Die Namen der Pyramiden von Gizeh

Cheops, Chephren und Mykerinos sind griechische Namen. Die Bauwerke selbst hießen anders, und der bekannteste bedeutete übersetzt Horizont des Chufu.

Es gibt drei Antworten auf diese Frage, je nachdem, welche Namen gemeint sind.

Die geläufigen deutschen Bezeichnungen lauten Cheops-Pyramide, Chephren-Pyramide und Mykerinos-Pyramide. Diese Namen sind griechisch. Sie stammen aus der Wiedergabe ägyptischer Königsnamen bei antiken Autoren und sind über das Lateinische in die europäischen Sprachen gelangt.

Die ägyptischen Namen derselben Könige klingen anders. Wer nach Chufu Chafre Menkaure sucht, sucht nach denselben drei Personen, nur in der Form, die in der Fachliteratur üblich ist. Cheops entspricht Chufu, Chephren entspricht Chafre, Mykerinos entspricht Menkaure.

Und dann gibt es eine dritte Ebene, die fast immer fehlt: Die Bauwerke selbst trugen eigene Namen. Sie hießen nicht nach ihren Bauherren, sondern hatten eine Bezeichnung, die eine Aussage enthielt. Diese Namen sind überliefert, und sie sind die interessanteste Antwort auf die Frage.

Drei Bauwerke, drei Namensebenen

Die nordöstliche, größte

Deutsch Cheops-Pyramide, ägyptisch Pyramide des Chufu.

Gut für
Ihr eigener Name lautete Achet-Chufu, übersetzt etwa Horizont des Chufu.
Aufpassen
Der Horizont ist im ägyptischen Denken der Ort, an dem die Sonne zwischen den Welten wechselt. Der Name beschreibt also eine Funktion, keinen Besitz.

Die mittlere

Deutsch Chephren-Pyramide, ägyptisch Pyramide des Chafre.

Gut für
Ihr eigener Name lautete Wer-Chafre, übersetzt Chafre ist groß.
Aufpassen
Eine Aussage über den König, nicht über das Bauwerk. Solche Namen waren Programm, nicht Beschreibung.

Die südwestliche, kleinste

Deutsch Mykerinos-Pyramide, ägyptisch Pyramide des Menkaure.

Gut für
Ihr eigener Name lautete Netjer-er-Menkaure, übersetzt Menkaure ist göttlich.
Aufpassen
Der bescheidenste Bau trägt den weitreichendsten Namen. Ein Zusammenhang zwischen Größe und Anspruch bestand offenbar nicht.

Jede Pyramide trug einen Eigennamen

Diese Eigennamen sind kein Kuriosum, sondern die Regel. Jede ägyptische Königspyramide trug einen, und die Namen folgen erkennbaren Mustern: Sie nennen den König und stellen eine Behauptung über ihn auf, oder sie beschreiben den Ort als Übergang.

Überliefert sind sie nicht durch Inschriften an den Bauwerken selbst, denn die gibt es nicht. Sie stehen in Verwaltungstexten, in Titeln von Priestern und Beamten und in Grabinschriften der Umgebung. Wer für den Kult an einer bestimmten Anlage zuständig war, führte das im Titel, und dabei taucht der Name des Bauwerks auf.

Die amtliche Darstellung des Geländes nennt die geläufigen Formen, während die Eigennamen der Bauwerke vor allem in der Fachliteratur begegnen. Für ein Schild vor Ort sind sie zu sperrig, für das Verständnis der Anlage sind sie aufschlussreich.

Bemerkenswert ist, was in keinem dieser Namen vorkommt: das Wort Pyramide. Auch das ist griechisch und wurde erst später auf diese Bauform übertragen.

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Die Inschriften, aus denen die Namen stammen, stehen im Museum. Am Plateau selbst gibt es an den Bauwerken keine.

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Hieroglypheninschrift mit einem Königsnamen in einer Kartusche
Königsnamen stehen in einer Kartusche. Aus solchen Inschriften stammen die ägyptischen Namensformen.

Warum sich die griechischen Formen durchsetzten

Warum sich die griechischen Formen durchgesetzt haben, ist schnell erklärt: Europa lernte diese Bauwerke über griechische und römische Autoren kennen, nicht über ägyptische Quellen.

Als die Hieroglyphen im 19. Jahrhundert entziffert wurden und die ägyptischen Namensformen wieder lesbar waren, standen die griechischen längst in allen Büchern. Sie blieben deshalb im allgemeinen Sprachgebrauch, während die Fachwelt zunehmend zu den ägyptischen überging. Beide Formen sind bis heute korrekt.

Praktisch heißt das: In Reiseführern und auf Schildern finden Sie Cheops, in Grabungsberichten Chufu. Die Umschriften schwanken zusätzlich, weil das Ägyptische keine Vokale schrieb; Chafre, Chefren und Khafra meinen dieselbe Person. Das digitale Grabungsarchiv zum Plateau führt die Bauwerke entsprechend unter ihren ägyptischen Bezeichnungen und Nummern.

Für den Sphinx gilt dasselbe Muster in verschärfter Form. Sein geläufiger Name ist griechisch und stammt aus einem ganz anderen Sagenkreis. Die Ägypter des Neuen Reichs nannten die Figur Hor-em-achet, übersetzt etwa Horus im Horizont. Wie sie zur Bauzeit hieß, ist nicht überliefert. Auch hier ist die bekannte Bezeichnung also eine Fremdbezeichnung, vergeben lange nach der Entstehung.

Wer zwei Quellen vergleicht und dabei auf unterschiedliche Namen stößt, hat es also fast nie mit unterschiedlichen Personen zu tun, sondern mit unterschiedlichen Konventionen.

Häufige Fragen

Wie werden die drei Pyramiden von Gizeh genannt?

Im Deutschen Cheops-, Chephren- und Mykerinos-Pyramide. In der Fachliteratur nach den ägyptischen Königsnamen Chufu, Chafre und Menkaure.

Hatten die Bauwerke eigene Namen?

Ja. Achet-Chufu, Horizont des Chufu. Wer-Chafre, Chafre ist groß. Netjer-er-Menkaure, Menkaure ist göttlich.

Woher stammen die griechischen Namen?

Aus der Wiedergabe ägyptischer Königsnamen bei antiken Autoren. Über das Lateinische kamen sie in die europäischen Sprachen.

Warum gibt es verschiedene Schreibweisen?

Weil das Ägyptische keine Vokale schrieb. Chafre, Chefren und Khafra sind Umschriften derselben Konsonantenfolge.

Woher kennt man die Namen der Bauwerke?

Aus Verwaltungstexten und aus Titeln von Priestern und Beamten, die für den Kult an einer bestimmten Anlage zuständig waren.