Die Sonnenbarke des Cheops

Das Bootsmuseum an der Pyramide gibt es nicht mehr. Wo die Barke heute steht, warum sie zerlegt begraben wurde und wo gerade die zweite zusammengesetzt wird.

Die Sonnenbarke des Cheops ist der Grund, warum viele Besucher am Fuß der größten Pyramide nach einem flachen Gebäude suchen, das dort seit Jahren nicht mehr steht.

Bis 2021 war das anders. Direkt an der Südseite der Pyramide stand ein eigenes Museum, gebaut über der Grube, in der das Schiff gefunden worden war. Wer das Gelände besuchte, konnte es mit demselben Weg mitnehmen. Dieses Haus gibt es nicht mehr, und die Barke steht heute rund zwei Kilometer entfernt im Großen Ägyptischen Museum.

Für die Planung ist das die einzige wirklich wichtige Auskunft dieser Seite, und sie widerspricht einer erstaunlich zählebigen Erwartung. Reiseführer, Blogbeiträge und ältere Programme führen das Bootsmuseum weiterhin als Station auf dem Plateau. Wer danach sucht, findet die leere Grube und ein Stück Absperrung.

Was Sie dagegen auf dem Gelände weiterhin sehen, sind die Gruben selbst, und die sind für sich interessant genug, dass sie eine eigene Seite haben. Diese hier handelt vom Schiff: wo es heute steht, wie es gefunden wurde, und warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt ist, es sich anzusehen.

Der Weg der Barke, von der Grube ins Museum

  • um 2560 v. Chr.

    Das Schiff wird zerlegt in eine Grube an der Südseite der Pyramide gelegt und mit Steinplatten verschlossen.

  • Mai 1954

    Der ägyptische Archäologe Kamal el-Mallakh öffnet die bis dahin unberührte Grube und findet die Hölzer geordnet übereinandergeschichtet.

  • Die folgenden Jahre

    Der Restaurator Ahmed Youssef Moustafa setzt das Schiff aus über tausend Einzelteilen zusammen, ohne Bauplan und mit mehreren Anläufen.

  • 1982

    Das eigens gebaute Bootsmuseum an der Pyramide wird eröffnet, unmittelbar über dem Fundort.

  • 2021

    Die Barke wird in einem klimatisierten Spezialfahrzeug zum Großen Ägyptischen Museum gebracht. Das Museum am Plateau schließt.

  • seit Ende 2025

    Im Museum wird die zweite Barke aus der Nachbargrube vor Publikum zusammengesetzt.

Der Fund von 1954 war vollständig

Der Fund von 1954 ist deshalb bemerkenswert, weil er praktisch vollständig war, und das ist bei ägyptischen Grabanlagen die große Ausnahme.

Kamal el-Mallakh stieß bei Aufräumarbeiten an der Südseite auf eine Reihe schwerer Kalksteinplatten. Darunter lag ein Hohlraum, der seit der Bestattung nicht geöffnet worden war. Berichtet wird, dass beim Anbohren der Geruch von Zedernholz austrat, nach viereinhalb Jahrtausenden.

In der Grube lag kein fertiges Schiff, sondern seine Teile: über tausend Hölzer, geschichtet und geordnet, dazu Seile aus Pflanzenfasern. Das Schiff war also bewusst zerlegt beigesetzt worden, und zwar so, dass es sich wieder zusammensetzen ließ. Genau das tat der Restaurator Ahmed Youssef Moustafa in den Jahren danach, in mehreren Anläufen und ohne eine Anleitung, indem er die Zimmermannsmarken auswertete und mit Darstellungen sowie mit dem traditionellen Bootsbau am Nil verglich.

Das Ergebnis ist ein rund vierzig Meter langes Schiff aus Zedernholz aus dem Libanon, zusammengehalten nicht durch Nägel, sondern durch Verzapfung und durch Seile, die durch die Planken laufen. Beim Namen lohnt dabei ein kurzes Innehalten, denn er ist bereits eine Deutung. Sonnenbarke heißt das Schiff nicht, weil eine Inschrift es so nennt, sondern weil eine der Erklärungen lautet, es habe den König auf der Fahrt des Sonnengottes über den Himmel begleiten sollen. Wer den Namen benutzt, übernimmt also stillschweigend eine von mehreren Thesen. Im Museum wird der Bereich entsprechend nüchterner geführt, nämlich schlicht als der Ort der Boote des Cheops.

Wozu es diente, ist bis heute strittig: ob als Fahrzeug für die Reise des Königs am Himmel, ob für die Bestattungsfahrt selbst, ob als Gegenstand des Rituals ohne je gefahren zu sein. Spuren am Holz werden in beide Richtungen gedeutet.

GetYourGuide

Geführter Museumsbesuch mit Abholung

★ 4,7(17 Bewertungen)
  • Führung mit Schwerpunkt auf dem Museum, in dem beide Barken stehen, statt eines Durchlaufs mit Museumsanteil
  • Abholung an der Unterkunft ist enthalten, was den Weg zum Museum abnimmt
  • Deutschsprachige Führung möglich; der Eintritt auf das Plateau ist als Zubuchung vorgesehen
  • Nach Anbieterangabe bis 24 Stunden vorher kostenfrei stornierbar
Die zusammengesetzte Zedernholzbarke in einer Museumshalle, von der Seite gesehen
Über vierzig Meter Zedernholz, ohne einen einzigen Nagel: Verzapfungen und durchgezogene Seile halten den Rumpf zusammen.

Warum die zweite Barke der Grund ist, jetzt zu gehen

Der Umzug hatte im Übrigen einen Grund, der zu diesem Ort passt. Das alte Museum stand unmittelbar über der Fundgrube, und ein Gebäude über einer Grube in der Wüste ist ein schwieriger Ort für Holz: Temperatur und Feuchtigkeit schwanken, und Besucher bringen zusätzliche Feuchtigkeit mit. Dasselbe Problem hat das Innere der Pyramiden, nur dass man Steinwände nicht umziehen kann. Ein Schiff aus Zedernholz kann man umziehen, und genau das geschah 2021, in einem klimatisierten Spezialfahrzeug über eine kurze, sorgfältig vorbereitete Strecke.

Der Grund, warum sich der Besuch gerade jetzt lohnt, liegt allerdings nicht bei der ersten Barke, sondern bei der zweiten.

Denn es gab zwei Gruben. Die zweite wurde erst Jahrzehnte später geöffnet, und ihr Inhalt war deutlich schlechter erhalten, weil die Abdeckung nicht dicht war. Die Bergung und Wiederherstellung übernahm eine ägyptisch-japanische Mission unter Leitung von Sakuji Yoshimura. Nach Angaben der japanischen Entwicklungsagentur wurden dabei annähernd 1.700 Hölzer aus dreizehn Lagen geborgen und 1.343 davon in das Museum überführt; Japan förderte die Arbeiten mit mehreren Millionen US-Dollar und stellte rund neunzig Fachleute.

Der eigentliche Punkt ist aber, wie diese Arbeit gezeigt wird. Die zweite Barke wird im Museum nicht hinter verschlossenen Türen restauriert, sondern vor Publikum zusammengesetzt, sichtbar von einer Besucherebene aus. Sie sehen also keine fertige Vitrine, sondern eine laufende Arbeit: Hölzer auf Gestellen, Fachleute daneben, ein Objekt in der Entstehung.

Das ist ungewöhnlich und wird nicht ewig so bleiben. Wenn das Schiff fertig ist, steht dort ein zweites Exponat, und die Gelegenheit, einer Restaurierung dieser Größenordnung zuzusehen, ist vorbei.

Praktisch ist es einfacher als gedacht

Praktisch ist die Sache einfacher, als der Umzug vermuten lässt.

Die Barken sind Teil der Sammlung des Museums und haben nach dessen eigener Übersicht einen eigenen Bereich. Ein zusätzliches Ticket brauchen Sie dafür nicht: Der Museumseintritt schließt diesen Bereich ein, so wie er die Tutanchamun-Galerien und die Hauptgalerien einschließt. Das Museum ist täglich geöffnet, mittwochs und samstags bis in den Abend, und der letzte Einlass liegt eine Stunde vor Schluss.

Was Sie dagegen nicht mehr brauchen, ist das frühere Extraticket für das Bootsmuseum am Plateau. Es taucht in älteren Preisübersichten noch auf, und wer danach fragt, erntet am Schalter ein Kopfschütteln.

Für die Reihenfolge des Tages folgt daraus eine Empfehlung, die sich anders anhört als die übliche. Wenn Sie die Barke sehen wollen, gehören Plateau und Museum zusammen, und zwar sachlich und nicht nur logistisch: Auf dem Gelände sehen Sie die leeren Gruben an der Südseite der Pyramide, im Museum das, was darin lag. Diese Reihenfolge, erst die Grube, dann das Schiff, ergibt einen deutlich stärkeren Eindruck als die umgekehrte.

Ein Hinweis zur Zeit gehört dazu, weil der Bereich unterschätzt wird. Ein Schiff von vierzig Metern lässt sich nicht in fünf Minuten ansehen, und die laufende Montage der zweiten Barke bindet zusätzlich Aufmerksamkeit. Rechnen Sie eher mit einer halben Stunde als mit einem Vorbeigehen, und legen Sie den Bereich nicht ans Ende eines Museumsbesuchs, an dem ohnehin schon die Konzentration nachlässt.

Und wenn Sie nur eines von beidem schaffen: Die Gruben sind ohne das Schiff schwer zu lesen, das Schiff ohne die Gruben nicht. Im Zweifel also das Museum.

Die erste Barke in Zahlen

Gefunden
im Mai 1954, südlich der Cheops-Pyramide
Zustand der Grube
seit der Bestattung ungeöffnet
Einzelteile
über tausend, geschichtet und geordnet
Länge zusammengesetzt
rund vierzig Meter
Material
Zedernholz aus dem Libanon, ohne Nägel gefügt
Heute
im Großen Ägyptischen Museum, im Eintritt enthalten
GetYourGuide

Grube und Schiff an einem Tag

Wer die Reihenfolge aus dem letzten Abschnitt umsetzen will, also erst die leeren Gruben am Bauwerk und danach das Schiff im Museum, braucht beides an einem Tag: Diese Tagestour enthält den Eintritt auf das Gelände, das Museum und die Fahrten dazwischen.

ab 83 €
Ansehen

Häufige Fragen

Steht die Sonnenbarke noch auf dem Plateau?

Nein. Sie wurde 2021 ins Große Ägyptische Museum gebracht, und das Bootsmuseum am Plateau gibt es nicht mehr.

Brauche ich ein eigenes Ticket dafür?

Nein. Der Bereich gehört zum Museum und ist im Museumseintritt enthalten.

Was sieht man auf dem Gelände noch?

Die Gruben an der Südseite der Pyramide. Sie sind leer, aber präzise in den Fels geschnitten.

Gibt es wirklich zwei Barken?

Ja. Die zweite stammt aus einer Nachbargrube und wird derzeit im Museum vor Publikum zusammengesetzt.

Warum wurde das Schiff zerlegt begraben?

Das ist offen. Sicher ist nur, dass es geordnet abgelegt wurde, sodass es sich wieder zusammensetzen ließ.

Ist sie je gefahren?

Auch das ist strittig. Spuren am Holz werden sowohl als Gebrauchsspuren als auch anders gedeutet.

Stand: August 2026Die Montage der zweiten Barke läuft und verändert das Bild im Museum laufend. Öffnungszeiten nach den amtlichen Angaben des Hauses, Stand August 2026.