Nilkreuzfahrt welches Schiff, lautet die Frage, die nach der Entscheidung für die Reise als Nächste kommt. Sie ist berechtigt, und die üblichen Antworten helfen nicht.
Der Grund ist eine Eigenheit dieses Marktes. Die Sternekategorien für Nilschiffe stammen aus den achtziger Jahren, und seit den späten Neunzigern ist praktisch nichts mehr unterhalb von vier Sternen gebaut oder verkauft worden. Ältere Schiffe wurden umgebaut und höher eingestuft. Das Ergebnis: Fast die gesamte Flotte trägt heute vier oder fünf Sterne, und eine Einstufung, die fast alle tragen, unterscheidet nichts.
Dazu kommt, dass diese Sterne eine ägyptische Einstufung für Flussschiffe sind und nicht dasselbe messen wie die Sterne eines europäischen Hotels. Ein Vergleich zwischen beiden führt in die Irre, in beide Richtungen.
Es gibt trotzdem klare Unterschiede zwischen den Schiffen, sie stehen nur nicht in der Kategorie. Sie stehen in der Bauform, in der Zahl der Kabinen, in der Höhe des Decks und in einer Eigenheit des Nils, mit der niemand rechnet, der noch nie dort war.





Sechs Tage Ägypten mit Nilkreuzfahrt, all inclusive
- Ein vollständiges Paket mit Kreuzfahrt, deutschsprachiger Führung und enthaltenem Plateau-Eintritt
- Sechs Tage, also die kurze Form: Kairo und die Kreuzfahrtstrecke ohne Badeanhang
- Kostenfreie Stornierung bis 24 Stunden vorher
- Die Bewertung ist gut, die Zahl der Rückmeldungen mit gut vierzig aber überschaubar. Der Schiffsname wird im Angebot nicht genannt, fragen Sie ihn vor der Buchung ab
Ein klassisches Nilschiff in Zahlen
- Decks
- drei bis fünf
- Kabinen
- rund 50 bis 80
- Befahrene Strecke
- Luxor bis Assuan, gut 200 km
- Kategorie
- fast durchgehend vier oder fünf Sterne
Was ein klassisches Flussschiff ist
Die Bauform ist auf diesem Fluss erstaunlich einheitlich, und das hat einen Grund: Die Schleusen und die Fahrrinne zwischen Luxor und Assuan setzen Länge, Breite und Tiefgang enge Grenzen. Wer darin fahren will, baut ungefähr dasselbe Schiff.
Das heißt in der Praxis: drei bis fünf Decks, rund fünfzig bis achtzig Kabinen, ein Restaurant, eine Lounge, ein Sonnendeck mit kleinem Pool. Die Kabinen liegen fast immer außen, mit bodentiefen Fenstern oder einem französischen Balkon; echte begehbare Balkone sind auf dem Nil selten, weil sie Breite kosten.
Ein Nilkreuzfahrt Luxusschiff unterscheidet sich davon weniger durch die Ausstattung der Kabine als durch die Zahl der Gäste, die sich denselben Speisesaal und dasselbe Sonnendeck teilen. Genau das ist der Unterschied, den man nach drei Tagen spürt und der auf keinem Datenblatt steht.
Ein Wort zur Verpflegung, weil sie oft mit der Kategorie verwechselt wird. Ein Schiff dieser Größe hat eine Küche und eine Bar, nicht acht Restaurants, und die Mahlzeiten kommen vom Buffet. Das gilt für die gesamte Flotte und ist keine Frage der Klasse. Was sich unterscheidet, ist die Getränkeregelung: Sie reicht von Wasser zu den Mahlzeiten bis zu allem außer importierten Spirituosen, und sie steht selten dort, wo man sie sucht. Fragen Sie danach getrennt.
Was die Kategorie tatsächlich beeinflusst, ist eher das Alter des letzten Umbaus als die Qualität des Betriebs. Ein zwanzig Jahre altes Schiff, das vor zwei Jahren durchsaniert wurde, ist ein anderes Erlebnis als eines, bei dem die Renovierung dreizehn Jahre zurückliegt, und beide dürfen dieselbe Zahl Sterne führen.

Die Kabine: Deck und Seite entscheiden mehr als die Kategorie
Bei der Nilkreuzfahrt Kabine geht es um zwei Fragen, und keine davon steht im Prospekt an prominenter Stelle.
Die erste ist das Deck. Unten liegen die Kabinen näher am Motor und näher am Wasser, oben ist es ruhiger und der Blick besser. Der Preisunterschied zwischen unterstem und oberstem Deck ist auf den meisten Schiffen kleiner als der Unterschied im Erlebnis, und das ist der Aufpreis, der sich hier am ehesten lohnt.
Die zweite ist die Liegeseite, und sie ist die eigentliche Überraschung. In Luxor und Assuan reichen die Anlegestellen in der Hochsaison nicht aus, und die Schiffe machen zu zweit oder zu dritt nebeneinander fest. Wer außen liegt, geht durch die Lobby des Nachbarschiffs an Land. Wer innen liegt, schaut aus dem Fenster auf eine weiße Bordwand, manchmal auf zwei.
Das ist normal, es wechselt von Hafen zu Hafen, und niemand kann es Ihnen vorher garantieren. Es ist aber ein zweites Argument für das obere Deck, weil die Bordwand des Nachbarn dort oft schon aufhört.
Drittens, weniger dramatisch, aber angenehm zu wissen: Die Schiffe fahren überwiegend nachts oder in der Mittagshitze und liegen tagsüber fest. Wer eine Kabine wegen des vorbeiziehenden Ufers bucht, sollte wissen, dass das Ufer die meiste Zeit steht.
Das Schiff ist die Unterkunft, nicht das Programm
Daraus folgt etwas, das die Schiffswahl in die richtige Größenordnung rückt: Das Schiff ist ein Hotel, das sich gelegentlich bewegt. Das Programm liegt an Land.
Und dieses Programm ist der eigentliche Grund für die Reise. Auf dem Ostufer bei Luxor stehen Karnak und der Luxortempel, gegenüber liegt die thebanische Nekropole mit dem Tal der Könige; alle drei gehören zu einer gemeinsamen Welterbestätte seit 1979. Flussaufwärts folgen Edfu und Kom Ombo, und am Ende, bei Assuan, der Isistempel von Philae, der zu den nubischen Denkmälern zwischen Abu Simbel und Philae zählt und in den sechziger und siebziger Jahren Stein für Stein auf eine höhere Insel versetzt wurde, bevor der Stausee ihn erreichte.
Diese Orte sehen von einem großen und von einem kleinen Schiff gleich aus. Was sich unterscheidet, ist die Zahl der Menschen, mit denen Sie dort ankommen, und die Uhrzeit. Große Schiffe fahren ihre Gruppen zu ähnlichen Zeiten los, kleine sind flexibler.
Wer also zwischen zwei Angeboten schwankt und die Ausstattung vergleicht, vergleicht die falsche Sache. Vergleichen Sie die Gruppengröße und die Abfahrtszeit des Landprogramms. Beides steht selten im Prospekt und lässt sich beides erfragen.
Klein, groß, oder unter Segeln
Neben dem klassischen Flussschiff gibt es zwei Alternativen, und sie sind grundverschieden.
Eine Nilkreuzfahrt mit kleinem Schiff meint meist ein Flussschiff derselben Bauart, aber mit deutlich weniger Kabinen. Der Ablauf ist der gleiche, die Gruppen an Land sind kleiner, und das Anlegen wird einfacher, weil kleinere Schiffe eher einen eigenen Platz bekommen. Wer die Sehenswürdigkeiten in Ruhe sehen will, ohne auf Motor und Pool zu verzichten, findet hier den besten Kompromiss.
Eine Nilkreuzfahrt mit Segelschiff ist etwas anderes. Gemeint ist die Dahabiya, ein traditionelles Zweimastboot, das im neunzehnten Jahrhundert wohlhabende Nilreisende beförderte und heute in modernen Nachbauten fährt. Sechs bis zwölf Kabinen, kein oder nur ein kleiner Hilfsmotor, meist kein Pool, dafür ein großes beschattetes Deck. Sie fährt langsamer, sie ankert an Stellen, an die kein großes Schiff kommt, und sie ist abends selten neben jemandem.
Eine Dahabiya-Nilkreuzfahrt kostet entsprechend mehr und hat kein Abendprogramm. Wer genau das sucht, sucht richtig; wer Unterhaltung an Bord erwartet, ist auf dem falschen Boot.
Wichtig ist dabei ein Punkt, den Sie hier nicht überlesen sollten: Eine Luxus-Nilkreuzfahrt in diesem Sinn, also auf einem Segelboot oder einem sehr kleinen Schiff, läuft über spezialisierte Veranstalter. Auf den großen Vermittlungsplattformen, aus denen die Angebote dieser Website stammen, finden sich dafür keine belastbar bewerteten Produkte. Wir empfehlen dazu deshalb nichts und verweisen lieber auf die Lücke, als etwas Unpassendes danebenzustellen.

Neun Tage privat, mit Inlandsflügen und Nilkreuzfahrt
Das Gegenstück zur großen Gruppe im Katalog: privat geführt, neun Tage, mit Inlandsflügen und der Kreuzfahrtstrecke, deutschsprachige Führung. Der Plateau-Eintritt ist laut Katalog nicht enthalten und kommt vor Ort dazu. Rund achtzig Rückmeldungen, das teuerste Angebot auf dieser Seite.
Die vier Fragen, die vor der Buchung zu stellen sind
Es gibt kein bestes Nilkreuzfahrtschiff, weil die Flotte sich in der Ausstattung wenig und im Betrieb viel unterscheidet, und der Betrieb steht in keinem Katalog. Was es gibt, sind vier Fragen, deren Antworten den Unterschied ausmachen.
Erstens: Wie heißt das Schiff? Erstaunlich viele Angebote nennen es nicht, sondern schreiben „5-Sterne-Schiff oder gleichwertig“. Ohne Namen können Sie nichts nachschlagen, und Sie haben auch keinen Anspruch auf ein bestimmtes Schiff.
Zweitens: Wann wurde es zuletzt renoviert? Das ist die Zahl, die die Sternekategorie nicht verrät, und sie erklärt die meisten enttäuschten Rückmeldungen.
Drittens: Welches Deck, und lässt sich ein höheres zubuchen? Das ist der einzige Aufpreis auf diesem Schiff, der sich fast immer rechnet.
Viertens: Sind die Ausflüge enthalten? Bei einem Teil der Anbieter ja, bei anderen werden sie an Bord als Paket verkauft, und der Unterschied ist erheblich. Er entscheidet außerdem, ob Sie an einem Vormittag auch einmal an Bord bleiben können.
Die Antworten auf diese vier bekommen Sie vor der Buchung. Die Sternekategorie bekommen Sie sofort, und sie sagt Ihnen fast nichts. Wie dünn die Datenlage bei dieser Reiseform insgesamt ist, zeigt die eigene Auszählung unter Nilkreuzfahrt Erfahrungen.
Häufige Fragen
Warum haben fast alle Nilschiffe fünf Sterne?
Die Kategorien stammen aus den achtziger Jahren, und seit den späten Neunzigern wurde praktisch nur noch in der obersten Klasse gebaut oder auf sie hochgestuft. Eine Einstufung, die fast alle tragen, unterscheidet nichts.
Welches Deck sollte ich buchen?
Das oberste, das Sie bezahlen wollen. Oben ist es leiser, der Blick ist besser, und wenn das Schiff neben einem anderen festmacht, endet die fremde Bordwand oft unterhalb Ihres Fensters.
Warum liegen die Schiffe nebeneinander?
In Luxor und Assuan reichen die Anlegestellen in der Hochsaison nicht. Zwei oder drei Schiffe machen dann nebeneinander fest, und wer außen liegt, geht durch das Nachbarschiff an Land. Das wechselt von Hafen zu Hafen.
Was ist eine Dahabiya?
Ein traditionelles Zweimast-Segelboot mit sechs bis zwölf Kabinen, heute in modernen Nachbauten. Langsamer, ruhiger, ohne Abendprogramm, meist ohne Pool, und sie ankert an Stellen, die großen Schiffen nicht zugänglich sind.
Fährt das Schiff die ganze Zeit?
Nein. Zwischen Luxor und Assuan liegen gut zweihundert Kilometer, und dafür braucht kein Schiff sieben Nächte. Gefahren wird überwiegend nachts oder mittags; die Vormittage gehören dem Programm an Land.
Kann ich ein bestimmtes Schiff buchen?
Nur wenn das Angebot es namentlich nennt. Viele Beschreibungen sagen „5-Sterne-Schiff oder gleichwertig“, und dann haben Sie keinen Anspruch auf ein bestimmtes Schiff.
