Historische Fotografien von Gizeh

Die ersten Aufnahmen entstanden wenige Monate nach der Erfindung der Fotografie. Sie zeigen einen versandeten Sphinx und ein Plateau ohne Stadt ringsum.

Die Aufnahmen in zeitlicher Folge

Die Pyramiden von Gizeh aus der Ferne, Fotografie von Gustave Le Gray um 1865
Um 1865: Gustave Le Gray fotografiert die Pyramiden aus der Ferne. Die Aufnahme gehört zu den frühen Panoramen des Plateaus.
Der Sphinx von Süden, bis zur Brust im Sand, um 1867
1865 bis 1870: Der Sphinx von Süden, bis zur Brust im Sand. So blieb er bis zur Freilegung ab 1925.
Teilansicht des Plateaus mit dem Profil des verschütteten Sphinx, 1870
1870: Teilansicht des Plateaus mit dem Profil des noch verschütteten Sphinx.
Chephren- und Mykerinos-Pyramide, Fotografie von Hippolyte Béchard, 1870er Jahre
1870 bis 1880: Die Pyramiden des Chafre (rechts) und des Menkaure, aufgenommen von Hippolyte Béchard.
Panorama des Plateaus mit den drei großen Pyramiden, um 1875
Um 1875: Panorama des Plateaus mit allen drei großen Pyramiden, von Hippolyte Béchard.
Reisende werden die Cheops-Pyramide hinaufgeholfen, Félix Bonfils, um 1875
Um 1875: Reisende lassen sich die Cheops-Pyramide hinaufhelfen. Das Besteigen war bis ins 20. Jahrhundert üblich und ist heute verboten.
Rast mit Kamelen am Taltempel, dahinter die Pyramiden, um 1875
Um 1875: Rast mit vier Kamelen am Taltempel, dahinter die Pyramiden. Félix Bonfils.
Zurückweichendes Flutwasser vor dem Plateau, um 1875
Um 1875: Das zurückweichende Wasser der Nilflut vor dem Plateau. Bis zum Bau des Assuan-Hochdamms reichte die Flut jedes Jahr bis an den Wüstenrand.
Männer stehen auf dem bis zum Hals freiliegenden Sphinx, 1875 bis 1888
1875 bis 1888: Männer stehen auf dem Sphinx, der nur bis zum Hals freiliegt. Félix Bonfils.
Der Sphinx von vorn, Körper im Sand, zwei Pyramiden dahinter, spätes 19. Jahrhundert
Spätes 19. Jahrhundert: Der Sphinx von vorn, der Körper noch im Sand, dahinter zwei der Pyramiden.
Gesamtansicht der drei Pyramiden von Süden, um 1900
Um 1900: Gesamtansicht der drei Pyramiden von Süden, aus der Sammlung des Rijksmuseums.
Der Sphinx während der Grabungen Schiaparellis, 1903
1903: Der Sphinx während der Grabungen Ernesto Schiaparellis, rechts die Cheops-, links die Chephren-Pyramide.
Grabungsfoto aus dem östlichen Gräberfeld, 1903
1903: Grabungsfoto aus dem östlichen Gräberfeld, am Mastaba-Grab des Beamten Iteti.
Englische Touristen auf Kamelen vor Cheops-Pyramide und Sphinx, 1904
1904: Englische Touristen auf Kamelen vor Cheops-Pyramide und Sphinx.
Teilnehmer der Kairo-Konferenz vor den Pyramiden, März 1921
20. März 1921: Teilnehmer der Kairo-Konferenz vor den Pyramiden.
Besucher auf der Spitze der Cheops-Pyramide, 1920er Jahre
1920er Jahre: Besucher auf der Spitze der Cheops-Pyramide.
Gerüste am Sphinx während der Freilegung, 1926
1926: Gerüste am Sphinx während der Freilegung durch Émile Baraize, die 1925 begonnen hatte.
George Reisner bei einer Ausgrabung am Fuß des Sphinx, 1927
13. November 1927: George Reisner, Leiter der Harvard-Grabungen, bei einer Ausgrabung am Fuß des Sphinx.
Um 1930: Der Sphinx von der Seite während der Grabungen von Émile Baraize; die Stützmauern und römischen Treppen östlich der Figur werden freigelegt.
Abendstimmung bei Nilhochwasser nahe den Pyramiden, 1936
1936: Abendstimmung bei Nilhochwasser nahe den Pyramiden, aus der Matson-Sammlung.
1937: Cheops-Pyramide und Sphinx auf einem handkolorierten Glasdia von Leo Wehrli.
1941: Ein australischer Soldat vor der Pyramide. Im Zweiten Weltkrieg lagen alliierte Truppen bei Gizeh.

Historische Fotografien von Gizeh sind aus zwei Gründen bemerkenswert, und der erste ist eine Zeitangabe.

Das Verfahren der Daguerreotypie wurde im August 1839 öffentlich vorgestellt. Bereits im Oktober desselben Jahres reiste eine französische Gruppe nach Ägypten, und im November entstand dort die erste dokumentierte Aufnahme des Landes. Zwischen der Erfindung der Fotografie und ihrer Anwendung an diesem Ort lagen also nicht Jahrzehnte, sondern Wochen.

Der zweite Grund ist der Inhalt. Diese Bilder zeigen einen Zustand, den niemand mehr sehen kann: den Sphinx bis zu den Schultern im Sand, das Plateau ohne Stadt am Rand, die Bauwerke ohne Wege, Zäune und Absperrungen. Sie sind damit keine Nostalgie, sondern eine Quelle.

Warum diese Bilder so verschieden aussehen

Die Verfahrensfolge erklärt, warum diese Bilder so verschieden aussehen. Eine Daguerreotypie ist ein Unikat auf einer versilberten Platte: kein Negativ, kein Abzug, jede Aufnahme existiert genau einmal. Um 1850 setzten sich Papierverfahren durch, die Abzüge in Serie erlaubten. Ab der Mitte der fünfziger Jahre kamen Glasnegative dazu, und mit ihnen die Schärfe, die wir aus den bekannten Ansichten kennen.

Die Verfahren erklären außerdem, warum auf diesen Bildern so wenige Menschen zu sehen sind. Die Belichtung dauerte lange, und wer sich bewegte, verschwand. Dazu kam der Aufwand: Papier- und Glasverfahren mussten vor Ort beschichtet, belichtet und entwickelt werden, weshalb die Fotografen eine mobile Dunkelkammer mitschleppten, oft in Zelten oder Booten. Was aussieht wie ein menschenleerer Ort, ist teilweise ein technischer Effekt und teilweise die Folge davon, dass eine einzige Aufnahme einen halben Tag Arbeit bedeutete.

Daraus folgt ein Umstand, der heute paradox wirkt. Die ersten veröffentlichten Bilder aus Ägypten waren keine Fotografien. Weil sich Daguerreotypien nicht drucken ließen, wurden sie für die Veröffentlichung von Hand abgezeichnet und als Stiche herausgegeben. Was das Publikum in Europa also zu sehen bekam, waren Zeichnungen von Fotografien, hergestellt von Menschen, die die Bauwerke nie gesehen hatten.

Wo die Aufnahmen frei zu sehen sind

Ansehen lassen sich diese Aufnahmen kostenlos, und zwar in den Sammlungen, die sie halten. Das Metropolitan Museum führt beispielsweise eine Ansicht von Sphinx und großer Pyramide aus dem Jahr 1857 von Francis Frith, einen Albuminabzug von einem Glasnegativ, gemeinfrei und in hoher Auflösung. Aus derselben Sammlung stammen zahlreiche Salzpapierabzüge einer französischen Ägyptenreise von 1850.

Der zweite große Bestand ist ein anderer Bildtyp: die Grabungsfotografie. Das Gizeh-Archiv der Harvard University hält Zehntausende Aufnahmen aus den Kampagnen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, samt Tagebuchseiten und Plänen. Diese Bilder zeigen keine Ansichten, sondern Arbeit, und sie sind für die Forschung wertvoller als jede Postkartenansicht.

Zur Nutzung ein Hinweis: Gemeinfrei heißt nicht automatisch frei verwendbar in jedem Zusammenhang, weil Sammlungen eigene Bedingungen für ihre Digitalisate stellen können. Die Einzelheiten dazu stehen auf der Seite zu freien Bildern.

Häufige Fragen

Wann entstand die erste Fotografie in Ägypten?

Im November 1839, wenige Monate nach der öffentlichen Vorstellung der Daguerreotypie im August desselben Jahres.

Warum war der Sphinx damals verschüttet?

Weil er ohne regelmäßige Freilegung versandet. Auf den Aufnahmen des 19. Jahrhunderts ist der Körper meist nur teilweise zu sehen.

Wieso sind die ersten veröffentlichten Bilder Stiche?

Weil sich Daguerreotypien nicht drucken ließen. Für die Veröffentlichung wurden sie abgezeichnet und als Stiche herausgegeben.

Wo kann ich solche Aufnahmen ansehen?

In den Onlinesammlungen der Museen und im Gizeh-Archiv der Harvard University, meist kostenlos und in hoher Auflösung.

Darf ich die Bilder verwenden?

Häufig ja, weil die Originale gemeinfrei sind. Für die Digitalisate können eigene Bedingungen gelten.

Stand: August 2026Die Bestände der Sammlungen wachsen und ihre Nutzungsbedingungen ändern sich gelegentlich. Vor einer Veröffentlichung eigener Verwendungen die Angaben der jeweiligen Sammlung prüfen.