Trinkgeld und Bakschisch in Gizeh

Was Deutsche in Trinkgeld, Almosen und Schmiergeld trennen, fasst ein arabisches Wort zusammen. Daher die Verwirrung, und daher auch die Lösung.

Trinkgeld und Bakschisch in Gizeh sind für deutschsprachige Reisende deshalb so verwirrend, weil hier ein einziges Wort drei Dinge zusammenfasst, die das Deutsche sorgfältig auseinanderhält.

Bakschisch bedeutet Trinkgeld für eine Dienstleistung. Es bedeutet auch Almosen, also eine Gabe an jemanden, der nichts dafür tut, was im islamischen Kontext eine Tugend und keine Peinlichkeit ist. Und es bedeutet drittens die kleine Zahlung, die einen Vorgang beschleunigt oder eine Ausnahme ermöglicht, also das, was wir Schmiergeld nennen würden.

Wer nur die deutsche Aufteilung im Kopf hat, versucht ständig zu entscheiden, in welche Schublade eine Situation gehört, und ärgert sich, wenn keine passt. Die Erleichterung besteht darin, das aufzugeben und stattdessen zu fragen: Welche der drei Bedeutungen ist hier gemeint, und wie antworte ich darauf?

Diese Seite erklärt deshalb erst die drei Bedeutungen, dann, wer im Ablauf eines Besuchstags üblicherweise etwas bekommt, dann die Mechanik der Übergabe, und schließlich, wann ein freundliches Nein die richtige Antwort ist.

Drei Bedeutungen eines Wortes

Der Begriff stammt aus dem Persischen und ist im gesamten Nahen Osten verbreitet. Eine wissenschaftliche Darstellung informeller Praktiken beschreibt ihn als Sammelbegriff für Gabe, Trinkgeld und Bestechung zugleich und ordnet ihn zwischen beiden Polen ein.

Die erste Bedeutung ist die unproblematische. Wer eine Leistung erbringt, bekommt am Ende etwas obendrauf: der Kellner, der Fahrer, der Gepäckträger, die Aufsicht am Waschraum. Das ist kein Bonus für besondere Freundlichkeit, sondern ein fest eingeplanter Teil des Einkommens in einem Land, in dem die Grundlöhne in diesen Berufen niedrig sind.

Die zweite Bedeutung hat mit Dienstleistung nichts zu tun. Almosengeben gehört zu den Grundpflichten im Islam, und eine Bitte um eine Gabe ist deshalb nicht ehrenrührig. Sie richtet sich an Sie, weil Sie erkennbar mehr haben, und nicht, weil jemand Sie für dumm hält. Ob Sie geben, bleibt Ihnen überlassen; ein freundliches Nein ist eine vollständige Antwort.

Diese zweite Bedeutung erklärt nebenbei etwas, das viele Reisende irritiert: dass eine Bitte um Geld hier ohne die Verlegenheit vorgetragen wird, die man aus Mitteleuropa kennt. Das liegt nicht an Dreistigkeit, sondern daran, dass Geben in diesem Rahmen als tugendhaft gilt und Bitten deshalb nicht als Erniedrigung. Wer das weiß, empfindet die Situation als weniger unangenehm, und zwar unabhängig davon, ob er gibt.

Die dritte Bedeutung ist die, bei der Vorsicht angebracht ist. Wenn jemand anbietet, gegen einen kleinen Betrag eine Absperrung zu öffnen, eine Warteschlange abzukürzen oder Sie an einen Ort zu lassen, der geschlossen ist, dann kaufen Sie keine Leistung, sondern eine Regelverletzung. Das kann teuer werden und im ungünstigen Fall unangenehm enden.

GetYourGuide

Geführter Tag, an dem jemand die Gepflogenheiten kennt

★ 4,8(15 Bewertungen)
  • Mit Begleitung stellt sich die Frage seltener, weil der Guide die üblichen Übergaben übernimmt und einordnet
  • Sechs Stunden mit deutschsprachiger Führung, Abholung, Plateau-Eintritt und Mittagessen nach Anbieterangabe enthalten
  • Der Zutritt zum Inneren der Pyramiden ist bei diesem Angebot ausdrücklich nicht enthalten
  • Für den Guide selbst ist am Ende ein Trinkgeld üblich, und das ist im Preis nicht enthalten
Kleine ägyptische Geldscheine, gefaltet in einer Hand
Die praktische Voraussetzung für alles Weitere: viele kleine Scheine, getrennt vom übrigen Geld.

Wer im Ablauf eines Besuchstags etwas bekommt

Grobe Orientierung. Die rechte Spalte nennt, welche der drei Bedeutungen gemeint ist.

SituationÜblich?Welche Bedeutung
Fahrer für die Anfahrtja, am Ende der FahrtTrinkgeld für eine Leistung
Aufsicht am Waschraumja, jedes MalTrinkgeld, faktisch das Einkommen der Stelle
Bedienung in einem Lokalja, wenn nichts aufgeschlagen wurdeTrinkgeld
Guide am Ende einer Führungja, wenn Sie zufrieden warenTrinkgeld
Jemand, der ungefragt fotografiert oder erklärtnein, wenn Sie nicht darum gebeten habenForderung, kein Trinkgeld
Angebot, eine Absperrung zu öffnenneindie dritte Bedeutung, besser ablehnen
Fahrer für die Anfahrt
Üblich?
ja, am Ende der Fahrt
Welche Bedeutung
Trinkgeld für eine Leistung
Aufsicht am Waschraum
Üblich?
ja, jedes Mal
Welche Bedeutung
Trinkgeld, faktisch das Einkommen der Stelle
Bedienung in einem Lokal
Üblich?
ja, wenn nichts aufgeschlagen wurde
Welche Bedeutung
Trinkgeld
Guide am Ende einer Führung
Üblich?
ja, wenn Sie zufrieden waren
Welche Bedeutung
Trinkgeld
Jemand, der ungefragt fotografiert oder erklärt
Üblich?
nein, wenn Sie nicht darum gebeten haben
Welche Bedeutung
Forderung, kein Trinkgeld
Angebot, eine Absperrung zu öffnen
Üblich?
nein
Welche Bedeutung
die dritte Bedeutung, besser ablehnen

Die Größenordnungen sind bewusst nicht beziffert, weil sie mit der Inflation wandern. Maßgeblich ist die Stückelung, nicht der Betrag.

Die Mechanik der Übergabe

Zur Mechanik, denn daran scheitert es häufiger als am Betrag.

Sie brauchen viele kleine Scheine, und Sie brauchen sie getrennt vom übrigen Geld. Wer für ein Trinkgeld die Brieftasche öffnet und einen Stapel großer Scheine sichtbar werden lässt, verhandelt ab diesem Moment anders. Eine kleine Menge in der Hosentasche, der Rest woanders: Das ist die halbe Miete.

Gegeben wird am Ende, nicht vorher. Ein im Voraus gegebenes Trinkgeld ist kein Trinkgeld, sondern eine Anzahlung, und es verbessert die Leistung nicht. Die Ausnahme ist die Aufsicht am Waschraum, wo der Betrag beim Hinausgehen übergeben wird und die Reihenfolge keine Rolle spielt.

Zur Höhe lässt sich sagen, was sich sagen lässt: Es geht um kleine Beträge. Absolute Zahlen stehen hier nicht, weil sie durch die Inflation der letzten Jahre schneller veralten, als ein Reisetext gepflegt werden kann. Ein brauchbarer Maßstab ist stattdessen: deutlich weniger als ein Getränk kostet, und bei einer Führung über mehrere Stunden entsprechend mehr.

Praktisch bewährt hat sich, das Kleingeld vor dem Betreten des Geländes zu sortieren. Ein paar Scheine in die rechte Hosentasche für die laufenden Kleinigkeiten, der Rest in die Tasche oder den Rucksack. Wer im Moment der Übergabe nicht suchen muss, wirkt souverän, und die ganze Situation dauert drei Sekunden statt einer halben Minute.

Und eine Beobachtung, die den Ton betrifft. Die Übergabe ist ein freundlicher Vorgang und kein Handel. Ein Blick, ein Dankeschön, der Schein in die Hand, fertig. Wer dabei zögert, zählt oder das Gesicht verzieht, macht aus einer Selbstverständlichkeit eine Szene.

Wie sagt man Nein?

Bleibt die Frage, die den meisten am unangenehmsten ist: Wie sagt man Nein?

Kürzer und freundlicher, als die meisten denken. Ein Lächeln, ein bestimmtes „la, schukran“, also nein danke, und weitergehen. Nicht stehen bleiben, nicht erklären, nicht diskutieren. Eine Begründung lädt zu einer Erwiderung ein, und genau darauf ist ein Gespräch, das mit einer Forderung beginnt, aufgebaut.

Nützlich ist dabei zu wissen, dass sich die Lage am Gelände verändert hat. Die Neuordnung des Besucherbetriebs hatte ausdrücklich auch das Ziel, den Verkauf und die Ansprache auf dem Gelände zu ordnen. Wer ältere Berichte liest, in denen von durchgehender Bedrängung die Rede ist, liest über einen Zustand, an dem gearbeitet wurde.

Nein ist besonders dann richtig, wenn Sie nicht um etwas gebeten haben. Wer Ihnen ungefragt das Telefon aus der Hand nimmt, um ein Bild zu machen, wer neben Ihnen herläuft und erklärt, oder wer Ihnen etwas in die Hand drückt und es dann bezahlt haben will, erbringt keine Leistung, sondern schafft eine Verpflichtung. Das ist kein Trinkgeldfall, und es hat mit den ersten beiden Bedeutungen nichts zu tun.

Und wenn Sie schlicht nichts Kleines dabeihaben? Dann sagen Sie das, freundlich und ohne Umstände. Niemand erwartet, dass Sie einen großen Schein hergeben, und die Vorstellung, man müsse sich mit Geld aus einer peinlichen Lage kaufen, führt regelmäßig dazu, dass Reisende ein Vielfaches des Üblichen zahlen. Ein ehrliches Bedauern ist eine bessere Antwort als ein überhöhter Betrag.

Umgekehrt gilt: Wer tatsächlich etwas für Sie getan hat, bekommt etwas, auch wenn es klein ist. Das gehört zur Fairness an einem Ort, an dem die Abwertung der Währung die Kaufkraft der Menschen erheblich gesenkt hat und Ihre Reise dadurch günstiger geworden ist.

Wenn Sie beides beherzigen, das Nein bei ungefragten Angeboten und das selbstverständliche Ja bei erbrachten Leistungen, sind Sie durch. Der Rest ist Kleingeld in der richtigen Tasche.

Zwei Wörter, die den Unterschied machen

Schukran heißt danke und beendet eine Übergabe freundlich. La, schukran heißt nein danke und beendet ein Angebot ebenso freundlich. Beide werden verstanden, beide klingen aus dem Mund von Reisenden nicht albern, und beide ersparen längere Gespräche als jede deutsche oder englische Formulierung. Mehr Arabisch braucht es für dieses Thema nicht.

Häufige Fragen

Was bedeutet Bakschisch genau?

Der Begriff umfasst drei Dinge: Trinkgeld für eine Leistung, Almosen ohne Gegenleistung und die kleine Zahlung, die eine Ausnahme erkauft. Im Deutschen sind das drei verschiedene Wörter.

Wie viel gibt man?

Kleine Beträge, deutlich weniger als ein Getränk kostet, bei einer mehrstündigen Führung entsprechend mehr. Absolute Zahlen veralten hier schnell.

Wann gebe ich?

Am Ende einer Leistung. Vorauszahlen verbessert nichts. Am Waschraum wird beim Hinausgehen übergeben.

Muss ich der Aufsicht am Waschraum etwas geben?

Es ist üblich und faktisch das Einkommen dieser Stelle. Halten Sie dafür kleine Scheine bereit.

Wie lehne ich höflich ab?

Freundlich, kurz, ohne Begründung und im Weitergehen. Eine Erklärung verlängert das Gespräch, statt es zu beenden.

Was ist mit Angeboten, eine Absperrung zu öffnen?

Ablehnen. Das ist die dritte Bedeutung des Begriffs, und Sie kaufen damit keine Leistung, sondern eine Regelverletzung.

Stand: August 2026Übliche Beträge verschieben sich mit der Inflation und sind hier deshalb nicht beziffert. Die Gepflogenheiten selbst sind stabil.