Wie viele Pyramiden gibt es in Gizeh? Mehr als drei

Drei große, aber zehn insgesamt. Warum die Zahl davon abhängt, was als Pyramide zählt, wie viele es in Ägypten gibt und welches Land noch mehr davon hat.

Die drei Pyramiden von Gizeh sind das, was jeder kennt, und die Zahl drei ist auch das, was die meisten antworten. Sie ist zu niedrig.

Auf dem Gelände stehen mindestens zehn Pyramiden. Drei große, das stimmt, aber dazu kommen sieben kleinere: drei an der Ostseite des größten Bauwerks, eine winzige an dessen Südostecke und drei an der Südseite des kleinsten. Alle sieben sind echte Pyramiden mit quadratischem Grundriss und geneigten Flächen, nur eben deutlich niedriger.

Der Grund, warum sie in der Zählung fehlen, ist banal: Sie fallen neben ihren Nachbarn nicht auf. Ein Bauwerk von zwanzig oder dreißig Metern Höhe wirkt neben einem von hundertvierzig wie ein Sockel, und auf Fotos verschwinden sie im Vordergrund.

Genau genommen hängt die Antwort davon ab, was man mitzählt. Rechnet man nur die Königsanlagen, sind es drei. Rechnet man alle Bauwerke in Pyramidenform mit, sind es zehn. Rechnet man Bauwerke mit, von denen nur noch Fundamente erhalten sind, wird es unübersichtlich.

Eine Abgrenzung hilft dabei. Nicht mitgezählt werden hier die Mastabas, also die flachen rechteckigen Grabbauten, die das Gelände zu tausenden bedecken. Sie sind Gräber, aber keine Pyramiden, und wer sie mitrechnet, kommt auf Zahlen im vierstelligen Bereich. Ebenfalls nicht mitgezählt werden Bootsgruben, Tempel und die Kultbauten der Nebenanlagen.

Diese Seite gibt die Zahlen für das Plateau, für Ägypten und für die Welt, und sie sagt jeweils dazu, was mitgezählt wurde.

Die Zahlen

Große Königspyramiden in Gizeh
3
Kleinere Pyramiden in Gizeh
7, davon 6 Nebenpyramiden und 1 Kultpyramide
Pyramiden auf dem Plateau insgesamt
mindestens 10
Pyramiden in Ägypten
je nach Zählung 118 bis 138
Pyramiden im Sudan
nach gängigen Zählungen 200 bis 255
Grabbauten anderer Form in Gizeh
über 6.000

Drei große und vier kleine

Die drei großen Pyramiden von Gizeh gehören zu drei Königen, die unmittelbar nacheinander regierten. Sie stehen in einer Reihe von Nordost nach Südwest, und ihre Größe nimmt in dieser Richtung ab.

Zu jeder von ihnen gehörte eine vollständige Anlage mit Tempeln und Aufweg. Zwei der drei bekamen zusätzlich kleinere Pyramiden: An der Ostseite der größten stehen drei, an der Südseite der kleinsten ebenfalls drei. Die mittlere Anlage hat keine, und warum, ist unbekannt.

Dazu kommt ein siebtes kleines Bauwerk, das erst 1993 wieder auftauchte, als eine moderne Straße entfernt wurde. Es handelt sich um eine Kultpyramide an der Südostecke der größten Anlage, ein Nebenbau, der nie für eine Bestattung gedacht war. Erhalten sind Fundamente und ein Abschlussstein.

Die amtliche Übersicht zum Gelände führt entsprechend nur die drei Königsanlagen als eigene Ticketbereiche. Die übrigen Bauwerke liegen im allgemeinen Arealbereich und lassen sich frei umrunden.

Bemerkenswert ist der Größenunterschied. Die Nebenpyramiden an der Ostseite erreichen jeweils grob ein Fünftel der Höhe ihrer großen Nachbarin. Das klingt nach wenig, entspricht aber immer noch einem mehrstöckigen Haus. Frei in der Landschaft stehend wäre jede einzelne von ihnen eine Sehenswürdigkeit; hier wirken sie wie Anbauten, weil daneben das größte Steinbauwerk der Erde steht.

Wer also zählen will, sollte vorher entscheiden, ob es um Königsgräber geht oder um Bauwerke einer bestimmten Form. Beides ist legitim, und beides ergibt eine andere Zahl.

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Halbtagestour zu den Pyramiden von Gizeh und dem Sphinx

★ 4,6(3.680 Bewertungen)
  • Die sieben kleineren Pyramiden liegen am Rundweg und werden von den meisten übersehen
  • Ein lizenzierter Guide ordnet zu, welcher Nebenbau zu welcher Anlage gehört
  • Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn

Alle zehn auf einen Blick

  1. Drei große KönigspyramidenAuf der Diagonale von Nordost nach Südwest
  2. Drei Nebenpyramiden an der OstseiteZur größten Anlage gehörig
  3. Kultpyramide an der SüdosteckeDeutlich kleiner, 1993 wiederentdeckt
  4. Drei Nebenpyramiden an der SüdseiteZur kleinsten Anlage gehörig, zwei davon unfertig
  5. Mittlere AnlageOhne Nebenpyramiden dieser Art

Die Mastabafelder sind nur angedeutet. Sie enthalten über 6.000 Grabbauten, aber keine Pyramiden.

Für ganz Ägypten ist es eine Definitionsfrage

Für Ägypten insgesamt wird die Sache unübersichtlich, und der Grund ist keine Wissenslücke, sondern eine Definitionsfrage.

Die kursierenden Zahlen liegen zwischen 118 und 138. Der Unterschied entsteht nicht dadurch, dass jemand zwanzig Bauwerke übersehen hätte, sondern dadurch, dass unterschiedlich gezählt wird. Strittig sind vor allem drei Gruppen: Pyramiden aus Lehmziegeln, die nur noch als Hügel erhalten sind, kleine Nebenpyramiden von Königinnen, und Bauwerke, von denen lediglich ein Fundament oder eine Grabkammer übrig ist.

Dazu kommt, dass die Zahl nicht feststeht. Es werden weiterhin Anlagen gefunden, teils bei regulären Grabungen, teils über Auffälligkeiten in Satellitenaufnahmen, die anschließend im Gelände überprüft werden. Eine Zahl, die heute stimmt, kann in fünf Jahren zu niedrig sein.

Wer eine belastbare Auskunft geben will, sagt deshalb besser: rund einhundertzwanzig bis einhundertvierzig, mit steigender Tendenz und je nach Zählweise. Das digitale Grabungsarchiv zum Plateau zeigt an einem einzelnen Gelände, wie viel Dokumentationsarbeit hinter jeder einzelnen dieser Zahlen steckt.

Ein Beispiel für die Definitionsfrage liefert das Plateau selbst. Zwei der sieben kleineren Bauwerke wurden nie fertiggestellt und blieben Stufenbauten aus wenigen Lagen Mauerwerk. Ist ein Stufenbau, der als echte Pyramide geplant war, eine Pyramide? Wer nach dem Plan zählt, sagt ja. Wer nach dem heutigen Zustand zählt, sagt nein. Beide Antworten sind vertretbar, und genau solche Fälle machen die ägyptische Gesamtzahl unscharf.

Für Gizeh selbst ist die Lage übersichtlicher, weil das Gelände seit über hundert Jahren systematisch untersucht wird. Hier kommen keine Pyramiden mehr hinzu.

Drei kleine Nebenpyramiden vor der großen Pyramide
Diese drei stehen auf fast jedem Foto mit im Bild und werden trotzdem selten mitgezählt.

Die meisten Pyramiden stehen im Sudan

Und jetzt die Antwort, die fast niemand erwartet: Das Land mit den meisten Pyramiden ist nicht Ägypten.

Im heutigen Sudan, südlich der ägyptischen Grenze, stehen nach gängigen Zählungen zwischen zweihundert und zweihundertfünfzig Pyramiden, also etwa doppelt so viele wie in Ägypten. Sie verteilen sich auf mehrere Fundplätze, allein an einem davon stehen rund hundert.

Errichtet wurden sie vom Reich von Kusch, ab dem dritten Jahrhundert vor Christus, also mehr als zweitausend Jahre nach den Bauwerken in Gizeh. Es handelt sich nicht um Nachahmungen im oberflächlichen Sinn, sondern um eine eigenständige Weiterentwicklung derselben Grabidee in einer Kultur, die lange in engem Austausch mit Ägypten stand.

Sie sehen allerdings anders aus. Die Bauwerke sind erheblich kleiner, mit Grundseiten von wenigen Metern bis etwa dreißig, und sie sind deutlich steiler: Die Flanken steigen mit rund siebzig Grad an, gegenüber gut fünfzig in Gizeh. Aus der Ferne wirken sie wie eine Ansammlung spitzer Zelte aus Stein.

Auch die Nutzung unterschied sich. Die Bauwerke in Kusch dienten über Jahrhunderte als Königs- und Königinnengräber, und weil sie kleiner waren, konnten sehr viel mehr davon errichtet werden. Wo Ägypten in wenigen Generationen drei gewaltige Anlagen hinstellte, entstand dort über etwa tausend Jahre hinweg ein ganzes Feld bescheidener Bauwerke. Es ist derselbe Gedanke in einer völlig anderen Größenordnung.

Bekannt sind sie kaum, und das hat wenig mit ihrer Bedeutung zu tun. Die Fundplätze liegen abgelegen, und der Reiseverkehr in diese Region ist seit Jahren kaum möglich.

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Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy

Alle zehn Pyramiden des Plateaus liegen im normalen Ticketbereich und lassen sich frei umrunden. Nur das Innere der drei großen kostet extra.

ab 14 €
Ansehen
Zwei unfertige Stufenpyramiden neben der kleinsten Pyramide von Gizeh
Zwei der sieben kleinen: unfertig geblieben, deshalb noch als Stufenbau erkennbar.

Warum sich die Zahl drei festgesetzt hat

Bleibt die Frage, warum sich die Zahl drei so festgesetzt hat, und darauf gibt es eine gute Antwort.

Sie stammt vom Bild, nicht vom Befund. Die klassische Ansicht des Plateaus, von Südwesten aufgenommen, zeigt drei Bauwerke gestaffelt hintereinander, und die kleineren verschwinden dabei entweder hinter den großen oder gehen im Vordergrund unter. Dieses eine Bild prägt die Vorstellung, und es ist über hundert Jahre alt.

Dazu kommt die Erzählung. Drei Bauwerke, drei Könige, drei Generationen: Das ist eine Struktur, die sich merken lässt. Zehn Pyramiden mit unterschiedlichen Funktionen und teils ungeklärter Zuordnung sind schwerer zu erzählen und passen in keine Bildunterschrift.

Eine dritte Ursache ist praktischer Natur. Reiseprogramme sind auf Zeit gebaut, und drei Bauwerke plus Sphinx füllen einen Vormittag. Die Nebenpyramiden liegen zwar am Weg, bieten aber keinen Innenraum, keine Beschilderung und keinen Aussichtspunkt, und werden deshalb bei geführten Rundgängen regelmäßig übergangen. Wer sie sehen will, muss selbst stehen bleiben.

Für einen Besuch lohnt es sich trotzdem, die kleineren mitzunehmen. Sie liegen ohnehin am Weg, sie kosten nichts extra, und an den unfertigen unter ihnen ist ablesbar, wie eine Pyramide vor der Verkleidung aussah. Wer wissen will, was unter der Haut der großen Bauwerke steckt, findet die Antwort an den kleinen.

Am lohnendsten ist dabei ein Umweg von wenigen Minuten. Von der Ostseite der größten Pyramide bis zu den drei Nebenbauten sind es kaum hundert Meter, und von dort führt der Weg ohnehin weiter zum Sphinx. Wer diese Strecke geht statt sie mit dem Elektrobus abzukürzen, hat die drei kleinen Bauwerke gesehen, ohne einen einzigen Umweg gemacht zu haben.

Geschützt sind sie alle gleichermaßen: Die Welterbeeintragung von 1979 umfasst die gesamte Landschaft von Gizeh bis Dahschur, nicht einzelne Bauwerke.

Häufige Fragen

Wie viele Pyramiden stehen auf dem Plateau?

Mindestens zehn: drei große Königspyramiden, sechs kleinere Nebenpyramiden und eine Kultpyramide. Dazu kommen über 6.000 Grabbauten anderer Form.

Warum spricht man immer von dreien?

Weil nur die drei Königsanlagen groß genug sind, um das Bild zu prägen. Die übrigen verschwinden auf Fotos neben ihnen.

Wie viele Pyramiden gibt es in Ägypten?

Je nach Zählweise 118 bis 138. Der Unterschied entsteht durch strittige Fälle wie Lehmziegelbauten und Anlagen, von denen nur Fundamente erhalten sind.

Welches Land hat die meisten Pyramiden?

Der Sudan, mit nach gängigen Zählungen 200 bis 255. Sie sind kleiner und deutlich steiler als die ägyptischen und über zweitausend Jahre jünger.

Kommen noch neue dazu?

In Ägypten ja, durch Grabungen und durch Auffälligkeiten in Satellitenaufnahmen. In Gizeh selbst ist der Bestand seit Langem vollständig erfasst.

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Tagestour zum Großen Ägyptischen Museum und zum Plateau

★ 4,7(4.062 Bewertungen)
  • Im Museum ist die Entwicklung der Bauform von der Stufenpyramide bis Gizeh nachvollziehbar
  • Plateau und Museum an einem Tag, ohne zwei Anfahrten selbst zu organisieren
  • Eintritte, deutschsprachige Führung, Abholung und Mittagessen sind enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn