Das Grab der Meresanch III.

Wenige Schritte von der Cheops-Pyramide liegt das am besten erhaltene begehbare Grab des Plateaus. Kleines Extraticket, bemalte Wände, fast immer leer.

Das Grab der Meresanch III. liegt wenige Schritte östlich der Cheops-Pyramide, kostet ein kleines eigenes Ticket und ist an den meisten Vormittagen fast leer. Wer auf dem Plateau nach dem besten Verhältnis von Aufwand und Ertrag sucht, findet es hier und nicht in einer Pyramide.

Der Grund ist einfach. Die Innenräume der drei großen Bauwerke sind eindrucksvoll, aber sie sind kahl: enge Gänge, glatte Wände, leere Kammern. Wer Farbe sehen will, Hieroglyphen, Menschen bei der Arbeit, findet davon in den Pyramiden nichts. In diesem Grab findet er alles davon, in kräftigen Farben und auf engem Raum.

Es kommt hinzu, dass hier fast niemand hingeht. Das östliche Gräberfeld liegt neben dem Hauptweg, es ist nicht ausgeschildert wie eine Attraktion, und die meisten Besucher laufen daran vorbei, weil sie nicht wissen, dass sie hineindürfen.

Diese Seite erklärt, was dort zu sehen ist, wer die Frau war, für die es gebaut wurde, und was Sie praktisch tun müssen, um hineinzukommen. Eines vorweg, weil es Enttäuschungen erspart: Welche Gräber an einem bestimmten Tag geöffnet sind, wechselt.

Zur Person, und hier lohnt Genauigkeit, weil in Reisetexten mehr behauptet wird, als sich belegen lässt.

Meresanch III. war eine Enkelin des Chufu, des Bauherrn der größten Pyramide. Das ist gesichert. Bei ihrem Ehemann wird es unschärfer: Das Gizeh-Archiv der Harvard University führt sie als Gemahlin entweder des Chafre oder des Mykerinos, also des Bauherrn der zweiten oder der dritten Pyramide. Wo Sie eine eindeutige Zuordnung lesen, lesen Sie eine Vereinfachung.

Ihre Mutter war Hetepheres II., und die spielt in dieser Geschichte eine größere Rolle als der Ehemann. Nach dem Befund gab sie den Bau des Grabes in Auftrag, und sie tritt auf den Wänden mehrfach gemeinsam mit ihrer Tochter auf.

Die Titel, die für Meresanch überliefert sind, geben einen Eindruck von ihrer Stellung. Sie war Königstochter und Königsgemahlin, dazu Priesterin des Thot und der Hathor sowie Trägerin mehrerer Hofämter, die sich nur umständlich übersetzen lassen. Was hier begraben wurde, war keine Randfigur der vierten Dynastie, sondern jemand aus dem Zentrum der Familie, die das Plateau gebaut hat.

GetYourGuide

Geführter Rundgang über das Gelände

★ 4,3(246 Bewertungen)
  • Für bemalte Wände lohnt Begleitung mehr als für blanken Stein, weil die Szenen ohne Erklärung stumm bleiben
  • Der Eintritt auf das Gelände ist enthalten, Abholung und Innenbesichtigung sind Zubuchungen
  • Rund drei Stunden, deutschsprachige Führung möglich
  • Das Ticket für das Grab ist nicht Teil des Angebots und wird vor Ort einzeln gekauft
Bemalte Wand im Grab der Meresanch III. mit Szenen des Alltags in kräftigen Farben
Brot, Bier, Vieh, Metall: Was in den Pyramiden fehlt, steht hier an den Wänden, und die Farben sind original.
Ihre einzigartige unterirdische Kapelle bewahrt hervorragend gearbeitete und bemalte Szenen der Königin und ihrer königlichen Familie sowie von Dienerinnen und Dienern, Handwerkern und Totenpriestern. Die Szenen zeigen auch die Art der reichen Grabbeigaben, die in Meresanchs Grab niedergelegt worden wären: Statuen und feine Möbel, Kästen mit Nahrung, Kleidung und Schmuck, und sogar eine Darstellung des schwarzen Granitsarkophags, der tatsächlich in ihrer Grabkammer gefunden wurde.
Gizeh-Archiv der Harvard University, Eintrag zur Grabanlage G 7530-7540 (aus dem Englischen übersetzt)

Zwei Einzelheiten, die man vor Ort nicht erfährt

Zwei Einzelheiten machen dieses Grab zu mehr als einer schönen Wand, und beide erfährt man vor Ort nicht.

Die erste betrifft den Sarkophag. Er besteht aus schwarzem Granit, ist gut zwei Meter lang und wiegt über vier Tonnen. Auf ihm steht eine nachträglich angebrachte Inschrift, aus der hervorgeht, dass Hetepheres II. ihn ihrer Tochter überließ. Eine Mutter gibt ihrer Tochter den eigenen Sarkophag: Das ist der menschlichste Satz, den dieses Plateau zu bieten hat, und er steht in Stein.

Der Sarkophag selbst ist übrigens nicht mehr in Kairo, wo ihn ältere Bücher verorten. Nach dem Objektnachweis des Archivs gehört er heute zur Sammlung des Großen Ägyptischen Museums. Wer beides sehen will, sieht am Plateau die Kammer und im Museum, was darin stand.

Die zweite Einzelheit ist eine Zahl. Eine Inschrift im Grab hält fest, dass zwischen dem Tod der Königin und ihrer Bestattung 272 Tage lagen. Solche Angaben sind für das Alte Reich außerordentlich selten, und sie sind der Grund, warum dieses Grab in der Fachliteratur häufiger vorkommt als manche Pyramide. Was die lange Frist bedeutet, ist offen: Eine verbreitete Deutung lautet, der Tod sei unerwartet gekommen und das Grab erst danach fertiggestellt worden.

Eine dritte Einzelheit ist weniger spektakulär und für das Verständnis vielleicht die wichtigste: Auf den Wänden ist dargestellt, was ins Grab gelegt werden sollte, und zwar bis hin zum Sarkophag selbst. Die Kammer zeigt also ihre eigene Ausstattung. Für uns ist das eine Bestandsliste aus vierter Hand, gemalt statt geschrieben, und sie erklärt besser als jede Vitrine, wozu solche Gegenstände gedacht waren. Wer sich fragt, warum in den Museen Klapphocker und Vorratsgefäße neben vergoldeten Schreinen stehen, findet hier die Antwort an der Wand.

Und dann sind da die Statuen. In einer Nische an der Nordwand stehen zehn große Frauenfiguren, direkt aus dem anstehenden Fels gehauen. Beschriftet sind sie nicht, weshalb offenbleibt, wen sie darstellen; angenommen wird, dass es Meresanch selbst, ihre Mutter und weitere weibliche Angehörige sind.

Ticket, Öffnung und Zeit

Praktisch ist der Besuch unkompliziert, wenn man drei Dinge weiß.

Erstens das Ticket. Das Grab ist nicht im Eintritt für das Gelände enthalten, sondern kostet eine eigene Gebühr, die am Eingang zu lösen ist und nicht am Grab. Das ist keine Auslegungsfrage: Die amtliche Geländeseite zählt ausdrücklich auf, was das Arealticket nicht abdeckt, und nennt neben den drei Pyramiden und dem Arbeiterfriedhof genau dieses Grab. Gekauft wird am Eingang, nicht am Grab selbst, und das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern: Wer erst davorsteht, muss zurück. Kaufen Sie das Ticket also gleich beim Eintritt mit, auch wenn Sie noch nicht sicher sind, ob Sie hingehen.

Und achten Sie am Schalter auf die Schreibweise. Der Name wird dort nicht in der Form geführt, die auf dieser Seite steht, sondern in einer englischen Umschrift, die auseinandergezogen ist und eher nach zwei Wörtern aussieht. Wer nach „Meresanch“ fragt und nichts findet, sucht nach der falschen Zeichenfolge, nicht nach dem falschen Grab.

Zweitens die Öffnung. Welche Gräber an einem Tag zugänglich sind, wechselt, und das hat einen konservatorischen Grund: Bemalte Wände reagieren empfindlich auf die Feuchtigkeit vieler Atemzüge, weshalb einzelne Anlagen zeitweise geschlossen werden. Eine verlässliche Vorabauskunft gibt es dazu nicht. Fragen Sie beim Ticketkauf, das ist die einzige Stelle, an der die Antwort stimmt.

Für dieses eine Grab stehen die Chancen allerdings besser als für alle anderen, und darin liegt der Grund, warum es überall auftaucht. Es ist das einzige der Anlage, für das ein eigenes Ticket verkauft wird, und seit der Konservierung gilt es als nahezu durchgehend zugänglich. Ein Versprechen ist das nicht, aber ein Unterschied zu den Mastabas nebenan, bei denen die Antwort tatsächlich vom Tag abhängt.

Drittens die Zeit. Die Anlage ist kompakt, aber sie verträgt mehr als einen Rundblick. Zwanzig bis dreißig Minuten sind gut angelegt, und sie fallen bei einer üblichen Runde über das Gelände kaum ins Gewicht, weil das östliche Gräberfeld ohnehin am Weg liegt.

Ein vierter Punkt betrifft die Reihenfolge auf dem Gelände und kostet nichts. Gehen Sie nicht direkt aus der Mittagssonne hinein, sondern legen Sie den Besuch in die Zeit, in der Sie ohnehin am östlichen Teil des Geländes sind. Die Kammern liegen unter der Oberfläche, es ist dort kühler und schattig, und damit ist dieses Grab neben dem Taltempel der zweite Ort auf dem Plateau, an dem sich eine Pause und ein Programmpunkt nicht ausschließen.

Wenn es an einem Tag nicht klappt, gibt es einen Ersatz, der besser ist als sein Ruf. Die Altertümerverwaltung hat gemeinsam mit einem Digitalisierungsprojekt der Harvard University einen begehbaren Rundgang durch genau diese Kammern veröffentlicht, kostenlos und in hoher Auflösung. Er ersetzt den Besuch nicht, aber er zeigt Ihnen vorher, worauf Sie achten sollten.

Lage
östliches Gräberfeld, wenige Schritte von der Cheops-Pyramide
Ticket
eigenes kleines Ticket, am Eingang zu kaufen
Im Geländeeintritt enthalten
nein
Zeitbedarf
zwanzig bis dreißig Minuten
Geöffnet
wechselnd, am Ticketschalter erfragen
Besonderheit
zehn aus dem Fels gehauene Frauenfiguren
GetYourGuide

Der Geländeeintritt als Code auf dem Telefon

Wer selbst hingeht, braucht zuerst den normalen Eintritt; das Grabticket kommt am Schalter dazu und ist hier nicht enthalten. Der Code auf dem Telefon spart die Schlange, in der sonst die Zeit verloren geht, die Sie im Grab verbringen wollten.

ab 14 €
Ansehen

Häufige Fragen

Ist das Grab im Eintritt enthalten?

Nein. Es kostet ein eigenes kleines Ticket, das am Eingang gekauft wird und nicht am Grab selbst.

Wo genau liegt es?

Im östlichen Gräberfeld, wenige Schritte von der Cheops-Pyramide und direkt an der üblichen Runde.

Ist es immer geöffnet?

Nein. Welche Gräber zugänglich sind, wechselt aus konservatorischen Gründen. Fragen Sie beim Ticketkauf.

Lohnt es sich mehr als ein Pyramideninneres?

Wenn Sie Farbe und Darstellungen sehen wollen, ja. Die Pyramideninnenräume sind kahl.

Wessen Frau war Meresanch III.?

Das ist nicht eindeutig geklärt. Das Harvard-Archiv nennt entweder Chafre oder Mykerinos.

Wo ist ihr Sarkophag?

Im Großen Ägyptischen Museum. Ältere Bücher verorten ihn noch im Museum am Tahrir-Platz.

Stand: August 2026Welche Gräber geöffnet sind und was das Zusatzticket kostet, ändert sich. Die Zuordnung der Sammlungsstücke folgt dem Objektnachweis des Harvard-Gizeh-Archivs, Stand August 2026.