Wer die Pyramiden von Gizeh von oben sehen will, stößt fast immer auf dieselben Bilder, und fast keines davon stammt von einer Drohne. Das hat einen einfachen Grund: In Ägypten sind Drohnen seit 2015 verboten.
Die Aufnahmen, die kursieren, kommen aus vier ganz verschiedenen Quellen, die jeweils etwas anderes zeigen. Eine militärische Befliegung aus den 1930er Jahren, Aufklärungssatelliten aus dem Kalten Krieg, heutige Erdbeobachtungssatelliten und die Handvoll Fluggeräte, die heute legal über das Gelände dürfen.
Diese vier Herkünfte zu kennen, lohnt sich nicht aus Rechthaberei. Sie erklären, warum manche Bilder scharf und schräg sind und andere flach und senkrecht, warum die ältesten oft die interessantesten sind, und wo Sie brauchbares Material finden, ohne bei einem Bilderdienst zu landen, der Ihnen ein nachbearbeitetes Rendering verkauft.
Vier Wege, wie ein Bild von oben entsteht
- 1918 bis 1939
Militärische Luftbildaufnahme. Die Royal Air Force fotografiert im Zuge von Aufklärung und Kartierung systematisch entlang des Nils, Gizeh eingeschlossen.
- 29. Februar 1936
Eine Befliegung der ägyptischen Luftstreitkräfte liefert Schrägaufnahmen der Nekropole, die bis heute im Grabungsarchiv liegen.
- 1960er Jahre
Aufklärungssatelliten des Corona-Programms nehmen die Region auf. Die Bilder sind inzwischen freigegeben und dienen als Vergleichsmaßstab.
- seit 1999
Kommerzielle Erdbeobachtungssatelliten liefern hochauflösende Senkrechtaufnahmen, heute ergänzt durch die Sentinel-Satelliten des europäischen Programms.
- heute
Legal fliegen über dem Plateau nur wenige Fluggeräte. Drohnen sind seit 2015 untersagt.
Drei Dinge, die man nur von oben sieht
Ein Luftbild des Pyramidenkomplexes zeigt drei Dinge, die vom Boden aus unsichtbar bleiben.
Erstens die Ordnung. Die drei großen Bauwerke stehen nicht zufällig, sondern auf einer Achse, und zwischen ihnen liegen die Grabfelder in Reihen wie Straßenzüge. Vom Boden sieht man Schutt, von oben ein Raster.
Zweitens die Aufwege. Die Verbindungslinien von den Taltempeln im Osten hinauf zu den Pyramiden sind heute größtenteils zerstört, im Bewuchs- und Schattenmuster aus der Luft aber noch nachzuvollziehen.
Drittens die Grenze. Der Übergang von der Millionenstadt zur offenen Wüste verläuft entlang der Umzäunung so scharf, dass er wie gezeichnet wirkt. Kein Foto vom Boden erzählt so ehrlich, wo dieser Ort liegt.
Das Grabungsarchiv der Harvard University hält für genau diese Fragen Luft- und Satellitenaufnahmen bereit, darunter die Schrägaufnahmen von 1936 und Satellitenbilder aus den Jahren 1999 bis 2009.





Rundflug im Ultraleichtflugzeug über das Plateau
- Die einzige Möglichkeit, eine eigene Aufnahme von oben zu machen, seit Drohnen ausscheiden
- Rund fünfzehn Minuten Flugzeit über der gesamten Nekropole
- Als privater Flug gebucht, Sie teilen das Gerät mit niemandem
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Vier Blicke von oben, vier Aussagen




Warum die alten Bilder wichtiger sind
Warum die alten Bilder heute wichtiger sind als die neuen, ist der eigentliche Punkt dieser Seite.
Eine Draufsicht auf die Pyramiden von 1936 oder aus den 1960er Jahren zeigt einen Zustand, den es nicht mehr gibt: weniger Bebauung, unversehrte Flächen, Strukturen, die seither überbaut oder abgetragen wurden. Genau deshalb arbeitet die Archäologie damit. Das Projekt EAMENA, das gefährdete Fundstätten in Nordafrika und dem Nahen Osten dokumentiert, beschreibt, wie alte Luft- und Satellitenbilder als Vergleichsmaßstab dienen, um Schäden und das Verschwinden ganzer Fundplätze überhaupt nachweisen zu können.
Dasselbe Projekt hält übrigens fest, dass Drohnen in Ägypten seit 2015 verboten sind, und beschreibt, womit Grabungsteams stattdessen arbeiten: mit Drachen, Ballons und Kamerastangen.
Aktuelles Material liefert heute vor allem die Raumfahrt. Die Europäische Weltraumorganisation hat im April 2025 eine Aufnahme des Gebiets aus dem Copernicus-Programm veröffentlicht, aufgenommen am 25. März 2025, auf der die Pyramiden westlich des dichten Stadtgefüges deutlich zu erkennen sind.
Wo Sie brauchbares Material finden
Wo Sie brauchbares Material finden, hängt davon ab, wofür Sie es brauchen.
Für den privaten Gebrauch und für Vorträge sind die freigegebenen Satellitenbilder der europäischen und amerikanischen Raumfahrtprogramme der geradeste Weg, weil ihre Nutzungsbedingungen offen liegen. Für historische Aufnahmen führt der Weg über Grabungsarchive und Universitätssammlungen, die ihre Bestände zunehmend digitalisieren.
Was Sie meiden sollten, sind die Treffer aus der allgemeinen Bildersuche. Ein erheblicher Teil dessen, was dort als Luftaufnahme erscheint, ist entweder ein Rendering, eine Montage aus mehreren Bildern oder eine Aufnahme, die gar nicht Gizeh zeigt. Erkennbar ist das an drei Dingen: eine zu perfekte Symmetrie, eine fehlende Stadt im Hintergrund und Schatten, die nicht zueinander passen.
Und wenn Sie ein eigenes Bild wollen, bleibt genau ein legaler Weg, und der führt in ein Fluggerät mit Ausbilder.
Häufige Fragen
Darf ich mit einer Drohne fliegen?
Nein. Drohnen sind in Ägypten seit 2015 verboten, und schon die Einfuhr ohne Genehmigung führt regelmäßig zur Beschlagnahme.
Woher stammen die ältesten Luftbilder?
Aus militärischen Befliegungen. Die Royal Air Force fotografierte zwischen 1918 und 1939 entlang des Nils, und eine Aufnahme der ägyptischen Luftstreitkräfte vom 29. Februar 1936 liegt bis heute im Grabungsarchiv.
Warum sind alte Aufnahmen für die Forschung wertvoll?
Weil sie einen Zustand zeigen, den es nicht mehr gibt. Erst der Vergleich macht Schäden und überbaute Flächen nachweisbar.
Gibt es aktuelle Satellitenbilder frei zugänglich?
Ja. Die europäischen Copernicus-Satelliten liefern regelmäßig Aufnahmen, und die Weltraumorganisation veröffentlicht ausgewählte Bilder mit Datum.
