Anomalien in der Cheops-Pyramide: was bestätigt ist und was nicht

Zwei Hohlräume sind bestätigt, einer davon per Endoskop gesehen. Was in der Cheops-Pyramide gefunden wurde und welche Meldungen dazu nicht standhielten.

Zu diesem Thema kursieren zwei völlig verschiedene Arten von Meldungen, und sie werden regelmäßig vermischt.

Die eine Art steht in Fachzeitschriften, ist begutachtet und beschreibt zwei Hohlräume, die tatsächlich existieren. Die andere Art steht in Schlagzeilen, beschreibt unterirdische Städte, Schächte von mehreren hundert Metern Tiefe und Säulenhallen, und beruht auf keiner veröffentlichten Messung.

Beide reden über verborgene Kammern in der Cheops-Pyramide, und beide benutzen Wörter wie Scan, Radar und Anomalie. Der Unterschied liegt nicht im Vokabular, sondern darin, ob jemand die Daten offengelegt hat.

Diese Seite trennt das. Zuerst geht es darum, wie man ein Bauwerk aus sechs Millionen Tonnen Stein überhaupt untersucht, ohne es zu beschädigen. Dann um die beiden Befunde, die bestätigt sind. Dann um die Meldungen, die es nicht sind. Und zum Schluss darum, was als Nächstes ansteht.

Vorweg die kurze Antwort für alle, die es eilig haben: Ja, es gibt bislang unbekannte Hohlräume. Nein, es ist bislang niemand darin gewesen, und es ist bislang nichts darin gefunden worden.

Was wann festgestellt wurde

  • 2015

    Start eines internationalen Forschungsprojekts, das das Bauwerk mit Myonenmessung untersucht.

  • 2016

    Erste Auffälligkeit hinter den Sparrensteinen an der Nordseite. Zunächst nur eine Häufung in den Daten.

  • 2017

    Veröffentlichung eines großen Hohlraums über der Großen Galerie in einer begutachteten Zeitschrift.

  • 2023

    Der Gang hinter der Nordseite wird als eigenständiger Befund beschrieben und mit einem Endoskop erstmals gesehen.

  • März 2025

    Meldungen über riesige Anlagen unter dem Nachbarbauwerk verbreiten sich. Fachleute widersprechen, eine Veröffentlichung fehlt bis heute.

  • 2025

    Der Gang an der Nordseite wird mit drei unabhängigen Verfahren bestätigt und vermessen publiziert.

  • November 2025

    Ein prominenter Ausgräber kündigt für 2026 eine Enthüllung an. Eine Veröffentlichung dazu liegt nicht vor.

Röntgen geht nicht, Myonen schon

Bevor es um Befunde geht, muss ein verbreitetes Missverständnis weg: Eine Durchleuchtung der Pyramiden von Gizeh im Sinne einer Röntgenaufnahme gibt es nicht und kann es nicht geben.

Röntgenstrahlung wird von wenigen Zentimetern Gestein vollständig geschluckt. Bei einem Bauwerk, dessen Wandstärken in Zehnermetern gemessen werden, kommt nichts auf der anderen Seite an. Ebenso wenig hilft Lidar an den Pyramiden von Gizeh weiter, obwohl der Begriff oft in diesem Zusammenhang fällt: Lidar tastet Oberflächen mit Laserpulsen ab und erzeugt daraus ein sehr genaues Geländemodell. Durch Stein sieht es nicht. Für die Vermessung der Außenflächen ist es hervorragend, für Hohlräume im Inneren nutzlos.

Was funktioniert, kommt aus dem Weltall. Wenn kosmische Strahlung auf die obere Atmosphäre trifft, entstehen Myonen, schwere Verwandte des Elektrons. Sie regnen ununterbrochen auf die Erdoberfläche, in der Größenordnung von zehntausend Teilchen je Quadratmeter und Minute, und sie durchdringen Gestein. Auf ihrem Weg verlieren sie Energie, und zwar umso mehr, je mehr Material sie passieren.

Damit ergibt sich ein Messprinzip von bestechender Einfachheit. Man stellt Detektoren in bestehende Kammern und Gänge, zählt monatelang, aus welcher Richtung wie viele Myonen ankommen, und vergleicht das mit der Erwartung für massives Mauerwerk. Kommen aus einer Richtung mehr an als erwartet, steckt dort weniger Material. Ein Hohlraum wirft also einen Schatten in umgekehrter Richtung.

Abgesichert wird das durch Vielfalt. Es kommen mehrere Detektorbauarten zum Einsatz, die auf unterschiedlichen physikalischen Prinzipien beruhen: Filme, in denen Teilchenspuren chemisch sichtbar werden, elektronische Zählanordnungen aus Szintillatoren und gasgefüllte Kammern. Sie wurden von verschiedenen Instituten betrieben, unabhängig ausgewertet und erst danach verglichen. Wenn drei Bauarten an drei Standorten dieselbe Auffälligkeit zeigen, ist ein Gerätefehler als Erklärung praktisch ausgeschlossen.

Der Preis dafür ist Zeit. Eine belastbare Messung dauert Monate, und die Auflösung reicht, um einen Raum zu erkennen, nicht um zu sagen, was darin liegt. Genau deshalb sind die Befunde vorsichtig formuliert, und genau deshalb heißen sie Hohlraum und nicht Kammer.

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Geführte Tagestour mit Option auf die Innenbesichtigung

★ 4,8(1.682 Bewertungen)
  • Die Große Galerie ist der Raum, über dem der große Hohlraum liegt
  • Die Innenbesichtigung der Cheops-Pyramide ist als Zubuchung erhältlich
  • Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung, Abholung und Mittagessen sind enthalten
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Die Sparrensteine über dem ursprünglichen Eingang an der Nordseite
Hinter diesen schräg gestellten Blöcken liegt der Gang, der 2025 bestätigt wurde. Von außen sichtbar, von innen unzugänglich.

Zwei Befunde, die die Prüfung bestanden haben

Zwei Befunde haben die Prüfung bestanden, und sie sind sehr unterschiedlich gut verstanden.

Der erste ist ein großer Hohlraum oberhalb der Großen Galerie, veröffentlicht 2017. Die Messungen dreier Detektortypen an verschiedenen Standorten kamen unabhängig voneinander zum selben Ergebnis: Über der Galerie liegt ein Raum von mindestens dreißig Metern Länge. Ob er waagerecht oder schräg verläuft, ob er ein einziger Raum oder eine Kette kleinerer ist, blieb offen. Die Veröffentlichung dazu beschreibt ihn ausdrücklich als Hohlraum ohne Aussage über Funktion oder Inhalt.

Der zweite Befund ist inzwischen der besser belegte. Hinter den schräg gestellten Blöcken über dem ursprünglichen Eingang an der Nordseite liegt ein Gang von rund neun Metern Länge. Er wurde ab 2016 in den Daten sichtbar, 2023 näher beschrieben und 2025 in einer begutachteten Arbeit bestätigt.

Interessant ist, wie diese Bestätigung zustande kam, weil sie zeigt, was ohne Beschädigung möglich ist. Verwendet wurden drei unabhängige Verfahren und deren Bildfusion: Radarmessungen an den Pyramiden von Gizeh in Form von Bodenradar, Ultraschall und elektrische Widerstandstomografie. Alle drei zeichneten denselben Umriss. Zusätzlich wurde ein Endoskop von sechs Millimetern Durchmesser durch eine bestehende Fuge zwischen zwei Blöcken geschoben. Damit wurde der Raum erstmals seit viereinhalbtausend Jahren gesehen.

Was diese Räume sollten, ist damit noch nicht beantwortet. Für den Gang an der Nordseite liegt die nüchterne Deutung nahe: Die schrägen Blöcke darüber leiten Gewicht seitlich ab, und ein Hohlraum dahinter reduziert die Last auf den ursprünglichen Eingang. Für den großen Hohlraum über der Galerie wird Ähnliches vermutet, ergänzt um die Möglichkeit, dass es sich um Reste eines aufgegebenen Bauabschnitts handelt. Beides sind bautechnische Erklärungen, und beide sind unbewiesen. Was feststeht, ist die Existenz, nicht der Zweck.

Was die Kamera zeigte, war unspektakulär und wichtig zugleich: ein leerer Gang mit rohem Boden und einem Kraggewölbe. Keine Beigaben, keine Inschriften, kein Sarkophag.

Die beiden Befunde in Zahlen

Großer Hohlraum, Länge
mindestens 30 m
Großer Hohlraum, Lage
oberhalb der Großen Galerie
Großer Hohlraum, Status
nachgewiesen, nie gesehen
Nordgang, Länge
rund 9 m
Nordgang, Lage
hinter den Sparrensteinen an der Nordseite
Nordgang, Status
bestätigt und per Endoskop gesehen, leer
Messgerät für Myonen in einer Kammer im Inneren der Pyramide
So sieht die Untersuchung aus: Detektoren stehen monatelang still und zählen Teilchen aus dem Weltall.

Die Radarmeldung von 2025

Im März 2025 ging eine ganz andere Meldung um die Welt, und sie ist ein Lehrstück.

Eine Gruppe erklärte, mit Radar aus dem Satelliten unter dem mittleren Bauwerk eine ausgedehnte Anlage gefunden zu haben: mehrere gleichartige Bauten am Fuß, verbunden durch Wege, dazu senkrechte Schächte, die mehrere hundert Meter in die Tiefe reichen sollen. Die Zahlen wurden auf einer Pressekonferenz genannt und verbreiteten sich innerhalb von Tagen über Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke.

Was fehlte, war die Veröffentlichung. Bis heute liegt keine begutachtete Arbeit vor, die diese Ergebnisse belegt, und die verwendete Methode ist für diesen Zweck ungeeignet: Das Verfahren wertet Satellitenradar aus, das die Erdoberfläche abtastet und wenige Meter in trockenen Boden eindringt, nicht mehrere hundert. Unabhängige Prüfungen der Behauptung kamen zu dem Schluss, dass es keine belastbare Grundlage gibt.

Nachtrag vom August 2026: Die Arbeit, in der dieselbe Gruppe ihr Radarverfahren 2022 beschrieben hatte, wurde am 10. August 2026 von der Fachzeitschrift zurückgezogen. Die Redaktion nennt nach einer Prüfung schwerwiegende methodische Mängel und statistische Fehler; die Autoren widersprechen der Entscheidung. Damit fehlt den Behauptungen von 2025 auch die methodische Grundlage, auf die sie sich berufen hatten.

Bemerkenswert ist, wer widersprach. Nicht nur europäische und amerikanische Fachleute, sondern auch die ägyptische Altertumsverwaltung selbst erklärte öffentlich, es gebe für Säulenhallen unter dem mittleren Bauwerk keinerlei wissenschaftliche Grundlage und dort arbeite derzeit auch gar keine Mission.

Warum sich so etwas trotzdem durchsetzt, hat wenig mit Ägypten zu tun. Eine Zahl wie sechshundertachtundvierzig Meter Tiefe klingt präzise und ist deshalb überzeugender als eine vorsichtige Fachformulierung mit Fehlerbereich. Dazu kommt, dass die seriösen Befunde selbst schon erstaunlich sind: Wer gelesen hat, dass 2017 tatsächlich ein unbekannter Hohlraum nachgewiesen wurde, hält die nächste Meldung für plausibel. Die echten Funde machen die falschen glaubwürdig.

Der Fall zeigt das Muster, das bei diesem Thema immer wiederkehrt. Eine Pressekonferenz ersetzt eine Veröffentlichung, eine große Zahl ersetzt eine Fehlerangabe, und die Berichterstattung übernimmt beides ungeprüft. Wer Meldungen zu diesem Bauwerk einordnen will, braucht deshalb nur eine einzige Frage: Wo sind die Daten?

Vier verbreitete Aussagen

  • Stimmt

    In der Cheops-Pyramide wurden unbekannte Hohlräume nachgewiesen.

    Zwei Stück, beide in begutachteten Zeitschriften veröffentlicht, einer davon inzwischen mit einer Kamera gesehen.

  • Falsch

    In den Hohlräumen liegen Schätze oder eine unberührte Bestattung.

    Der eingesehene Gang ist leer. Zum zweiten Hohlraum gibt es keinerlei Aussage über einen Inhalt.

  • Falsch

    Unter dem Gelände liegt eine riesige unterirdische Anlage.

    Die Behauptung von 2025 stützt sich auf keine veröffentlichte Messung, und das genannte Verfahren reicht nicht in diese Tiefen.

  • Falsch

    Die Pyramide wurde geröntgt.

    Röntgenstrahlung dringt nicht durch Meter von Kalkstein. Gearbeitet wird mit Myonen aus der kosmischen Strahlung.

Was als Nächstes angekündigt ist

Bleibt die Frage, wie es weitergeht, und hier ist Vorsicht angebracht.

Im November 2025 kündigte ein prominenter ägyptischer Ausgräber bei einer Buchmesse an, im Jahr 2026 werde eine Entdeckung vorgestellt, die ein neues Kapitel aufschlage. Berichtet wurde von einem Roboter, der am Ende eines Gangs vor einer verschlossenen Steintür stehe. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung dazu gibt es nicht, und die Formulierungen stammen aus einem Vortrag, nicht aus einer Fachzeitschrift.

Das muss nicht falsch sein. Ankündigungen dieser Art haben sich in der Vergangenheit sowohl bestätigt als auch verlaufen. Behandeln Sie es als das, was es ist: eine Absichtserklärung einer einzelnen Person, keine Publikation. Sollte tatsächlich eine Tür geöffnet werden, wird das nicht unbemerkt bleiben.

Realistisch ist eher ein anderes Szenario. Beide bekannten Hohlräume wurden mit zerstörungsfreien Verfahren gefunden, und mit denselben Verfahren lassen sich weitere finden. Der nächste Schritt ist deshalb voraussichtlich nicht eine geöffnete Tür, sondern eine bessere Karte: höhere Auflösung, mehr Messpunkte, präzisere Umrisse.

Für Leserinnen und Leser gibt es dabei ein einfaches Unterscheidungsmerkmal, das ohne Fachkenntnis auskommt. Eine begutachtete Veröffentlichung nennt immer drei Dinge: das verwendete Verfahren, den Fehlerbereich der Messung und die Namen der Institute, die beteiligt waren. Fehlt eines davon, handelt es sich um eine Mitteilung, nicht um ein Ergebnis. Diese Prüfung dauert dreißig Sekunden und filtert den größten Teil der Meldungen zu diesem Bauwerk zuverlässig aus.

Und selbst wenn ein Raum geöffnet würde, wäre die Erwartung zu dämpfen. Das Bauwerk wurde in der Antike ausgeräumt, im Mittelalter aufgebrochen und seither hunderte Male untersucht. Ein unberührter Raum mit Inhalt wäre eine Sensation genau deshalb, weil er allem widerspricht, was bisher gefunden wurde.

Häufige Fragen

Gibt es Kammern unter den Pyramiden von Gizeh?

Unter der Cheops-Pyramide liegt eine unfertige Felsenkammer, die seit langem bekannt und zugänglich dokumentiert ist. Für weitere unterirdische Anlagen gibt es keinen veröffentlichten Nachweis.

Kann man die Hohlräume besichtigen?

Nein. Beide sind von den zugänglichen Gängen aus nicht erreichbar. Der Nordgang wurde nur mit einem sechs Millimeter dünnen Endoskop durch eine Fuge eingesehen.

Warum bohrt man nicht einfach?

Weil das Bauwerk Welterbe ist und jede Bohrung ein irreversibler Eingriff wäre. Zugelassen sind zerstörungsfreie Verfahren und Endoskope durch vorhandene Fugen.

Wie lange dauert so eine Messung?

Monate. Myonen kommen in begrenzter Zahl an, und erst über lange Zeiträume wird ein Unterschied statistisch belastbar.

Wurde in den Hohlräumen etwas gefunden?

Im Nordgang nichts: rohe Wände, ein Kraggewölbe, keine Beigaben. Zum großen Hohlraum gibt es keine Bilder und keine Aussage über den Inhalt.

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Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy

Zu sehen ist von alledem nur eine Stelle: die schrägen Sparrensteine an der Nordseite, hinter denen der bestätigte Gang liegt. Sie liegen im normalen Ticketbereich.

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Stand: August 2026Zu diesem Thema erscheinen laufend Meldungen. Maßgeblich ist, ob eine begutachtete Veröffentlichung vorliegt. Stand dieser Seite ist August 2026.