Historische Fotografien von Gizeh

Die ersten Aufnahmen entstanden wenige Monate nach der Erfindung der Fotografie. Sie zeigen einen versandeten Sphinx und ein Plateau ohne Stadt ringsum.

Historische Fotografien von Gizeh sind aus zwei Gründen bemerkenswert, und der erste ist eine Zeitangabe.

Das Verfahren der Daguerreotypie wurde im August 1839 öffentlich vorgestellt. Bereits im Oktober desselben Jahres reiste eine französische Gruppe nach Ägypten, und im November entstand dort die erste dokumentierte Aufnahme des Landes. Zwischen der Erfindung der Fotografie und ihrer Anwendung an diesem Ort lagen also nicht Jahrzehnte, sondern Wochen.

Der zweite Grund ist der Inhalt. Diese Bilder zeigen einen Zustand, den niemand mehr sehen kann: den Sphinx bis zu den Schultern im Sand, das Plateau ohne Stadt am Rand, die Bauwerke ohne Wege, Zäune und Absperrungen. Sie sind damit keine Nostalgie, sondern eine Quelle.

Vier Aufnahmen und was sie zeigen

Frühe Daguerreotypie-Ansicht der Pyramiden mit weicher Zeichnung und starkem Kontrast
Um 1840: Die frühesten Aufnahmen sind Unikate auf versilberten Platten, seitenverkehrt und ohne Abzugsmöglichkeit.
Salzpapierabzug von 1850 mit dem Sphinx, dessen Körper im Sand verschwindet
1850: Papierverfahren machen Abzüge möglich. Der Sphinx ist bis zur Brust verschüttet, die Pfoten sind nicht zu sehen.
Albuminabzug von 1857 mit Sphinx und großer Pyramide in einer Ansicht
1857: Glasnegative bringen Schärfe. Diese Ansicht verbindet erstmals Sphinx und Pyramide in einem scharfen Bild.
Grabungsfoto des frühen 20. Jahrhunderts mit Arbeitern, Loren und freigelegten Mauern
Frühes 20. Jahrhundert: Grabungsfotografie dokumentiert nicht mehr die Ansicht, sondern den Arbeitsstand.

Warum diese Bilder so verschieden aussehen

Die Verfahrensfolge erklärt, warum diese Bilder so verschieden aussehen. Eine Daguerreotypie ist ein Unikat auf einer versilberten Platte: kein Negativ, kein Abzug, jede Aufnahme existiert genau einmal. Um 1850 setzten sich Papierverfahren durch, die Abzüge in Serie erlaubten. Ab der Mitte der fünfziger Jahre kamen Glasnegative dazu, und mit ihnen die Schärfe, die wir aus den bekannten Ansichten kennen.

Die Verfahren erklären außerdem, warum auf diesen Bildern so wenige Menschen zu sehen sind. Die Belichtung dauerte lange, und wer sich bewegte, verschwand. Dazu kam der Aufwand: Papier- und Glasverfahren mussten vor Ort beschichtet, belichtet und entwickelt werden, weshalb die Fotografen eine mobile Dunkelkammer mitschleppten, oft in Zelten oder Booten. Was aussieht wie ein menschenleerer Ort, ist teilweise ein technischer Effekt und teilweise die Folge davon, dass eine einzige Aufnahme einen halben Tag Arbeit bedeutete.

Daraus folgt ein Umstand, der heute paradox wirkt. Die ersten veröffentlichten Bilder aus Ägypten waren keine Fotografien. Weil sich Daguerreotypien nicht drucken ließen, wurden sie für die Veröffentlichung von Hand abgezeichnet und als Stiche herausgegeben. Was das Publikum in Europa also zu sehen bekam, waren Zeichnungen von Fotografien, hergestellt von Menschen, die die Bauwerke nie gesehen hatten.

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Der Eintritt für den eigenen Vergleich

Der Reiz dieser Bilder entsteht erst im Vergleich mit dem heutigen Zustand: dieselbe Blickachse, anderer Sandstand, andere Umgebung. Dafür braucht es nichts weiter als den normalen Geländeeintritt.

ab 14 €
Ansehen

Wo die Aufnahmen frei zu sehen sind

Ansehen lassen sich diese Aufnahmen kostenlos, und zwar in den Sammlungen, die sie halten. Das Metropolitan Museum führt beispielsweise eine Ansicht von Sphinx und großer Pyramide aus dem Jahr 1857 von Francis Frith, einen Albuminabzug von einem Glasnegativ, gemeinfrei und in hoher Auflösung. Aus derselben Sammlung stammen zahlreiche Salzpapierabzüge einer französischen Ägyptenreise von 1850.

Der zweite große Bestand ist ein anderer Bildtyp: die Grabungsfotografie. Das Gizeh-Archiv der Harvard University hält Zehntausende Aufnahmen aus den Kampagnen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, samt Tagebuchseiten und Plänen. Diese Bilder zeigen keine Ansichten, sondern Arbeit, und sie sind für die Forschung wertvoller als jede Postkartenansicht.

Zur Nutzung ein Hinweis: Gemeinfrei heißt nicht automatisch frei verwendbar in jedem Zusammenhang, weil Sammlungen eigene Bedingungen für ihre Digitalisate stellen können. Die Einzelheiten dazu stehen auf der Seite zu freien Bildern.

Häufige Fragen

Wann entstand die erste Fotografie in Ägypten?

Im November 1839, wenige Monate nach der öffentlichen Vorstellung der Daguerreotypie im August desselben Jahres.

Warum war der Sphinx damals verschüttet?

Weil er ohne regelmäßige Freilegung versandet. Auf den Aufnahmen des 19. Jahrhunderts ist der Körper meist nur teilweise zu sehen.

Wieso sind die ersten veröffentlichten Bilder Stiche?

Weil sich Daguerreotypien nicht drucken ließen. Für die Veröffentlichung wurden sie abgezeichnet und als Stiche herausgegeben.

Wo kann ich solche Aufnahmen ansehen?

In den Onlinesammlungen der Museen und im Gizeh-Archiv der Harvard University, meist kostenlos und in hoher Auflösung.

Darf ich die Bilder verwenden?

Häufig ja, weil die Originale gemeinfrei sind. Für die Digitalisate können eigene Bedingungen gelten.

Stand: August 2026Die Bestände der Sammlungen wachsen und ihre Nutzungsbedingungen ändern sich gelegentlich. Vor einer Veröffentlichung eigener Verwendungen die Angaben der jeweiligen Sammlung prüfen.