure. Beide Formen sind gebräuchlich und meinen dieselben Personen.
Chufu, und warum die Zuordnung ungewöhnlich sicher ist
Welcher Pharao hat die Cheops-Pyramide gebaut? Chufu, der zweite König der vierten Dynastie, und die Zuordnung ist ungewöhnlich gut abgesichert.
Sie beruht nicht auf einer Weiheinschrift, denn die gibt es nicht, sondern auf Markierungen der Bautrupps in den Entlastungskammern über der Grabkammer. Diese Räume waren nie zum Betreten bestimmt, und die roten Farbnotizen darin enthalten seinen Namen. Eine Fälschung an einer Stelle, die niemand sehen sollte, ergäbe keinen Sinn.
Sein Vater war Snofru, der Erbauer mehrerer Pyramiden in Dahschur und derjenige, unter dem die Bauform ausgereift ist. Sein Sohn Chafre errichtete die mittlere Anlage samt Sphinx, sein Enkel Menkaure die kleinste. Damit ist die Reihenfolge auf dem Gelände zugleich eine Generationenfolge.
Die absoluten Jahreszahlen schwanken je nach Chronologie um Jahrzehnte. Eine gängige Herrscherliste setzt Chufu auf rund 2550 bis 2530 vor Christus an, andere Zählungen liegen etwas früher. Für die Reihenfolge und die Abstände zwischen den Regierungen spielt das keine Rolle, für die Jahreszahl auf einem Schild schon.
Die Familienzugehörigkeit selbst ist gut belegt, und zwar über die Beamtengräber ringsum. In den Grabkapellen des Hofstaats stehen Titel, die Verwandtschaftsverhältnisse und Zuständigkeiten nennen, teils über mehrere Generationen. Aus diesem Netz lässt sich die Königsfolge unabhängig von den Königslisten rekonstruieren, und beide stimmen überein. Das ist der Grund, warum die Reihenfolge als gesichert gilt, auch wenn die Jahreszahlen schwanken.
Wie lange Chufu regierte, ist ebenfalls nicht sicher. Überliefert sind Angaben zwischen gut zwanzig und über dreißig Jahren, und ein Fund von 2013 belegt immerhin, dass im 27. Jahr seiner Regierung noch am Plateau gebaut wurde.





Halbtagestour zu den Pyramiden von Gizeh und dem Sphinx
- Die drei Anlagen liegen in der Reihenfolge der Generationen nebeneinander
- Ein lizenzierter Guide ordnet zu, welches Bauwerk zu welchem König gehört
- Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Die drei Bauherren von Gizeh
Chufu, griechisch Cheops
Zweiter König der Dynastie, Sohn des Snofru. Errichtete die größte Pyramide, rund 146,6 Meter hoch.
- Gut für
- Die Anlage mit der größten Masse, der aufwendigsten Innenstruktur und der besten Beleglage.
- Aufpassen
- Von ihm ist als einziges Bildnis eine Elfenbeinfigur von siebeneinhalb Zentimetern erhalten.
Chafre, griechisch Chephren
Sohn Chufus. Errichtete die mittlere Anlage und mit hoher Wahrscheinlichkeit den Sphinx.
- Gut für
- Die einzige Anlage, bei der die vollständige Kette von Taltempel bis Pyramide erhalten ist.
- Aufpassen
- Wirkt auf Fotos höher als die größere Nachbarin, weil sie höher steht und ihre Kappe behalten hat.
Menkaure, griechisch Mykerinos
Enkel Chufus. Errichtete die kleinste der drei Anlagen, die unvollendet blieb.
- Gut für
- Der anschaulichste Bauzustand des Geländes: roh belassener Granit neben geglätteter Fläche.
- Aufpassen
- Der Totentempel wurde nach seinem Tod in Lehmziegeln zu Ende gebracht, nicht in Stein.

Drei Könige der Dynastie bauten woanders
Die vierte Dynastie hatte sechs Könige, und nur drei davon bauten in Gizeh. Die anderen drei sind fast so aufschlussreich.
Snofru, der Vater des größten Bauherrn, baute in Dahschur, rund dreißig Kilometer südlich. Ihm werden mehrere Pyramiden zugeschrieben, darunter eine mit einem Knick in der Flanke, weil die ursprüngliche Neigung nicht zu halten war. Er hat also mehr Steinvolumen bewegt als sein Sohn, verteilt auf mehrere Bauwerke, und dabei die Bauform zur Reife gebracht.
Zwischen Chufu und Chafre regierte Djedefre, und der ging nach Abu Rawash, mehrere Kilometer nördlich des Plateaus. Sein Bauwerk ist heute weitgehend abgetragen. Bemerkenswert ist etwas anderes: Er führte als erster den Titel Sohn des Sonnengottes, und sein Standortwechsel wird häufig mit dieser religiösen Verschiebung in Verbindung gebracht.
Am Ende der Dynastie steht Schepseskaf, und der brach mit der Bauform ganz. Er brachte die Anlage seines Vorgängers in Gizeh zu Ende, ließ sich selbst aber nicht in einer Pyramide bestatten, sondern in einem großen rechteckigen Bau in Sakkara. Warum, ist unbekannt.
Aus dieser Verteilung lässt sich etwas ablesen. Der Standort einer Königsanlage war offenbar keine Familientradition, sondern eine Entscheidung, und sie fiel bei jedem Herrscher neu. Erst als das Plateau bereits zwei große Anlagen trug, wurde es zum selbstverständlichen Ort, und selbst dann wich der letzte König der Dynastie wieder davon ab.
Die amtliche Übersicht zum Gelände führt entsprechend nur drei Königsanlagen. Alles andere auf dem Plateau gehört Angehörigen, Beamten und Handwerkern.
Was wir über diese Menschen wissen
Was wissen wir über diese Menschen? Erstaunlich wenig, und die Verteilung ist paradox.
Von Chufu, dem Bauherrn des größten Steinbauwerks der Erde, existiert als einzige vollständig erhaltene Rundplastik eine Figur aus Elfenbein von siebeneinhalb Zentimetern Höhe. Sie wurde 1903 in Abydos gefunden, in zwei Teilen, der Kopf erst drei Wochen nach dem Körper. Das ist alles.
Von seinem Sohn Chafre dagegen sind mehrere Statuen in Lebensgröße erhalten, darunter eine berühmte Sitzfigur, bei der ein Falke von hinten den Kopf umfasst. Auch von Menkaure gibt es Bildwerke, unter anderem Gruppenfiguren mit Göttinnen. Ausgerechnet der bekannteste der drei ist der am schlechtesten bezeugte.
Über die Persönlichkeiten sagt das wenig. Herodot beschreibt Chufu zweitausend Jahre später als Tyrannen, der die Tempel schließen ließ, doch dafür gibt es keinen ägyptischen Beleg, und die Erzählung trägt alle Merkmale einer späten Legende. Ägyptische Quellen aus der Zeit selbst sind Verwaltungstexte und Titel, keine Charakterbilder.
Ein Detail relativiert das Bild vom allmächtigen Herrscher. Die Beamtengräber am Plateau zeigen eine breite Führungsschicht mit eigenen Titeln, eigenen Grabanlagen und eigenen Kultstiftungen, angelegt in Sichtweite des Königsgrabes. Diese Menschen sind namentlich bekannt, oft besser als die Könige selbst, weil ihre Kapellen dekoriert und beschriftet sind. Wer über die vierte Dynastie etwas erfahren will, erfährt es überwiegend von ihnen.
Was sich sagen lässt, ist organisatorisch: Diese drei Regierungen verfügten über eine Verwaltung, die zehntausende Menschen einteilen, versorgen und über Jahrzehnte koordinieren konnte. Das ist für sich genommen die aussagekräftigste Auskunft über sie.

Vier verbreitete Verwechslungen
- Falsch
Tutanchamun hat etwas mit den Pyramiden von Gizeh zu tun.
Er regierte rund zwölfhundert Jahre später und wurde im Tal der Könige bei Luxor bestattet, mehrere hundert Kilometer entfernt.
- Stimmt
Kleopatra kannte die Pyramiden.
Sie lebte rund zweieinhalbtausend Jahre nach dem Bau. Die Bauwerke waren für sie älter, als sie selbst für uns ist.
- Falsch
Alle Pharaonen wurden in Pyramiden bestattet.
Die Bauform war nur wenige Jahrhunderte üblich. Schon der letzte König dieser Dynastie wählte einen anderen Grabtyp.
- Teilweise
Der Sphinx stellt Chafre dar.
Die Zuschreibung ist gut begründet, aber ein Vergleich mit erhaltenen Statuen ist wegen Verwitterung und späterer Ausbesserungen nur eingeschränkt möglich.
Tutanchamun hat mit Gizeh nichts zu tun
Zur häufigsten Verwechslung lohnt ein eigener Absatz, weil sie sich hartnäckig hält.
Tutanchamun und die Pyramiden von Gizeh haben nichts miteinander zu tun. Er gehört in die achtzehnte Dynastie und regierte im vierzehnten Jahrhundert vor Christus, also rund zwölfhundert Jahre nach dem Bau der großen Pyramide. Bestattet wurde er nicht in einer Pyramide, sondern in einem Felsgrab im Tal der Könige bei Luxor, gut fünfhundert Kilometer flussaufwärts.
Der Grund für die Verwechslung liegt auf der Hand. Sein Grab wurde 1922 nahezu ungeplündert gefunden, mit einer Ausstattung, die seither das Bild vom alten Ägypten prägt. Goldmaske und Pyramide sind die beiden bekanntesten Bilder dieser Kultur, und im Kopf rücken sie zusammen, obwohl zwischen ihnen mehr Zeit liegt als zwischen uns und dem Römischen Reich.
Bemerkenswert ist übrigens, wie unterschiedlich die Überlieferungslage ausfällt. Von Tutanchamun kennen wir das Gesicht, die Kleidung, die Möbel, sogar die Krankheiten. Von den drei Königen, deren Bauwerke tausendmal mehr Material verschlangen, kennen wir Namen, Regierungsjahre und ein paar Statuen. Bekanntheit hängt in der Archäologie nicht davon ab, wie groß jemand gebaut hat, sondern davon, ob sein Grab ungeplündert geblieben ist.
Für den Besuch hat das eine praktische Folge: Wer die berühmten Goldobjekte sehen will, muss ins Museum, nicht auf das Plateau. In den Pyramiden gibt es nichts dergleichen, und es gab dort auch nie etwas Vergleichbares zu sehen, weil Königsgrabkammern dieser Epoche schmucklos waren.
Eine zweite Verwechslung betrifft die Reihenfolge der Bauwerke. Weil die mittlere Pyramide auf Fotos oft am höchsten wirkt, halten viele sie für die älteste oder größte. Tatsächlich ist die nordöstliche die erste und größte, die mittlere die zweite, die südwestliche die dritte und kleinste. Die Generationenfolge verläuft also von Nordost nach Südwest, und wer das einmal weiß, liest das Gelände in der richtigen Richtung.
Umgekehrt gilt: Was auf dem Plateau steht, hat Tutanchamun bereits als uraltes Denkmal vorgefunden, so wie wir eine romanische Kirche.
Häufige Fragen
Für welchen Pharao wurde die Cheops-Pyramide gebaut?
Für Chufu, im Deutschen meist Cheops genannt, den zweiten König der vierten Dynastie. Er gab sie in Auftrag und sollte darin bestattet werden.
Wie viele Könige der vierten Dynastie bauten in Gizeh?
Drei von sechs. Die übrigen bauten in Dahschur, in Abu Rawash und in Sakkara.
Waren die drei miteinander verwandt?
Ja. Es handelt sich um Vater, Sohn und Enkel, deren Regierungen unmittelbar aufeinanderfolgten.
Warum sind die Jahreszahlen unterschiedlich?
Weil verschiedene Chronologien die absoluten Daten um Jahrzehnte unterschiedlich ansetzen. Reihenfolge und Abstände sind dagegen sicher.
Gibt es Bildnisse dieser Könige?
Von Chafre und Menkaure mehrere, teils lebensgroß. Von Chufu ist nur eine Elfenbeinfigur von siebeneinhalb Zentimetern erhalten.

Tagestour zum Großen Ägyptischen Museum und zum Plateau
Die Königsstatuen der vierten Dynastie stehen im Museum, nicht auf dem Plateau. Eintritte und Führung sind enthalten.
