Wie viele Seiten hat die Cheops-Pyramide? Vier, und manchmal acht

Vier, wie jede Pyramide. Aus der Luft und bei flacher Sonne sind es acht, weil jede Flanke leicht nach innen gezogen ist. Entdeckt wurde das erst 1940.

Die einfache Antwort lautet vier, dazu die quadratische Grundfläche. Eine Pyramide hat vier dreieckige Flanken, die sich in einer Spitze treffen, und daran ändert sich auch bei diesem Bauwerk nichts.

Die interessante Antwort lautet acht. Denn die vier Flanken sind nicht ganz eben. Jede von ihnen ist in der Mitte leicht nach innen gezogen, sodass sie genau genommen aus zwei sehr flach geneigten Hälften besteht. Wer nachzählt, kommt damit auf acht Flächen.

Die Einziehung ist minimal. Sie beträgt weniger als ein Grad, was auf einer Flankenlänge von rund zweihundert Metern eine Abweichung im Bereich von etwa einem halben bis einem Meter ergibt. Vom Boden aus ist davon nichts zu erkennen, und zwar unabhängig davon, wie genau man hinsieht.

Wer nach der Cheops-Pyramide acht Seiten sucht, sucht deshalb nach einem Befund, den man nicht besichtigen kann. Man kann ihn nur unter bestimmten Bedingungen fotografieren, und das ist der eigentliche Kern dieser Geschichte.

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Die Basiskanten, an denen sich die Präzision des Baus nachvollziehen lässt, liegen im normalen Ticketbereich.

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Bei flach stehender Sonne teilt ein Schattenrücken jede Flanke in zwei Hälften. Genau das macht acht Flächen daraus.

Entdeckt 1940, zufällig aus der Luft

Bemerkt wurde das erst 1940, und zwar zufällig aus der Luft.

Ein britischer Pilot fotografierte das Bauwerk im Überflug, und auf seiner Aufnahme zeichnete sich auf jeder Flanke eine schwache Linie ab, die von der Basis zur Spitze lief. Es war kein Riss und kein Schatten eines Nachbargebäudes, sondern der Grat zwischen zwei minimal unterschiedlich geneigten Flächen, sichtbar gemacht durch tief stehende Sonne.

Dass es viereinhalbtausend Jahre bis zu dieser Entdeckung dauerte, sagt weniger über die Aufmerksamkeit früherer Beobachter als über die Bedingungen. Sichtbar wird die Teilung nur aus der Luft, nur bei einem passenden Sonnenstand und nur, solange die Oberfläche nicht durch Bewuchs oder Verwitterungsschatten gestört ist. In der Praxis heißt das: um die Tagundnachtgleichen herum, morgens oder abends.

Vermessungstechnisch ist der Effekt dagegen seit Langem erfassbar. Die genauen Aufnahmen der Bauwerksgeometrie arbeiten mit Abweichungen in dieser Größenordnung ohnehin, weil die gesamte Anlage in Bogenminuten vermessen ist.

Zur Einordnung gehört, dass die Einziehung vor allem für das größte Bauwerk dokumentiert ist. Für die beiden Nachbarpyramiden sind die Angaben weniger eindeutig, was auch daran liegt, dass ihre Oberflächen anders erhalten sind.

Warum die Flanken eingezogen sind

Absicht

Die Einziehung war geplant, etwa um die Verkleidung zu stabilisieren oder eine optische Wirkung zu erzielen.

Dafür

Bei einem Bauwerk, das auf Bogenminuten genau ausgerichtet ist, wäre eine unbeabsichtigte Abweichung dieser Regelmäßigkeit ungewöhnlich.

Dagegen

Es gibt keinen Text und keinen Befund, der eine solche Absicht belegt, und keine Parallele an anderen Pyramiden.

Bauverfahren

Die Lagen wurden zur Mitte hin leicht nach innen geneigt gesetzt, was die Flanken zwangsläufig eindellt.

Dafür

Eine nach innen geneigte Lagerung erhöht die Stabilität und ist bei anderen Bauwerken belegt.

Dagegen

Erklärt nicht, warum der Effekt so gleichmäßig über alle vier Seiten auftritt.

Setzung

Das Bauwerk hat sich über Jahrtausende gesetzt, und die Flächen sind dadurch nachträglich eingesunken.

Dafür

Setzungen bei Bauwerken dieser Masse sind unvermeidlich.

Dagegen

Eine Setzung würde ungleichmäßig ausfallen, abhängig vom Untergrund. Der Effekt ist aber regelmäßig.

Verlust der Verkleidung

Die Einziehung entstand erst, als die glatte Außenhaut abgetragen wurde und das Kernmauerwerk freilag.

Dafür

Das Kernmauerwerk ist gröber gesetzt als die Verkleidung und könnte diese Form zeigen.

Dagegen

Dann müsste der Effekt bei allen abgetragenen Pyramiden auftreten, und das ist nicht der Fall.

Sehen werden Sie es nicht

Für den Besuch ist die Auskunft kurz: Sie werden es nicht sehen. Wer mathematische Fakten zu den Pyramiden von Gizeh sammelt, findet hier einen, der sich ausschließlich rechnerisch oder aus der Luft erschließt.

Vom Boden aus ist ein Grad Abweichung auf zweihundert Metern nicht wahrnehmbar, erst recht nicht an einer Oberfläche aus grob behauenen Blöcken mit Schutt am Fuß. Auch ein Standort an der Ecke hilft nicht, weil der Effekt in der Flächenmitte liegt und die Perspektive ihn zusätzlich verschluckt.

Eigene Luftaufnahmen scheiden ebenfalls aus. Der Betrieb von Drohnen ist in Ägypten grundsätzlich untersagt, und schon die Einfuhr ohne Genehmigung führt regelmäßig zu Beschlagnahme. Wer die Achtseitigkeit sehen will, ist auf vorhandenes Bildmaterial angewiesen.

Was sich vor Ort dagegen prüfen lässt, ist die Präzision, aus der der Effekt überhaupt erst auffällt. Die amtliche Beschreibung des Bauwerks nennt eine Grundseite von rund 230 Metern, und die vier Seiten weichen um wenige Zentimeter voneinander ab. Wer an einer Basiskante entlangschaut, sieht eine Linie, die über diese Länge gerade bleibt.

Genau deshalb ist die Achtseitigkeit überhaupt eine Meldung wert. Bei einem ungenau gebauten Bauwerk wäre eine Abweichung von einem Grad niemandem aufgefallen.

Häufige Fragen

Hat die Cheops-Pyramide vier oder acht Seiten?

Vier Flanken, wie jede Pyramide. Weil jede Flanke leicht nach innen gezogen ist, besteht sie genau genommen aus zwei Flächen, was in Summe acht ergibt.

Wie stark ist die Einziehung?

Weniger als ein Grad. Auf einer Flankenlänge von rund zweihundert Metern entspricht das etwa einem halben bis einem Meter.

Wann wurde das entdeckt?

1940, durch eine Luftaufnahme bei tief stehender Sonne. Vom Boden aus ist der Effekt nicht wahrnehmbar.

Ist die Einziehung Absicht?

Ungeklärt. Diskutiert werden eine bewusste Gestaltung, ein Bauverfahren mit nach innen geneigten Lagen, Setzung und Folgen des Verkleidungsverlusts.

Kann man es vor Ort sehen?

Nein. Sichtbar wird es nur aus der Luft bei passendem Sonnenstand, und eigene Luftaufnahmen sind in Ägypten nicht erlaubt.