Die Mastaba-Gräber von Gizeh

Was wie Schutt aussieht, ist ein Straßenraster. Wer im Osten liegt, wer im Westen, warum die Gräber nummeriert sind und was Sie davon betreten können.

Die Mastaba-Gräber von Gizeh sind der Teil des Geländes, an dem die meisten Besucher vorbeilaufen, weil er auf den ersten Blick nach Schutt aussieht: niedrige rechteckige Steinkästen, halb im Sand, ohne Beschriftung, ohne Eingang.

Aus der Luft sieht dasselbe ganz anders aus. Dann erkennt man Reihen, Fluchten und Abstände, die sich wiederholen, und dazwischen Gassen. Was dort liegt, ist kein gewachsener Friedhof, auf dem über Jahrhunderte irgendwer irgendwo bestattet wurde, sondern eine im Voraus geplante Anlage: standardisierte Grabbauten, in Blöcken angelegt und offenbar zugeteilt.

Das ist der eigentliche Befund dieses Geländes, und er sagt mehr über die Gesellschaft der vierten Dynastie aus als jede Höhenangabe. Wer eine Pyramide baut, braucht eine Verwaltung. Wer ein Gräberfeld in Straßen anlegt und Plätze vergibt, hat eine.

Diese Seite erklärt, wie die Felder aufgebaut sind, wer im Osten und wer im Westen liegt, woher die Nummern stammen, die an vielen Gräbern stehen, und was Sie davon tatsächlich betreten können. Die Antwort auf die letzte Frage ist kurz, aber sie lohnt sich.

Die beiden großen Felder

Beide liegen unmittelbar an der Cheops-Pyramide, beide gehören zum normalen Geländeticket, und sie unterscheiden sich nicht im Aussehen, sondern in der Belegung.

FeldLageWer dort liegtWas Sie sehen
Östliches Gräberfeldzwischen Pyramide und dem östlichen Teil des GeländesAngehörige der Königsfamilie, dazu die kleinen KöniginnenpyramidenGrößere, teils in den Fels gearbeitete Anlagen, darunter das einzige verlässlich geöffnete bemalte Grab
Westliches Gräberfeldwestlich der Pyramide, zur Wüste hinBeamte, Priester und Handwerksvorsteher des HofesDas ausgedehntere der beiden Felder, in klaren Reihen, mit Gassen dazwischen
Östliches Gräberfeld
Lage
zwischen Pyramide und dem östlichen Teil des Geländes
Wer dort liegt
Angehörige der Königsfamilie, dazu die kleinen Königinnenpyramiden
Was Sie sehen
Größere, teils in den Fels gearbeitete Anlagen, darunter das einzige verlässlich geöffnete bemalte Grab
Westliches Gräberfeld
Lage
westlich der Pyramide, zur Wüste hin
Wer dort liegt
Beamte, Priester und Handwerksvorsteher des Hofes
Was Sie sehen
Das ausgedehntere der beiden Felder, in klaren Reihen, mit Gassen dazwischen

Beide Felder sind im Basiseintritt enthalten. Einzelne Grabkammern haben eigene kleine Tickets und wechselnde Öffnungszeiten.

Im Osten die Familie, im Westen der Apparat

Die Aufteilung folgt einer Logik, die sich vor Ort ablesen lässt, sobald man sie kennt.

Im Osten liegt die Familie. Dort stehen die kleinen Pyramiden der Königinnen, dort liegen Söhne, Töchter und Enkel des Bauherrn, und dort befindet sich auch das Felsgrab der Meresanch III., das eine eigene Seite hat, weil es das einzige ist, dessen Bemalung vollständig erhalten und regelmäßig zugänglich ist.

Im Westen liegt der Apparat. Beamte, Priester, Vorsteher von Werkstätten und Verwaltungen, also die Leute, die den Bau und den späteren Totenkult organisierten. Ihre Gräber sind kleiner, dafür sind es sehr viele, und sie stehen in Reihen wie Häuser an einer Straße.

Dieses Prinzip hat einen Fachbegriff, der aus den Grabungsberichten stammt: Kerngräberfelder. Gemeint sind Gruppen weitgehend gleich gebauter Mastabas, die als Einheit angelegt und dann vergeben wurden. Man hat also nicht auf einen Todesfall gewartet und dann gebaut, sondern vorgebaut und zugeteilt. Zwischen den Blöcken liegen ausgesparte Gassen, die in den Grabungsunterlagen ausdrücklich als Straßen geführt werden.

Was in diesen Gräbern zu sehen wäre, unterscheidet sich dabei grundlegend von dem, was die Pyramiden bieten. In den Kammern der Beamten stehen keine leeren Steinräume, sondern Wände mit Darstellungen des Alltags: Feldarbeit, Handwerk, Viehzucht, Vorratshaltung, dazu die Namen und Titel der Bestatteten. Alles, was wir über die Organisation dieser Gesellschaft wissen, stammt zu einem erheblichen Teil aus solchen Kammern und nicht aus den Königsbauten. Die Pyramiden zeigen, was möglich war; die Mastabas zeigen, wer es möglich machte.

Wer das weiß, sieht beim Gang durch das Westfeld nicht mehr Trümmer, sondern einen Grundriss. Und er sieht, dass die Nachbarschaft zur Pyramide eine Rangfrage war: Je näher am König, desto näher am Zentrum der Anlage.

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Halbtagestour mit Zeit für die Felder

★ 4,7(125 Bewertungen)
  • Die Gräberfelder sind nicht beschildert; ohne Erklärung bleiben sie eine Ansammlung von Steinkästen
  • Der Eintritt auf das Gelände ist enthalten, ebenso die Abholung an der Unterkunft
  • Rund vier Stunden, deutschsprachige Führung möglich, Innenbesichtigung als Zubuchung
  • Die Tickets für einzelne Grabkammern sind nicht enthalten und werden am Eingang gekauft
Reihen niedriger Mastabagräber im Westfriedhof mit Gassen dazwischen
Aus Augenhöhe Steinkästen, von oben ein Raster: Die Felder wurden als Einheit geplant und dann vergeben.

Die Nummern sind Adressen

Die Nummern, die an vielen Gräbern stehen, sind kein Museumsdekor, sondern die Adressen dieses Rasters, und sie haben eine Vorgeschichte, die man kennen sollte.

Um 1900 galten die drei großen Pyramiden als weitgehend abgesucht. Als aussichtsreich galten stattdessen die Gräberfelder. Die ägyptische Altertümerverwaltung vergab daraufhin im Jahr 1902 Grabungskonzessionen an drei Missionen: an den Italiener Ernesto Schiaparelli, an den Deutschen Georg Steindorff und an den Amerikaner George Reisner. Wie das Gelände unter ihnen aufgeteilt wurde, entschied eine Zusammenkunft im Mena House, dem Hotel am Fuß des Plateaus, das bis heute steht.

Reisner selbst hält den Verlauf in der Einleitung seines Grabungswerks fest. Aus dieser Aufteilung stammt die Nummerierung, mit der bis heute gearbeitet wird: G 1000 und G 2000 im Westfeld, G 7000 im Ostfeld, jeweils mit fortlaufenden Nummern für die einzelnen Anlagen. Wenn Sie also auf einem Stein die Aufschrift G 7530 sehen, sehen Sie keine antike Inschrift, sondern eine Katalognummer aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert.

Praktisch ist das mehr als eine Fußnote. Diese Nummern sind der Schlüssel zu allem, was über ein einzelnes Grab veröffentlicht wurde. Wer sich für eine bestimmte Anlage interessiert, findet unter ihrer Nummer Grabungstagebücher, Pläne und Fundlisten, und zwar frei zugänglich im Archiv der Harvard University, bis hin zu einzelnen Tagebuchseiten mit Datum.

Aus dem Ostfeld stammt dabei der rätselhafteste Fund des ganzen Plateaus. Reisners Mannschaft stieß dort in den 1920er Jahren auf einen versiegelten Schacht, in dem die Grabausstattung einer Königin lag, vollständig und ungestört: vergoldete Möbel, ein Tragsessel, ein Bett, Schmuck. Der Sarkophag darin war verschlossen, und als er geöffnet wurde, war er leer. Wie das zusammengeht, ist bis heute nicht abschließend geklärt und gehört zu den bekanntesten offenen Fragen der Gizeh-Forschung.

Die Ausgrabungen der von mir geleiteten Expedition wurden in der Konzession durchgeführt, die mir 1902 erteilt wurde, sowie in der Konzession Schiaparellis, die 1906 auf mich überging.
George A. Reisner, Vorwort zum ersten Band seines Grabungswerks zur Nekropole (aus dem Englischen übersetzt)

Was Sie davon betreten können

Bleibt die Frage, was Sie davon betreten können, und hier ist die Auskunft ehrlicherweise dünn.

Die allermeisten Mastabas sind verschlossen. Ihre Kammern sind konservatorisch empfindlich, viele Schächte sind unsicher, und für Besucher geöffnet ist stets nur eine kleine Auswahl, die wechselt. Welche Gräber an einem bestimmten Tag zugänglich sind, wechselt ohne erkennbaren Turnus, und verlässlich erfahren Sie es nur am Ticketschalter.

Immerhin lässt sich sagen, aus welchem Kreis diese Auswahl stammt. Wiederkehrend genannt werden die besser erhaltenen Anlagen des Ostfelds und einige im Westfeld: Iymery, Qar, Idu, Chufuchaf, Nefermaat, Seneferuchaef und Seschemnefer IV. Sie sind, wenn sie offen sind, im allgemeinen Ticket enthalten. Nach übereinstimmenden Besucherberichten sind etwa drei davon gleichzeitig zugänglich, ohne erkennbaren Turnus, am häufigsten Qar. Dass ausgerechnet Qar und das benachbarte Idu oft offen stehen, hat einen nachvollziehbaren Grund: Beide wurden 2020 umfassend konserviert.

Diese Namen sind zum Nachfragen gedacht und nicht als Zusage. Keines dieser Gräber darf man fest einplanen, und wer mit einer Liste anreist, wird an den meisten Türen vorbeigehen.

Was sich verlässlich lohnt

Verlässlich lohnend ist eines: das Grab der Meresanch III. im Ostfeld. Die Egypt Exploration Society beschreibt es als das umfangreichste der zugänglichen Gräber, es kostet ein kleines eigenes Ticket, und es hat als einziges vollständig erhaltene Bemalung. Wenn Sie nur ein Grab betreten, dann dieses.

Eine Falle gehört noch dazu, und sie steht in keinem Reiseführer. Der Arbeiterfriedhof am Südrand ist nicht im Geländeticket enthalten, sondern hat ein eigenes, und die Preisliste des Ministeriums versieht diese Zeile mit einer Bedingung, die alles ändert: Es werden mindestens fünf Tickets auf einmal verkauft. Ein Paar kann dieses Ticket also gar nicht erwerben, und eine Familie zu dritt ebenso wenig, jedenfalls nicht, ohne für fünf zu zahlen. Das ist keine Preisfrage, sondern eine Zugangsregel, und sie erklärt, warum dieser Teil des Geländes so leer ist.

Für alle anderen gilt: Der Wert liegt im Gehen, nicht im Hineingehen. Die amtliche Übersicht zum Gelände führt die Felder nicht als eigene Attraktion, was erklärt, warum kaum jemand gezielt hingeht. Nehmen Sie sich zwanzig Minuten für eine Gasse im Westfeld, schauen Sie auf die Fluchten und auf die Abstände, und vergleichen Sie die Größe der Anlagen mit ihrer Entfernung zur Pyramide. Das ist kein Umweg, denn die Felder liegen unmittelbar am Rundweg, und es ist der Teil des Geländes, an dem am wenigsten Menschen sind.

Ein praktischer Hinweis dazu: Schatten gibt es dort nicht, und der Untergrund ist unbefestigt. Legen Sie den Gang durch die Felder deshalb an den frühen Morgen und nicht in die Mittagszeit, in der Sie ohnehin besser im Taltempel oder in einer Grabkammer aufgehoben sind.

Häufige Fragen

Sind die Gräberfelder im Eintritt enthalten?

Ja, beide Felder gehören zum Freigelände. Einzelne Grabkammern haben eigene kleine Tickets.

Kann man in die Mastabas hineingehen?

In die allermeisten nicht. Geöffnet ist eine kleine, wechselnde Auswahl; fragen Sie am Ticketschalter.

Welches Grab lohnt sich am meisten?

Das der Meresanch III. im östlichen Feld. Es hat als einziges vollständig erhaltene Bemalung.

Was bedeuten die Nummern an den Gräbern?

Es sind Katalognummern aus den Grabungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, keine antiken Inschriften.

Wer liegt im Westfeld?

Beamte, Priester und Vorsteher des Hofes. Die Königsfamilie liegt im östlichen Feld.

Wie lange sollte ich einplanen?

Zwanzig Minuten reichen für einen Eindruck. Die Felder liegen unmittelbar am Rundweg.

Stand: August 2026Welche Grabkammern geöffnet sind, wechselt aus konservatorischen Gründen und ist nur vor Ort verlässlich zu erfahren.