Die häufigste Suche zu diesem Raum verbindet drei Wörter: Kammer, Pyramide, Mumie. Die Antwort darauf ist kurz und enttäuscht die meisten.
Es wurde nie eine gefunden. Als der Raum in der Neuzeit erstmals betreten wurde, stand darin ein steinerner Sarkophag ohne Deckel, und er war leer. Kein Leichnam, keine Binden, keine Beigaben, keine Kanopen, keine Möbel, keine Inschrift. Der aufwendigste Raum im größten Steinbauwerk der Erde war ein kahler Granitkasten mit einem leeren Behälter darin.
Wichtig ist, was daraus folgt und was nicht. Es folgt nicht, dass hier nie jemand bestattet wurde. Die Gänge waren nach der Beisetzung mit tonnenschweren Granitblöcken verschlossen worden, was nur Sinn ergibt, wenn es etwas zu schützen gab. Es folgt auch nicht, dass die Pyramide kein Grab war. Es folgt lediglich, dass der Raum bereits leer war, als die ersten Berichte entstanden.
Wann er ausgeräumt wurde, ist unbekannt. Die naheliegende Vermutung ist Grabraub in der Antike, vermutlich schon im Alten Reich oder in der darauffolgenden unruhigen Zeit, als die zentrale Verwaltung zusammenbrach und die Nekropolen unbewacht blieben. Belege dafür gibt es aus anderen Anlagen reichlich, für diese speziell nicht.
Ein zweiter Punkt hilft gegen falsche Erwartungen. Der Name des Raums ist eine Erfindung der Neuzeit. Arabische Bezeichnungen des Mittelalters unterschieden die Räume nach der Form ihrer Decken, und daraus wurden im europäischen Sprachgebrauch Königs- und Königinnenkammer. Mit ägyptischen Bezeichnungen hat das nichts zu tun, und die untere Kammer war mit Sicherheit nicht für eine Königin bestimmt. Wer diese Namen für Befunde hält, liest bereits eine Deutung mit.
Diese Seite beschreibt, was tatsächlich in dem Raum ist, was seine Bauweise über den Ablauf verrät und warum ein Besuch dort etwas anderes ist, als die meisten erwarten.

Ein Rechteck aus Assuan-Granit
Der Raum selbst ist ein Rechteck von bemerkenswerter Klarheit. Die Königskammer der Cheops-Pyramide misst rund 10,5 Meter in der Länge, 5,2 Meter in der Breite und knapp 5,8 Meter in der Höhe. Das Verhältnis von Länge zu Breite ist genau zwei zu eins.
Ausgekleidet ist er vollständig mit rotem Granit aus Assuan, gut achthundert Kilometer flussaufwärts gebrochen. Die Wände bestehen aus fünf Lagen glatt gearbeiteter Blöcke, die Decke aus neun waagerechten Balken, deren schwerste im Bereich von mehreren Dutzend Tonnen liegen. Für den Innenraum der Königskammer wurde damit das aufwendigste Material verbaut, das dem Land zur Verfügung stand, und zwar an der Stelle, an der die größte Last darüber steht.
Bemerkenswert ist die Verarbeitung. Die Granitblöcke sind eben gearbeitet und stoßen in Fugen zusammen, die stellenweise kaum sichtbar sind, und das bei einem Material, das sich mit Kupferwerkzeug nicht schneiden lässt. Gearbeitet wurde mit Stein auf Stein und mit Sand als Schleifmittel, über Wochen je Fläche. Der Aufwand pro Quadratmeter ist hier um ein Vielfaches höher als an der gesamten Außenhaut des Bauwerks.
Was sofort auffällt, wenn man drinsteht: Es gibt nichts zu sehen. Keine Reliefs, keine Malerei, keine Hieroglyphen. Das ist kein Verlust, sondern der Bauzustand. Die Ausschmückung von Königsgrabkammern mit Texten setzte erst Jahrhunderte später ein. Wer die farbigen Wände aus dem Tal der Könige erwartet, steht hier vor poliertem Stein.
Die Dokumentation des Raums reicht weit zurück. Aufnahmen, Aufmaße und Grabungsberichte über mehr als hundert Jahre liegen im digitalen Archiv der Universität Harvard, einschließlich Fotografien aus einer Zeit, in der die Bedingungen im Inneren andere waren als heute.





Geführte Tagestour mit Option auf die Innenbesichtigung
- Die Grabkammer ist der Endpunkt des Wegs durch das Bauwerk
- Die Innenbesichtigung der Cheops-Pyramide ist als Zubuchung erhältlich
- Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung, Abholung und Mittagessen sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Der Raum in Zahlen
- Länge
- rund 10,5 m
- Breite
- rund 5,2 m, also genau die halbe Länge
- Höhe
- knapp 5,8 m
- Material
- roter Granit aus Assuan, rund 800 km entfernt
- Decke
- neun waagerechte Granitbalken
- Darüber
- fünf Entlastungskammern
- Inhalt bei Öffnung
- ein Sarkophag ohne Deckel, leer
Der Sarkophag passt nicht durch den Gang
Der Sarkophag ist das aufschlussreichste Objekt der ganzen Anlage, und zwar nicht wegen seiner Verzierung, sondern wegen seiner Maße.
Er besteht aus einem einzigen Block Granit, ist schmucklos, hat keinen Deckel und weist am Rand Beschädigungen auf. Sein entscheidendes Merkmal: Er ist breiter als der aufsteigende Gang, durch den man in den Raum gelangt. Er kann also nicht hineingetragen worden sein, nachdem das Bauwerk stand.
Daraus folgt zwingend, dass er an Ort und Stelle war, bevor die Decke geschlossen wurde. Der Bauablauf lief demnach so: Der Raum wurde bis zur Höhe der Wände hochgezogen, der Sarkophag hineingestellt, und erst danach kamen die neun Deckenbalken darauf. Ein Behälter für einen Toten wurde eingebaut, Jahre bevor der Tote starb.
Das sagt viel über die Planung. Es sagt auch etwas darüber, wie sicher man sich war, dass dieser Raum der endgültige sein würde, denn nach dem Schließen der Decke gab es keine Möglichkeit mehr, ihn auszutauschen. Bei zwei früheren Kammern derselben Pyramide hatte man sich anders entschieden und den Bau verlagert.
Auch die Beschädigungen erzählen etwas. Eine Ecke ist ausgebrochen, die Kanten sind an mehreren Stellen bestoßen. Das passt nicht zu einem Objekt, das sorgfältig geöffnet wurde, sondern zu einem, das man aufgebrochen hat. Ob das in der Antike geschah oder später, als Reisende Andenken abschlugen, lässt sich nicht mehr trennen, denn beides ist belegt.
Ein Deckel wurde nie gefunden. Ob es je einen gab, ist unklar, denn an der Oberkante finden sich Vorrichtungen, die auf einen Verschluss hindeuten. Wenn ja, ist auch er verschwunden.
Die Entlastungskammern über der Decke
Über der Decke sitzt eine Konstruktion, die man nur versteht, wenn man an die Last darüber denkt.
Auf der Kammer stehen mehr als fünfzig Meter Mauerwerk. Eine waagerechte Decke trägt so etwas nicht ohne Weiteres, denn flache Balken werden auf Biegung beansprucht und Stein bricht unter Zug. Die Lösung besteht aus fünf übereinanderliegenden Hohlräumen, jeweils mit eigenen Granitbalken, und ganz oben aus zwei schräg gegeneinander gestellten Blöcken, die die Last wie ein Dach seitlich ableiten.
Diese Entlastungskammern sind nicht begehbar und waren nie zum Betreten gedacht. Genau deshalb finden sich dort die roten Farbmarkierungen der Bautrupps, aus denen der Name des Bauherrn hervorgeht. Es sind Arbeitsnotizen an einer Stelle, an der niemand sie je sehen sollte.
Der Aufwand dafür war erheblich. Für die Balken der fünf Entlastungskammern wurde noch einmal Granit aus Assuan herangeschafft, für Räume, die niemand betreten und niemand sehen würde. Es handelt sich damit um reine Statik, ohne jede darstellerische Absicht. In einem Bauwerk, das sonst vor allem Wirkung erzeugen sollte, ist das die nüchternste Stelle überhaupt.
Dass die Konstruktion nötig war, zeigen Risse in den Deckenbalken. Sie sind alt, vermutlich schon während oder kurz nach der Bauzeit entstanden, und werden seit Langem beobachtet. Die Kammer trägt trotzdem.
Unmittelbar darüber, oberhalb der Großen Galerie, liegt außerdem der 2017 nachgewiesene große Hohlraum. Was er ist, weiß niemand. Die nüchterne Deutung sieht auch in ihm eine bautechnische Maßnahme derselben Art.

Vier Aussagen zur Grabkammer
- Falsch
In der Kammer wurde eine Mumie gefunden.
Der Raum war bei der ersten dokumentierten Öffnung leer. Ein Leichnam wurde nie gefunden.
- Falsch
Der Sarkophag wurde nachträglich hineingebracht.
Er ist breiter als der Zugangsgang. Er stand vor dem Schließen der Decke an seinem Platz.
- Falsch
Die Kammer war ursprünglich bemalt.
Königsgrabkammern des Alten Reichs waren schmucklos. Wandtexte kamen erst Jahrhunderte später auf.
- Teilweise
Die beiden Schächte dienten der Belüftung.
Sie führen nach außen und sorgen für Luftaustausch, doch die gängige Deutung sieht ihren Zweck im religiösen Bereich. Die entsprechenden Schächte der unteren Kammer enden im Mauerwerk.
Wie es ist, dort zu stehen
Bleibt die Frage, wie es ist, dort zu stehen. Der Weg zur Königskammer ist kurz, aber nicht bequem.
Nach dem Einbruchsstollen an der Nordseite folgt ein aufsteigender Gang von rund einem Meter Höhe, in dem erwachsene Menschen gebückt gehen. Danach öffnet sich die Große Galerie, in der man wieder aufrecht steht. Am oberen Ende geht es erneut gebückt durch eine niedrige Kammer mit Granitblöcken, und dann steht man im Raum. Für den gesamten Weg hin und zurück sollten Sie etwa eine halbe Stunde einplanen.
Drinnen ist es warm und stickig, es riecht nach Stein und nach Menschen, und der Raum ist selten leer. Die Beleuchtung ist funktional. Fotografieren ist je nach aktueller Regelung eingeschränkt. Was bleibt, ist keine optische, sondern eine körperliche Erfahrung: das Bewusstsein, dass über dieser Decke fünfzig Meter Stein stehen und darüber noch einmal achtzig.
Für einige Menschen ist der Weg nicht geeignet, und das sollte man vorher wissen. Der aufsteigende Gang zwingt über rund vierzig Meter in eine gebückte Haltung, es gibt keine Ausweichmöglichkeit und im Gegenverkehr auch kein Umkehren auf halber Strecke. Bei Platzangst, Rückenbeschwerden, Knieproblemen oder Kreislaufschwäche ist davon abzuraten. Barrierefrei ist nichts an dieser Strecke, und Personal, das unterwegs eingreifen könnte, gibt es nicht.
Die Erwartungshaltung entscheidet deshalb über die Zufriedenheit. Wer Bilder sehen will, wird enttäuscht. Wer den Raum als Raum erleben will, bekommt etwas, das kein Foto vermittelt.
Der Zugang unterliegt Auflagen, weil das gesamte Gelände seit 1979 als Welterbe geschützt ist. Die Zahl der Tickets ist täglich begrenzt, und die Verwaltung schließt Innenräume zeitweise für Instandsetzungen.
Häufige Fragen
Wurde in der Cheops-Pyramide eine Mumie gefunden?
Nein. Der Sarkophag war leer, als der Raum erstmals dokumentiert wurde, und es fanden sich weder Beigaben noch Reste einer Bestattung.
Warum ist der Sarkophag ohne Deckel?
Ein Deckel wurde nie gefunden. Vorrichtungen an der Oberkante deuten darauf hin, dass es einen gab.
Wie groß ist die Kammer?
Rund 10,5 mal 5,2 Meter bei knapp 5,8 Metern Höhe, vollständig mit rotem Granit ausgekleidet.
Kann man die Kammer betreten?
Ja, mit einem eigenen Ticket in täglich begrenzter Stückzahl. Der Weg ist eng und ansteigend und dauert hin und zurück etwa eine halbe Stunde.
Was sind die kleinen Öffnungen in den Wänden?
Zwei schmale Schächte, die nach außen führen. Ihr Zweck ist umstritten, die gängige Deutung ist religiös und nicht technisch.

Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy
Wichtig: Das Basisticket deckt das Gelände ab, nicht das Innere der Cheops-Pyramide. Dafür ist ein Zusatzticket nötig.
