Kuriose Fakten zu den Pyramiden von Gizeh, die nicht überall stehen

Nur drei Gegenstände kamen je aus dem Inneren, einer lag 70 Jahre in einer Zigarrenkiste. Dazu preußische Hieroglyphen und ein Roboter im Luftschacht.

In viereinhalbtausend Jahren sind aus dem Inneren der größten Pyramide genau drei Gegenstände geborgen worden. Eine Steinkugel, ein Metallhaken und ein Stück Zedernholz.

Das ist alles. Listen mit zehn interessante Fakten über Gizeh führen gern die Millionen Steinblöcke an, die Tonnen und die Jahrhunderte, und lassen dabei aus, wie erstaunlich leer dieses Bauwerk ist. Der Ingenieur Waynman Dixon fand die drei Stücke 1872 in einem der schmalen Schächte der Königinnenkammer. Danach kam nichts mehr.

Warum das bemerkenswert ist, zeigt der Vergleich mit anderen Gräbern. Aus dem Grab des Tutanchamun kamen über fünftausend Objekte. Aus dem größten Steinbauwerk der Erde kamen drei, und die stammen nicht einmal aus einer Grabkammer, sondern aus einem Schacht, in den kein Mensch hineinpasst.

Kugel und Haken liegen im Britischen Museum. Das Holz verschwand. Ein schottischer Medizinstudent namens James Grant hatte Dixon in Ägypten unterstützt, und nach Grants Tod gingen seine Sammlungen an die Universität Aberdeen. Seine Tochter stiftete 1946 ein fünf Zoll langes Stück Zeder. Dann verlor sich die Spur für über siebzig Jahre.

Ende 2019 fiel einer Mitarbeiterin beim Durchsehen der Asiensammlung eine Zigarrenschachtel auf, die dort nicht hingehörte. Darin lagen die Splitter des vermissten Holzes. Die anschließende Radiokohlenstoffdatierung ergab einen Zeitraum zwischen 3341 und 3094 vor Christus, also rund fünfhundert Jahre vor dem Bau. Die Erklärung der Museumsleitung ist unspektakulär und gerade deshalb interessant: Entweder stammt die Probe aus dem Kern eines sehr alten Baumes, oder Holz war in Ägypten so knapp, dass es über Generationen aufbewahrt und wiederverwendet wurde.

Museumsschublade mit beschrifteten Kartons und einer alten Zigarrenschachtel
Objekte verschwinden selten spektakulär. Meistens werden sie nur falsch einsortiert.

Die auffälligsten Hieroglyphen sind 180 Jahre alt

Die auffälligsten Hieroglyphen an der Cheops-Pyramide sind keine viereinhalbtausend Jahre alt, sondern gut hundertachtzig.

König Friedrich Wilhelm IV. schickte 1842 eine wissenschaftliche Expedition nach Ägypten, geleitet von Richard Lepsius. Drei Jahre lang vermaß und zeichnete die Gruppe Denkmäler von Kairo bis in den Sudan; das Ergebnis füllte zwölf Tafelbände und fünf Textbände und blieb bis weit ins 20. Jahrhundert die wichtigste Quelle des Fachs.

Am 15. Oktober 1842 stieg die Mannschaft auf die Spitze der Cheops-Pyramide und feierte dort den Geburtstag ihres Königs. Als Geschenk meißelte sie eine Inschrift in ägyptischen Hieroglyphen auf einen eigens geglätteten Stein über dem historischen Eingang, im Stil einer altägyptischen Stele, mit den Namen der Beteiligten. Es gilt als eine der ersten Inschriften überhaupt, die Hieroglyphen nach ihrer Entzifferung wieder als Mitteilungsmittel benutzt haben.

Die Expedition hat noch eine zweite Spur hinterlassen, und die ist folgenreicher. Lepsius nummerierte auf dieser Reise die Pyramiden Ägyptens durch, und seine Nummern werden in der Fachliteratur bis heute verwendet. Ein Bauwerk kann also einen altägyptischen Namen tragen, eine moderne Bezeichnung nach seinem Bauherrn und zusätzlich eine preußische Nummer aus den 1840er Jahren.

Sie ist bis heute dort. Vom Boden aus ist sie ohne Fernglas kaum zu erkennen, weshalb die meisten Besucher direkt daran vorbeigehen. Wer weiß, wonach er sucht, sieht am Bauwerk also zwei Schriftschichten übereinander: die anonymen Markierungen der Bautrupps, tief im Mauerwerk verborgen, und einen preußischen Königsgeburtstag, gut sichtbar an der Fassade.

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Die Mauer aus den Steinen der Pyramide

Unter den kuriose Fakten zur Cheops-Pyramide hält sich eine Anekdote besonders hartnäckig, und sie hat den Vorzug, nachrechenbar zu sein.

Sie stammt aus der Zeit der französischen Ägyptenexpedition und geht so: Aus dem Stein der Pyramiden ließe sich eine Mauer rund um Frankreich errichten. Erzählt wird sie seit über zweihundert Jahren, meist ohne dass jemand nachprüft, ob sie stimmt.

Sie stimmt ungefähr. Das Bauvolumen der größten Pyramide wird mit rund 2,6 Millionen Kubikmetern angesetzt. Frankreichs Landgrenzen sind etwa 2.900 Kilometer lang. Eine Mauer von drei Metern Höhe und dreißig Zentimetern Stärke über diese Strecke braucht rund 2,6 Millionen Kubikmeter Material. Das ist keine gerundete Annäherung, sondern trifft auf zwei Stellen.

Wer die Rechnung zuerst aufgemacht hat, lässt sich allerdings nicht mehr sauber klären. Üblicherweise werden die Gelehrten genannt, die Napoleon nach Ägypten begleiteten, und mancherorts Napoleon selbst. Belegt ist keine der beiden Zuschreibungen, und die Anekdote fällt damit unter denselben Vorbehalt wie die meisten Superlative auf dieser Seite: Die Zahl stimmt, die Herkunftsgeschichte ist ungeprüft.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens rechnet die Anekdote meist mit dem Stein aller drei Pyramiden, und der reicht dann für gut die doppelte Mauer. Zweitens ist das eine Volumenrechnung und keine Bauplanung: Die Blöcke sind nicht mauergerecht zugeschnitten, und ein erheblicher Teil des Pyramidenkörpers besteht aus grober Füllung. Als Größenordnung taugt der Vergleich trotzdem, und anders als die meisten Superlative lässt er sich mit einem Taschenrechner prüfen.

Die Mauer um Frankreich, zum Selbstnachrechnen

Benötigtes Volumen im Vergleich zum Bauvolumen

Voreingestellt sind drei Meter Höhe, dreißig Zentimeter Stärke und 2.900 Kilometer, also die Landgrenzen Frankreichs ohne Küste. Das Bauvolumen von 2,6 Millionen Kubikmetern ist selbst ein Rechenwert aus den Außenmaßen und enthält einen unbekannten Anteil stehen gelassenen Felsens.

Die Schächte, die niemand erklären kann

Von der Königinnenkammer aus führen zwei schmale Schächte schräg nach oben ins Mauerwerk. Wozu, weiß niemand. Sie gehören zu den rätselhafte Fakten zu den Pyramiden von Gizeh, die sich seit über einem Jahrhundert jeder Erklärung entziehen.

Der Anlauf, der am weitesten kam, begann als Auftragsarbeit. Ein deutscher Ingenieur installierte 1992 eine Lüftung in der Pyramide, weil die Atemluft der Besucher dem Bauwerk zusetzte. Bei der Arbeit an den Schächten kam ihm die Idee, dass man da etwas hineinschicken könnte. Er baute ein Kettenfahrzeug von wenigen Kilogramm Gewicht, benannt nach dem altägyptischen Gott Upuaut, dem Öffner der Wege.

1993 fuhr das Gerät in den südlichen Schacht der Königinnenkammer und blieb nach gut sechzig Metern vor etwas stehen, das dort nicht sein sollte: einer geglätteten Steinplatte mit zwei eingelassenen Metallstiften, vermutlich aus Kupfer. Spektrum der Wissenschaft verortet den Stein 64 Meter von der Kammer und 15,5 Meter von der Außenwand entfernt.

Der Weg dorthin war nicht einfach. Der Schacht hat einen Querschnitt von etwa zwanzig mal zwanzig Zentimetern, steigt an, hat Versätze an den Blockfugen und war stellenweise mit Bauschutt gefüllt. Ein Fahrzeug musste also klein genug sein, um hineinzupassen, kräftig genug, um zu steigen, und musste eine Kamera und ein Kabel über die gesamte Strecke mitziehen.

Seither sind weitere Roboter hineingefahren, hinter der Platte fand sich ein kleiner Hohlraum und eine zweite Platte. Was die Stifte sollten, ob sie Griffe waren, Verschlüsse oder etwas Drittes, ist unbeantwortet. Das ist der ehrliche Stand: kein Geheimnis im Sinne einer verschwiegenen Kammer, sondern eine offene Frage, an der seit dreißig Jahren gearbeitet wird.

Enge, quadratische Schachtöffnung im Kalkstein einer Pyramidenkammer
Zwanzig mal zwanzig Zentimeter Querschnitt. Menschen passen hier nicht hinein, Fahrzeuge von der Größe eines Schuhkartons schon.

Drei Behauptungen aus derselben Ecke, die nicht halten

  • Falsch

    Im Inneren der Pyramide ist es angenehm kühl.

    Es gibt keine funktionierende Lüftung, und die Luft, die zirkuliert, hat denselben engen Weg genommen wie die Besucher. Bei vielen Menschen gleichzeitig wird es warm und drückend, im aufsteigenden Gang besonders.

  • Falsch

    Aus der Cheops-Pyramide wurden Schätze geborgen.

    Drei Gegenstände in viereinhalbtausend Jahren: eine Kugel, ein Haken, ein Stück Holz. Der Sarkophag in der Königskammer war bereits leer, als die ersten dokumentierten Besucher ihn erreichten.

  • Teilweise

    Der Name des Erbauers steht nirgends an dem Bauwerk.

    Er steht in roter Farbe in den Entlastungskammern über der Königskammer, also an einer Stelle, die nie zur Ansicht bestimmt war. Sichtbar an der Außenseite sind dagegen preußische Hieroglyphen von 1842.

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Warum sich falsche Angaben besser halten

Bleibt die Frage, warum sich falsche Angaben über diese Bauwerke so viel besser halten als richtige. Ein Beispiel, das seit anderthalb Jahrtausenden läuft, gibt die Antwort.

Im frühen sechsten Jahrhundert notierte der Geograf Julius Honorius, es gebe in Ägypten Pyramiden, die man die Kornspeicher Josephs nenne. Kurz darauf griff Bischof Gregor von Tours die Vorstellung in seiner Frankengeschichte auf und baute sie aus: Joseph habe diese Bauten aus Quadern und Bruchstein errichtet, oben mit Öffnungen zum Einfüllen des Getreides, um für die sieben mageren Jahre vorzusorgen. Der Historiker Richard Flower hat nachgezeichnet, wie sich die Deutung ausbreitete.

Sie hielt sich über tausend Jahre. Wer heute in Venedig die Vorhalle von San Marco betritt, sieht in einer Kuppel ein Mosaik aus der Zeit um 1275, auf dem Joseph das Getreide der fetten Jahre einlagert. Die Speicher sind als Pyramiden dargestellt, mit Fenstern.

Der Mechanismus ist immer derselbe. Eine Erklärung, die zu einer bekannten Geschichte passt, verbreitet sich schneller als eine, die neue Begriffe verlangt. Die Kornspeicher passten zur Bibel, die Sklaven passten zu Hollywood, und die Zahlenmystik passt zu dem Wunsch, dass etwas so Altes etwas zu bedeuten habe. Der brauchbarste Test ist banal: Fragen Sie, wer das zuerst gesagt hat und woher derjenige es wusste. Bei den drei Gegenständen aus dem Schacht, dem preußischen Geburtstag und dem Roboter im Schacht lässt sich das beantworten. Bei den meisten Superlativen nicht.

Häufige Fragen

Was wurde tatsächlich im Inneren der größten Pyramide gefunden?

Drei Gegenstände: eine Steinkugel, ein Metallhaken und ein Stück Zedernholz, 1872 in einem Schacht der Königinnenkammer. Kugel und Haken liegen im Britischen Museum, das Holz in Aberdeen.

Warum ist das Holz älter als die Pyramide?

Die Datierung zeigt den Zeitpunkt, an dem das Holz wuchs, nicht den seiner Verwendung. Entweder stammt die Probe aus dem Kern eines alten Baumes, oder das knappe Holz wurde über Generationen weiterbenutzt.

Stehen wirklich preußische Hieroglyphen an der Pyramide?

Ja, über dem historischen Eingang. Die Expedition unter Richard Lepsius setzte sie 1842 zum Geburtstag von Friedrich Wilhelm IV. Vom Boden aus sind sie ohne Fernglas kaum auszumachen.

Was ist hinter der Steinplatte im Schacht?

Ein kleiner Hohlraum und eine weitere Platte. Wozu die Schächte dienten und was die eingelassenen Metallstifte bedeuten, ist ungeklärt.

Wurden die Pyramiden als Kornspeicher gebaut?

Nein. Die Vorstellung ist eine europäische Deutung aus dem sechsten Jahrhundert, die sich über tausend Jahre hielt und sogar in ein venezianisches Mosaik einging.

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