Fakten über den Sphinx von Gizeh: die geprüften Zahlen

20,22 m hoch und 73,5 m lang, aus einem einzigen Felsen: die geprüften Zahlen zum Sphinx von Gizeh und wie viel von dem, was Sie sehen, wirklich original ist.

Zu kaum einem Bauwerk kursieren so viele Zahlen wie zu diesem, und ein erstaunlicher Teil davon ist falsch abgeschrieben.

Das liegt an der Form. Ein rechteckiger Bau lässt sich eindeutig vermessen: Länge, Breite, Höhe, fertig. Bei einer liegenden Figur beginnen die Fragen sofort. Zählt der Schwanz zur Länge? Misst man die Höhe bis zum Scheitel oder bis zur Oberkante des Kopftuchs? Nimmt man die Breite an den Vorderpranken oder an der Hinterhand, wo die Figur am breitesten ist? Je nach Antwort verschiebt sich das Ergebnis um mehrere Meter.

Dazu kommt die Geschichte des Messens selbst. Die älteren Angaben stammen aus einer Zeit, in der die Figur noch teilweise im Sand lag, sodass der Fußpunkt geschätzt werden musste. Spätere Vermessungen konnten den Boden der Grube einbeziehen und kamen dadurch auf größere Höhen. Wer eine alte und eine neue Zahl nebeneinanderlegt, sieht deshalb oft keinen Fehler, sondern zwei unterschiedliche Bezugspunkte.

Diese Seite nennt deshalb nicht nur Zahlen, sondern auch, worauf sie sich beziehen. Verwendet werden die Werte, die einer Nachmessung standhalten und in Nachschlagewerken übereinstimmend geführt werden.

Der zweite Teil der Seite betrifft eine Frage, die in Faktenlisten fast nie auftaucht, für das Verständnis vor Ort aber entscheidend ist: Welcher Teil dessen, was Sie sehen, ist eigentlich noch der Fels von damals, und welcher Teil ist Reparatur aus späteren Jahrtausenden? Bei kaum einem anderen Bauwerk der Welt ist dieser Anteil so hoch.

Länge
73,5 m, von den Vorderpranken bis zum Schwanzende
Höhe
20,22 m, vom Boden der Grube bis zum Scheitel
Breite
19,3 m, gemessen an der Hinterhand
Material
anstehender Kalkstein, aus dem Fels geschnitten
Blickrichtung
exakt nach Osten
Entstehung
nach gängiger Datierung um 2500 v. Chr.
Rekord
größte Skulptur der Welt aus einem einzigen Stein

Der Rekord gilt nur mit einer Einschränkung

Der Rekord ist der Punkt, an dem die meisten Aufzählungen ungenau werden, denn es gibt größere Statuen und es gibt ältere Skulpturen.

Entscheidend ist die Einschränkung auf einen einzigen Stein. Die größte monolithische Skulptur der Welt ist keine zusammengesetzte Figur und kein gegossenes Bauwerk, sondern eine, die vollständig aus einem zusammenhängenden Felsblock gearbeitet wurde. Größere Statuen der Neuzeit bestehen aus Segmenten, Beton oder Stahlbeton mit Verkleidung. Wer die Kategorie streicht, verliert die Aussage.

Ebenfalls häufig zu lesen ist, dieses sei die älteste Monumentalskulptur überhaupt. Belastbar ist eher die vorsichtige Version: Sie gehört zu den ältesten erhaltenen Großplastiken und ist die älteste dieser Größenordnung, die ohne Unterbrechung sichtbar geblieben ist.

Die Blickrichtung ist dagegen unstrittig und leicht zu prüfen: exakt nach Osten. An den beiden Tagundnachtgleichen im Frühjahr und im Herbst geht die Sonne damit genau vor der Figur auf. Das ist kein Zufall und auch kein Geheimnis, sondern eine bewusste Ausrichtung, wie sie für Grab- und Kultbauten dieser Epoche die Regel war.

Wenig bekannt ist, wie sorgfältig die Figur als Ganzes durchgestaltet ist. Der Schwanz legt sich um die rechte Hinterpranke, die Vorderbeine sind bis zu den Krallen ausgearbeitet, und zwischen ihnen liegt ein eigener kleiner Hof. Wer die Figur nur von vorn kennt, hält sie leicht für einen Kopf auf einem Kasten. Aus der Seitenlage betrachtet ist sie eine vollständige, anatomisch durchdachte Tierfigur, nur eben im Maßstab eines halben Fußballfelds.

Und noch eine Angabe, die überrascht: Es gibt keine Inschrift am Bauwerk, die einen Erbauer nennt. Kein Name, kein Datum, keine Weiheformel. Alles, was über Urheberschaft und Zeitstellung gesagt wird, stammt aus der Bauabfolge mit den Nachbarbauten.

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Halbtagestour zu den Pyramiden von Gizeh und dem Sphinx

★ 4,6(3.680 Bewertungen)
  • Die Grenze zwischen Originalfels und Ausbesserung ist vor Ort deutlich zu sehen
  • Ein lizenzierter Guide ordnet ein, welche Teile aus welcher Epoche stammen
  • Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Der Sphinx von der Seite mit sichtbarem Verkleidungsmauerwerk am Sockel
Unten Mauerwerk, oben Fels. Die Grenze zwischen Original und Ausbesserung verläuft quer durch die Figur.

Fels unten, Mauerwerk außen

Damit zur wichtigsten Unterscheidung dieser Seite. Was Sie vor Ort sehen, besteht aus zwei sehr verschiedenen Dingen.

Der Kern ist gewachsener Fels: der Körper, der Hals, der Kopf, die Grube ringsum. Diese Teile wurden vor viereinhalbtausend Jahren herausgeschnitten und sind seither nicht bewegt worden. Sie zeigen entsprechend Verwitterung, und zwar bänderförmig, weil die Gesteinsschichten unterschiedlich hart sind.

Die Außenhaut der unteren Hälfte ist dagegen weitgehend gesetztes Mauerwerk. Schon im Neuen Reich, also rund tausend Jahre nach der Entstehung, wurden Verkleidungsblöcke angebracht, um den zerfallenden Rumpf zu stützen. Weitere Kampagnen folgten in griechisch-römischer Zeit und dann in mehreren Wellen der Neuzeit. Die Pranken, die auf jedem Foto so klar gezeichnet aussehen, sind in ihrer heutigen Form ganz überwiegend Rekonstruktion.

Das ist kein Skandal, sondern der Normalfall bei einem Objekt aus weichem Kalkstein im Freien. Wichtig ist es trotzdem, weil viele Beobachtungen daran hängen. Wer aus der Schärfe einer Kante auf das Alter schließt, misst unter Umständen eine Reparatur aus dem 20. Jahrhundert.

Der Umgang damit hat sich grundlegend geändert. Frühere Kampagnen setzten neue Blöcke mit Zementmörtel an, der härter war als das Originalgestein und dadurch Schäden verstärkte statt sie zu bremsen. Heutige Konservierung arbeitet mit weicheren, anpassungsfähigen Mörteln, dokumentiert jede eingesetzte Steinlage und beobachtet Feuchtigkeit und Salzgehalt dauerhaft. Der Grundsatz lautet, dass eine Reparatur erkennbar und wieder entfernbar sein soll. Genau deshalb sind die neueren Blöcke bewusst nicht dem Originalton angeglichen.

Eine Faustregel hilft vor Ort: Je glatter und regelmäßiger eine Fläche wirkt und je deutlicher einzelne Blockfugen zu erkennen sind, desto jünger ist sie. Der Originalfels ist unregelmäßig, gebändert und ohne Fugen, weil er nie aus Blöcken bestand.

Wie groß ist das eigentlich

Meter über Grund

30,0Christusstatue in Rio, nur die Figur
26,0Brandenburger Tor
20,22Großer Sphinx, Höhe
18,0Wohnhaus mit sechs Geschossen, etwa

Die Höhe ist die unspektakulärste der drei Angaben. Aussagekräftiger ist die Länge von 73,5 Metern: Das entspricht ungefähr zwei aneinandergestellten Reisebussen plus einem dritten.

Drei Fundstücke, die man anfassen kann

Drei Fundstücke gehören zu den belastbarsten Sachangaben überhaupt, weil man sie anfassen kann.

Das erste liegt in London. Ein Bruchstück des Bartes befindet sich im Britischen Museum, gut 34 Zentimeter hoch und etwa 15 Zentimeter dick. Bemerkenswert daran ist weniger der Fundort als die Datierung: Der Bart war keine Zutat der Erbauer, sondern wurde vermutlich erst im Neuen Reich angesetzt, im Zuge einer Instandsetzung, und fiel später wieder ab. Weitere Fragmente liegen in Kairo. Was das für das ursprüngliche Aussehen bedeutet, steht auf einer eigenen Seite.

Das zweite steht noch an Ort und Stelle: eine Steinstele zwischen den Vorderpranken, aufgestellt von einem König der 18. Dynastie im ersten Jahr seiner Regierung, nach gängiger Datierung 1401 vor Christus. Sie ist damit rund elfhundert Jahre jünger als die Figur selbst und berichtet von einer Reinigung des versandeten Bauwerks. Auch dazu gibt es eine eigene Seite.

Das dritte ist kein einzelnes Stück, sondern eine Schicht: der Sand. Die Grube füllt sich von selbst, und über den größten Teil der vergangenen viereinhalbtausend Jahre lag die Figur bis zu den Schultern darin. Mehrere Herrscher ließen sie freilegen, danach kam der Sand zurück. Die vollständige und dauerhafte Freilegung gelang erst in den 1920er Jahren.

Der Sand erklärt zugleich das ungleiche Erhaltungsbild, und zwar unabhängig von der Gesteinsschichtung. Der Kopf ragte über den größten Teil der Zeit heraus und war Wind, Sandschliff und Temperaturwechseln ausgesetzt. Der Rumpf lag begraben und damit geschützt, wurde aber bei jeder Freilegung erneut der Witterung ausgesetzt und trocknete anders aus. Beide Teile haben also sehr unterschiedliche Belastungsgeschichten hinter sich, und beide Effekte überlagern sich mit der Härte der jeweiligen Bank.

Diese drei zusammen ergeben ein Bild, das Faktenlisten selten vermitteln: Der Sphinx war über weite Strecken seiner Geschichte kein Wahrzeichen, sondern ein halb verschütteter Fels, um den sich gelegentlich jemand kümmerte.

Die Steinstele zwischen den Vorderpranken des Sphinx
Die Stele zwischen den Pranken ist rund elfhundert Jahre jünger als die Figur, vor der sie steht.

Vor Ort: original oder Reparatur?

  • Sichtbare Blockfugen in regelmäßigen Reihen bedeuten Mauerwerk, also Ausbesserung.
  • Waagerechte Bänderung ohne Fugen bedeutet gewachsener Fels, also Original.
  • Die Pranken und die untere Flanke sind fast vollständig verkleidet.
  • Der Kopf ist bis auf kleine Ergänzungen originaler Fels.
  • Sauber gearbeitete, gleichmäßig helle Blöcke stammen aus dem 20. Jahrhundert.
  • Der Boden der Grube und die Wände ringsum sind Schnittflächen aus der Bauzeit.

Angaben, die regelmäßig falsch zitiert werden

Zum Schluss ein paar Angaben, die regelmäßig falsch zitiert werden, mit der jeweils belastbaren Fassung.

Der Sphinx ist nicht aus Blöcken gebaut, aber er ist auch nicht vollständig aus einem Stück: Der Kern ist ein zusammenhängender Fels, angesetzte Teile wie Pranken und Verkleidung bestehen aus einzelnen Blöcken. Beide Aussagen stimmen also, je nachdem, worauf man zeigt.

Er ist nicht das älteste Bauwerk des Geländes. Die große Pyramide ist nach gängiger Datierung eine Generation älter, und die Nekropole ringsum war schon vorher in Benutzung.

Er ist nicht einzigartig in Ägypten. Sphingen gibt es in großer Zahl, unter anderem als Alleen vor Tempeln. Dieser hier ist der größte und der älteste bekannte in dieser Bauform, deshalb der Zusatz im Namen.

Und er ist kein eigenständiges Denkmal, sondern Teil einer Anlage. Unmittelbar östlich stehen zwei Tempel, und die Figur liegt am Ende eines Aufwegs. Die gesamte Umgebung steht seit 1979 gemeinsam unter Schutz.

Und das Gesicht ist kein gesichertes Porträt. Es wird traditionell mit dem Bauherrn der mittleren Pyramide in Verbindung gebracht, doch ein Vergleich mit erhaltenen Statuen dieses Königs ist wegen der Verwitterung und der späteren Ausbesserungen nur eingeschränkt möglich. Untersuchungen dazu kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Belastbar ist, dass ein Königskopf dargestellt ist, erkennbar an Kopftuch und Stirnschlange. Welcher König, ist eine Zuschreibung.

Wer die Zahlen dieser Seite weitergibt, sollte deshalb die Bezugsgröße mitgeben. Zwanzig Meter Höhe sagen wenig, solange nicht klar ist, dass die Figur in einer ausgehobenen Grube sitzt und diese Höhe vom Grubenboden aus gemessen wird.

Häufige Fragen

Was ist der Sphinx von Gizeh?

Eine aus dem anstehenden Fels geschnittene Figur mit Löwenkörper und Königskopf, 73,5 Meter lang und 20,22 Meter hoch, entstanden nach gängiger Datierung um 2500 v. Chr. am Ostrand des Plateaus.

Wie groß ist er genau?

73,5 Meter lang, 20,22 Meter hoch und 19,3 Meter breit an der Hinterhand. Die Höhe wird vom Boden der ausgehobenen Grube aus gemessen.

Ist er wirklich aus einem Stück?

Der Kern ja. Pranken, Sockel und die untere Flanke bestehen heute aus angesetztem Mauerwerk aus verschiedenen Epochen.

Warum blickt er nach Osten?

Weil dort die Sonne aufgeht. Für Grab- und Kultbauten dieser Zeit war die Ausrichtung nach Osten die Regel.

Gibt es eine Inschrift des Erbauers?

Nein. Am Bauwerk selbst findet sich kein Name und kein Datum. Die Zuordnung ergibt sich aus der Bauabfolge mit den Nachbarbauten.

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Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy

Die Aussichtsterrasse am Sphinx und der Weg oberhalb der Grube liegen im normalen Ticketbereich. Am Sphinx-Tor selbst gibt es keine Kasse.

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