Die Chephren-Pyramide in Gizeh: die mit der Kappe

Sie wirkt höher als ihre Nachbarin, ist es aber nicht. Warum die Chephren-Pyramide ihre Kappe behalten hat und weshalb ihr Inneres der ruhigere Besuch ist.

Fast jeder, der zum ersten Mal auf dem Gelände steht, zeigt auf das falsche Bauwerk. Die Pyramide mit der auffälligen dunklen Kappe an der Spitze, die am höchsten wirkt und auf den meisten Fotos dominiert, ist nicht die größte. Sie ist die zweite.

Die Pyramide des Chephren ist tatsächlich die zweitgrößte des Geländes, und sie sieht trotzdem nach der ersten aus. Für diesen Eindruck gibt es zwei Gründe, und beide sind nachprüfbar. Erstens steht sie auf höherem Gelände: Der Felsrücken steigt nach Südwesten an, und ihr Fußpunkt liegt rund zehn Meter über dem ihrer Nachbarin. Zweitens hat sie ihre Spitze behalten, während der Nachbarin die obersten Lagen fehlen. Wer zwei Silhouetten vergleicht, ohne den Boden mitzudenken, kommt zwangsläufig zum falschen Ergebnis.

Dazu kommt eine steilere Neigung, die den Eindruck verstärkt. Die Flanken steigen mit gut 53 Grad an, gegenüber knapp 52 bei der großen Nachbarin. Der Unterschied klingt gering, wirkt bei einer Höhe von über hundert Metern aber deutlich.

Der Bauherr war der Sohn seines Vorgängers. Im Deutschen hat sich die griechische Namensform durchgesetzt, in der Fachliteratur steht häufiger die ägyptische. Wenn Ihnen die Pyramide des Chafre begegnet, ist dasselbe Bauwerk gemeint.

Von diesem König gibt es übrigens etwas, das seinem Vater fehlt: erhaltene Bildnisse in Lebensgröße. Aus seinem Taltempel stammt eine Sitzstatue aus dunklem Gestein, bei der ein Falke von hinten den Kopf des Königs umfasst, und es wurden Reste weiterer Statuen gefunden. Während vom Bauherrn der größten Pyramide nur eine Elfenbeinfigur von wenigen Zentimetern überliefert ist, kennt man das Gesicht dieses Königs aus mehreren Darstellungen. Genau deshalb spielt er auch in der Diskussion um das Gesicht des Sphinx eine Rolle.

Und noch etwas unterscheidet dieses Bauwerk von seiner berühmteren Nachbarin: Es ist innen einfacher, es ist meistens leerer, und es gehört zu der einzigen der drei Anlagen, bei der sich die vollständige Kette vom Tal bis zur Spitze noch im Gelände ablaufen lässt.

Das Gangsystem im Schnitt

Das Gangsystem im Schnitt

  1. 1Oberer absteigender Gang Beginnt rund 11,5 Meter über dem Boden auf der Nordseite. Zwei Eingänge sind ungewöhnlich und deuten auf eine Planänderung während des Baus.
  2. 2Unterer absteigender Gang Setzt auf Bodenhöhe an, weiter nördlich. Beide Gänge treffen sich, statt getrennte Ziele anzusteuern.
  3. 3Waagerechter Gang Von hier führt ein einziger Weg zur Kammer. Es gibt keine Abzweigung und keine zweite Ebene.
  4. 4Grabkammer Größtenteils in den Fels geschnitten, nur die Decke ist gemauert. Ein Raum statt der drei übereinander der Nachbarpyramide.
  5. 5Sarkophag im Boden In den Kammerboden eingelassen statt frei aufgestellt. Er wurde 1818 leer vorgefunden.

Anders als bei der großen Nachbarin gibt es keine Kammern übereinander und keine große Galerie. Es führt ein Weg zu einem Raum.

Die Zahlen und die Kappe

Die Zahlen zuerst, weil sie die Grundlage für alles Weitere sind.

Ursprünglich war das Bauwerk 143,5 Meter hoch, die Grundseite misst 215,25 Meter, die Neigung beträgt 53 Grad und 10 Minuten. Heute fehlen die obersten Lagen samt Abschlussstein, sodass die Höhe etwas geringer ausfällt. Damit liegt das Bauwerk in allen Maßen unter seiner nördlichen Nachbarin, aber deutlich über der dritten Pyramide, die nicht einmal die halbe Höhe erreicht.

Das Auffälligste ist die Kappe. Auf dem oberen Bereich sitzt noch die ursprüngliche Verkleidung aus feinem Kalkstein, eine geschlossene Fläche über etwa das obere Viertel bis Drittel der Höhe. Sie ist der einzige größere Rest einer Pyramidenaußenhaut auf dem gesamten Gelände und zeigt, wie alle drei Bauwerke einmal aussahen: glatt, hell, ohne sichtbare Stufen.

Am unteren Ende war die Verkleidung anders ausgeführt. Die unterste Lage bestand nicht aus Kalkstein, sondern aus Granit, ein aufwendigeres und deutlich härteres Material, das den Sockel gegen Beschädigung schützte und zugleich Rang zeigte. Reste davon sind an mehreren Stellen der Basis erhalten. Dieselbe Lösung findet sich, in weit größerem Umfang, an der dritten und kleinsten Pyramide des Geländes.

Erhalten hat sie sich aus einem unromantischen Grund. Verkleidungsblöcke wurden über Jahrhunderte als Baumaterial abgetragen, und man beginnt dabei sinnvollerweise unten. Was in achtzig Metern Höhe saß, war den Aufwand nicht wert. Der Rest der Fläche verschwand, die Spitze blieb.

Die Anlage ringsum gehört seit 1979 gemeinsam mit den übrigen Pyramidenfeldern zum Welterbe, das ausdrücklich nicht einzelne Bauwerke schützt, sondern die zusammenhängende Landschaft von Gizeh bis Dahschur.

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  • Die Verkleidungskappe und der Höhenunterschied im Gelände werden vor Ort erklärt
  • Der zugehörige Taltempel neben dem Sphinx liegt auf dem Rundweg
  • Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Die Chephren-Pyramide mit der erhaltenen Verkleidungskappe an der Spitze
Das obere Viertel trägt noch die originale Außenhaut. Darunter beginnt das nackte Kernmauerwerk.

Innen überrascht die Schlichtheit

Das Innere ist die eigentliche Überraschung, und zwar wegen seiner Schlichtheit.

Es gibt zwei Eingänge, beide an der Nordseite. Der obere liegt rund elfeinhalb Meter über dem Boden, der untere auf Bodenhöhe etwas weiter nördlich. Beide führen über absteigende Gänge zu einem waagerechten Gang und von dort in eine einzige Kammer. Keine Kammern übereinander, keine hohe Galerie, keine Entlastungskonstruktionen. Warum zwei Eingänge angelegt wurden, ist nicht abschließend geklärt; die verbreitete Deutung geht von einer Umplanung während des Baus aus.

Die Grabkammer liegt größtenteils im gewachsenen Fels und nicht im Mauerwerk, nur die Decke besteht aus schräg gestellten Kalksteinblöcken. In ihrem Boden steckt ein Sarkophag aus dunklem Granit, eingelassen bis zur Oberkante, mit gebrochenem Deckel.

Betreten wurde die Kammer in der Neuzeit erstmals im März 1818 durch Giovanni Belzoni, einen ehemaligen Zirkusartisten, der als Ausgräber arbeitete. Er fand den Sarkophag leer und die Kammer geplündert, und er hinterließ an der Wand eine Inschrift mit seinem Namen und dem Datum, die bis heute zu sehen ist. Dokumente und Fotografien zur Erforschung des Bauwerks liegen im digitalen Archiv der Universität Harvard.

Der Erste war Belzoni allerdings nicht. In der Kammer fanden sich Hinweise darauf, dass das Bauwerk bereits im Mittelalter geöffnet worden war, was zu dem leeren Sarkophag passt. Belzoni war der erste Europäer der Neuzeit, der den Weg wiederfand und ihn dokumentierte. Er war zuvor als Kraftartist auf Jahrmärkten aufgetreten und kam über die Wasserbautechnik nach Ägypten, was ihm in der Fachwelt seiner Zeit wenig Ansehen einbrachte. Seine Aufzeichnungen sind trotzdem bis heute brauchbar.

Wer aus der großen Nachbarpyramide kommt, empfindet den Unterschied sofort. Der Weg ist kürzer, der Gang etwas bequemer, und in der Kammer stehen selten mehr als eine Handvoll Menschen.

Wenn Sie nur eine Pyramide von innen sehen wollen

Die Innenbesichtigung dieses Bauwerks kostet ein Vielfaches weniger als die der großen Nachbarin, ist selten ausverkauft und deutlich leerer. Zu sehen gibt es in beiden Fällen kahle Kammern ohne Bilder und Inschriften. Wenn es Ihnen um das Raumerlebnis geht und nicht um den berühmtesten Namen, ist dies die bessere Wahl. Das Innenticket wird vor Ort gekauft und ist im Plateau-Eintritt nicht enthalten.

Was an dieser Pyramide hängt

Was dieses Bauwerk für das Verständnis des ganzen Geländes so wertvoll macht, liegt gar nicht an ihm selbst, sondern an dem, was daran hängt.

Zu jeder Pyramidenanlage gehörten ein Tempel am Wasser, ein Aufweg und ein Tempel an der Ostseite der Pyramide. Bei der großen Nachbarin ist von dieser Kette fast nichts übrig. Hier steht sie noch: Der Taltempel unten am Rand des Geländes ist aufrecht erhalten, ein Bau aus Kalksteinkernen mit einer Verkleidung aus Assuan-Granit, quadratischen Pfeilern und einem Boden aus Alabaster. Von dort führt der Aufweg in erkennbarer Linie hinauf zum Totentempel.

Und dieser Taltempel steht unmittelbar neben dem Sphinx. Das ist kein Zufall der Topografie, sondern der Kern des Datierungsarguments: Die Blöcke des Sphinxtempels daneben stammen aus demselben Steinbruchvorgang, aus dem die Figur herausgeschnitten wurde, und beide Tempel gehören derselben Bauphase an. Wer wissen will, warum der Sphinx diesem König zugeschrieben wird, muss auf diese Baugruppe schauen.

Der Totentempel an der Ostseite war zu seiner Zeit der größte, den Ägypten gesehen hatte. Erhalten sind vor allem Grundmauern, doch der Grundriss lässt sich noch ablesen: ein Eingangsbereich, ein offener Hof, Magazinreihen und ein Kultbereich unmittelbar an der Pyramidenflanke. Von dieser Anlage aus wurde der Kult über Generationen betrieben, finanziert aus eigens zugewiesenen Gütern.

Die Anlage umfasste außerdem fünf Bootsgruben und eine Kultpyramide an der Südseite, deren Fundament nachgewiesen ist. Nebenpyramiden für Königinnen gibt es hier im Gegensatz zur nördlichen Nachbaranlage nicht.

Der Aufweg vom Taltempel hinauf zur Chephren-Pyramide
Der Aufweg verbindet den Tempel unten am Rand mit der Pyramide oben. Er ist der besterhaltene des Geländes.

Drei Dinge, die sich vor Ort lohnen

Drei Dinge lohnen sich vor Ort, und keines davon kostet extra.

Das erste ist der Blick auf die Kante der Kappe. Dort, wo die glatte Verkleidung endet und das grobe Kernmauerwerk beginnt, sehen Sie in einer einzigen Linie den Unterschied zwischen dem fertigen Bauwerk und dem, was heute von allen dreien übrig ist. Diese Kante ist der einzige Ort auf dem Gelände, an dem beide Zustände unmittelbar nebeneinander stehen.

Das zweite ist der Umgang um die Basis. Rings um das Bauwerk verläuft eine Umfassung, und an mehreren Stellen ist zu erkennen, dass der Fels nicht planiert, sondern in die Konstruktion einbezogen wurde: Die untersten Lagen sitzen teilweise direkt auf gewachsenem Gestein, das man stehen ließ.

Das dritte ist der Weg vom Taltempel nach oben. Er dauert etwa eine Viertelstunde, ist unbeschildert und wird von den meisten Gruppen ausgelassen, weil sie mit dem Elektrobus fahren. Wer ihn geht, erlebt die Abfolge, für die die gesamte Anlage entworfen wurde.

Sollte das Innere geschlossen sein, und das kommt vor, ist der Verlust überschaubar. Die Kammer ist kahl, und das eigentlich Sehenswerte dieser Anlage liegt außen: die Kappe, der Granit am Sockel, der Aufweg und der Taltempel. Von den drei Pyramiden ist dies diejenige, bei der ein Besuch auch ohne Innenbesichtigung vollständig funktioniert.

Für Fotos gilt eine einfache Regel: Vormittags steht die Sonne im Osten und beleuchtet die Nordostflanke samt Kappe. Am späten Nachmittag liegt dieselbe Fläche im Schatten, dafür zeichnet das Streiflicht die Stufen des Kernmauerwerks nach.

Häufige Fragen

Ist die Chephren-Pyramide höher als die Cheops-Pyramide?

Nein. Sie ist niedriger, wirkt aber höher, weil sie auf höherem Gelände steht, ihre Spitze behalten hat und steiler ansteigt.

Warum hat nur sie eine Kappe?

Weil Verkleidungsblöcke von unten nach oben abgetragen wurden. Was ganz oben saß, war den Aufwand nicht wert und blieb liegen.

Kann man hineingehen?

In der Regel ja, mit einem eigenen Ticket, das vor Ort gekauft wird. Es ist deutlich günstiger als das der großen Nachbarin und selten ausverkauft.

Was ist drinnen zu sehen?

Ein absteigender Gang, ein waagerechter Gang und eine einzige Kammer mit einem Granitsarkophag im Boden. Keine Malereien, keine Inschriften bis auf die eines Ausgräbers von 1818.

Warum hat sie zwei Eingänge?

Das ist nicht geklärt. Die gängige Deutung nimmt eine Umplanung während der Bauzeit an, bei der die Anlage nach Süden verschoben wurde.

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Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy

Kappe, Umgang, Aufweg und Taltempel liegen alle im normalen Ticketbereich. Nur für das Innere kommt vor Ort ein eigenes Ticket dazu.

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