Der Taltempel des Chephren

Granitpfeiler, Alabasterboden, Schatten: Der besterhaltene Bau des Alten Reichs am Plateau kostet nichts extra und wird von den meisten Besuchern übersehen.

Der Taltempel des Chephren steht unmittelbar neben dem Sphinx, ist im normalen Geländeticket enthalten und wird von der Mehrheit der Besucher übersehen. Von außen sieht er aus wie eine Mauer, und genau das ist der Grund.

Wer hineingeht, steht in einem Raum, für den es auf dem Plateau nichts Vergleichbares gibt: mannshohe polierte Granitpfeiler, ein Boden aus Alabaster, glatte Wände ohne ein einziges Bild, und Schatten. Das Ganze kostet nichts zusätzlich und dauert zehn Minuten.

Die Altertümerverwaltung führt den Tempel als einen der besterhaltenen Bauten des Alten Reiches. Auf dem Gelände weist darauf nichts hin. Es gibt keine Tafel, die erklärt, was das ist, und für die meisten Reisegruppen ist es der Durchgang zum Sphinx und nicht ein Ziel.

Diese Seite erklärt, was Sie dort sehen, warum der Bau so anders aussieht als alles andere, welche Statuen dort einmal standen, und was von den Behauptungen zu halten ist, die sich um dieses Bauwerk ranken wie um kein zweites auf dem Plateau.

Wozu ein Taltempel diente

Zur Funktion zuerst, weil sie den Bau erklärt.

Eine Pyramidenanlage des Alten Reiches besteht nicht nur aus der Pyramide. Sie beginnt unten am Fruchtland mit einem Taltempel, führt über einen ansteigenden gedeckten Aufweg hinauf zum Totentempel am Fuß der Pyramide und endet dort. Der Taltempel war also der Eingang der ganzen Anlage, der Ort, an dem die Prozession ankam. Er lag am Wasser, und die Grenze zwischen Fluss und Wüste verlief damals unmittelbar davor.

Gebaut ist er nach amtlicher Beschreibung aus massiven Kalksteinblöcken, die mit Granit verkleidet sind, mit Böden aus Alabaster und einer weiten Halle mit monolithischen Granitpfeilern. Der Granit stammt aus Assuan, also von tausend Kilometern flussaufwärts, der Alabaster aus Mittelägypten. Was hier steht, ist ein Bauwerk aus importiertem Material.

Erhalten ist das alles ungewöhnlich gut, und dafür gibt es einen unspektakulären Grund: Der Bau lag jahrtausendelang unter Sand. Was verschüttet ist, wird nicht als Steinbruch benutzt, und genau das ist den Verkleidungen der Pyramiden zum Verhängnis geworden. Die amtliche Übersicht zum Gelände führt den Tempel deshalb heute in einem Zustand, den man bei einem viereinhalbtausend Jahre alten Gebäude nicht erwartet.

Und dann fehlt etwas, das man erwartet: Verzierung. Keine Reliefs, keine Inschriften, keine bemalten Wände. Die Wirkung entsteht ausschließlich aus Material, Kantenschärfe und Geometrie. Für moderne Augen sieht das beinahe zeitgenössisch aus, was einer der Gründe ist, warum sich so viele Vermutungen an diesen Bau heften.

Dieselbe amtliche Quelle hält übrigens fest, dass der Sphinx zur Anlage des Chephren gehört, als kolossale Statue neben dessen Taltempel. Wer beides nebeneinander sieht, sieht nicht zwei Sehenswürdigkeiten, sondern zwei Teile desselben Bauprogramms.

GetYourGuide

Der Geländeeintritt, in dem der Tempel schon enthalten ist

★ 4,7(540 Bewertungen)
  • Für den Taltempel brauchen Sie kein zusätzliches Ticket; das Freigelände deckt ihn ab
  • Der Code liegt auf dem Telefon, was am Morgen die Schlange am Schalter erspart
  • Gilt für einen Tag und einen Eintritt; Innenräume der Pyramiden sind nicht enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor dem gewählten Tag
Halle im Taltempel mit hohen polierten Granitpfeilern und Alabasterboden
Polierter Granit, Alabaster am Boden, keine einzige Verzierung. Die Wirkung entsteht aus Material und Kante.

Drei Behauptungen über diesen Bau

  • Falsch

    Der Tempel ist viel älter als die Pyramiden und stammt von einer unbekannten Kultur.

    Der Bau gehört baulich und durch die Funde zur Anlage des Chephren. In ihm wurden Statuen dieses Königs gefunden, teils mit seinem Namen, und er hängt über den Aufweg mit dessen Pyramide zusammen.

  • Falsch

    Die Blöcke sind so groß, dass man sie mit damaligen Mitteln nicht bewegen konnte.

    Groß sind sie, und genau das ist die Leistung. Dieselbe Baustelle bewegte die Granitblöcke der Königskammer über tausend Kilometer flussabwärts und hob sie auf über fünfzig Meter Höhe. Der Taltempel ist dafür kein Sonderfall, sondern ein Beispiel.

  • Teilweise

    Das ist der Sphinx-Tempel.

    Verwechselt wird er ständig, denn direkt daneben liegt tatsächlich ein zweiter Bau, der als Sphinx-Tempel bezeichnet wird. Beide sind benachbart und ähneln sich im Material, gehören aber nicht demselben Zweck.

Die Statuen, die in den Nischen standen

Was heute fehlt, sind die Statuen, und ihre Geschichte erklärt die Nischen in den Wänden.

In der Halle waren symmetrisch angeordnete Nischen ausgespart, in denen Standbilder des Königs standen. Gefunden wurden sie 1860 durch den französischen Ausgräber Auguste Mariette, teils in einem Schacht im Tempel selbst, wohin sie in späterer Zeit geworfen worden waren. Das bekannteste Stück ist eine sitzende Figur des Königs, hinter dessen Kopf ein Falke die Flügel legt, sodass Gott und König in einem Block verschmelzen. Die Verwaltung nennt sie eines der Meisterwerke der ägyptischen Kunst.

Wo diese Statuen heute stehen, ist derzeit unübersichtlich, und das hat mit dem neuen Museum zu tun. Die amtliche Beschreibung nennt das Ägyptische Museum. Der Fundkatalog des Gizeh-Archivs der Harvard University führt dagegen für die meisten Stücke aus diesem Tempel bereits Inventarnummern des Großen Ägyptischen Museums, während die berühmte Sitzfigur weiterhin unter einer Kairoer Nummer geführt wird. Wo die Statuen heute stehen, sollte vor einem Museumsbesuch geprüft werden: Mit der Eröffnung des großen Museums haben zahlreiche Objekte den Standort gewechselt. Wer wegen einer bestimmten Statue reist, sollte das vorher klären statt vor Ort.

Ein Detail an dieser Fundgeschichte lohnt die Erwähnung, weil es etwas über den Umgang mit solchen Anlagen sagt. Die Statuen lagen nicht mehr an ihrem Platz, sondern zusammengeworfen in einem Schacht. Irgendwann nach dem Ende des Kults hat jemand die Halle geräumt und die Bildwerke dort abgelegt, statt sie zu zerstören oder zu verschleppen. Ob das Frömmigkeit war, Ordnungssinn oder schlicht der Wunsch, den Raum anders zu nutzen, weiß niemand. Erhalten geblieben sind sie genau deshalb.

Für den Besuch im Tempel selbst ändert das wenig. Die Nischen sind leer, und man sieht ihnen nicht an, was darin stand. Wer allerdings weiß, dass hier eine Reihe von Königsstatuen im Halbdunkel zwischen Granitpfeilern stand, sieht denselben Raum anders.

Drei Dinge für den Besuch

Praktisch ist der Besuch der einfachste Programmpunkt des ganzen Geländes, wenn man drei Dinge beachtet.

Erstens die Lage. Der Tempel liegt am östlichen Ende des Geländes, unmittelbar neben dem Sphinx und damit in der Nähe des östlichen Tores. Wer die übliche Runde fährt und am Sphinx endet, kommt automatisch daran vorbei. Wer ihn dagegen einplanen will, sollte wissen, dass er auf dem Weg zum Ausgang liegt und nicht mittendrin.

Zweitens der Zeitpunkt. Es ist der einzige größere Innenraum auf dem Freigelände, und er ist beschattet und spürbar kühler als die offene Fläche. Damit ist er der beste Ort für eine Pause an einem heißen Tag, und zwar ohne dass Sie dafür Programm opfern. Legen Sie ihn also bewusst in die Mittagszeit statt an den frühen Morgen.

Drittens die Erwartung. Es gibt hier nichts zu lesen und nichts Buntes zu sehen. Wer mit der Erwartung eines Museums hineingeht, ist in zwei Minuten wieder draußen. Wer sich auf den Raum einlässt, auf die Kanten, das Licht zwischen den Pfeilern und die Stille, bleibt länger. Das ist kein Ort für schnelle Bilder, sondern der ruhigste Platz auf diesem Gelände.

Und ein letzter Hinweis zur Verwechslung: Direkt daneben steht der zweite Bau, den man Sphinx-Tempel nennt. Er ist schlechter erhalten und meist nicht begehbar. Wenn Ihnen jemand erklärt, Sie stünden im Sphinx-Tempel, während Sie zwischen intakten Granitpfeilern stehen, stehen Sie im Taltempel.

Wie Sphinx, Taltempel und Aufweg zusammenhängen

  1. Großer SphinxBlickt nach Osten. Der Bezugspunkt, den jeder findet.
  2. Sphinx-TempelUnmittelbar vor dem Sphinx, schlechter erhalten, meist nicht begehbar.
  3. Taltempel des ChephrenSüdlich daneben. Der Bau mit den Granitpfeilern, im Eintritt enthalten.
  4. AufwegFührt vom Taltempel hinauf zur Chephren-Pyramide. Heute in Teilen sichtbar.
  5. Östliches TorWenige Schritte entfernt. Wer hier hinausgeht, kommt mit demselben Ticket nicht zurück.

Die Nachbarschaft der beiden Tempel ist der Grund für die häufigste Verwechslung am Plateau.

GetYourGuide

Privat geführt, damit der Halt auch stattfindet

In Gruppenprogrammen fällt der Taltempel als Erstes weg, weil er nicht auf der Liste der bekannten Motive steht. Bei einer privat gefahrenen Halbtagestour lässt sich der Halt vorher vereinbaren, und der Eintritt auf das Gelände ist enthalten.

ab 115 €
Ansehen

Häufige Fragen

Kostet der Taltempel extra?

Nein. Er gehört zum Freigelände und ist im normalen Eintritt enthalten.

Wo genau liegt er?

Am östlichen Ende des Geländes, unmittelbar neben dem Sphinx und nahe dem östlichen Tor.

Wie lange braucht man dort?

Zehn bis zwanzig Minuten. Es ist der einzige beschattete Innenraum auf dem Freigelände.

Ist das der Sphinx-Tempel?

Nein. Der steht direkt daneben, ist schlechter erhalten und meist nicht begehbar.

Wo sind die Statuen aus dem Tempel?

In Kairo, teils bereits im neuen Museum. Die Zuordnung ist derzeit im Umbruch und vorher zu prüfen.

Ist der Bau älter als die Pyramiden?

Nein. Er gehört baulich und durch die Funde zur Anlage des Chephren.

Stand: August 2026Die Zuordnung der Statuen zwischen dem Museum am Tahrir-Platz und dem Großen Ägyptischen Museum ändert sich derzeit. Zugänglichkeit einzelner Bereiche kann wechseln.