Was liegt neben den Pyramiden von Gizeh? Die Frage hat eine Antwort, die viele überrascht: weitere Pyramiden, und zwar deutlich mehr, als die drei bekannten vermuten lassen.
Das Gizeh-Plateau ist kein einzelner Ort, sondern ein Abschnitt. Entlang der Wüstenkante westlich des Nils zieht sich ein Gräberfeld über rund dreißig Kilometer, von Abu Roasch im Norden bis Dahschur im Süden. Auf dieser Strecke stehen je nach Zählweise über zwei Dutzend Pyramiden, dazu Tempel, Mastabas und die Reste einer Hauptstadt. Gizeh ist der bekannteste Teil davon, aber weder der älteste noch der besterhaltene.
Das ist keine private Zusammenstellung, sondern die amtliche Sichtweise. Die Welterbestätte heißt nicht Pyramiden von Gizeh, sondern Memphis und seine Nekropole, die Pyramidenfelder von Gizeh bis Dahschur, und sie umfasst seit 1979 genau diesen ganzen Streifen.
Warum die Anlagen überhaupt so verteilt liegen, hat einen Grund, der sich am Gelände selbst nicht erschließt: Jeder Herrscher baute in der Nähe seiner eigenen Residenz, und die verschob sich über die Jahrhunderte entlang des Flusses. Das Gräberfeld ist deshalb keine geplante Anlage, sondern das Ergebnis vieler Einzelentscheidungen über Jahrhunderte hinweg.
Eine naheliegende Annahme geht dabei schief: Die Reihenfolge auf der Karte ist nicht die Reihenfolge in der Zeit. Das älteste große Bauwerk steht in der Mitte des Streifens, in Sakkara. Die beiden unmittelbaren Vorgänger der Gizeh-Pyramiden stehen ganz im Süden, in Dahschur. Und nördlich von Gizeh liegt eine Anlage, die von einem Sohn des Cheops stammt, während südlich davon in Abusir eine ganze Dynastie später gebaut wurde. Wer die Entwicklung sehen will, fährt also nicht die Strecke ab, sondern sucht sich drei Punkte heraus.
Für einen Besuch heißt das zweierlei. Erstens gibt es in Reichweite eines halben Tages mehr zu sehen, als die meisten Reisepläne vorsehen. Und zweitens liegen dort Dinge, die es in Gizeh nicht mehr gibt, allen voran eine glatte Außenhaut.
Das Pyramidenfeld von Norden nach Süden
- Abu RoaschNördlichste Anlage, rund acht Kilometer nördlich von Gizeh, wenig besucht.
- GizehDie drei bekannten Bauwerke, der Sphinx und die Nebenfelder.
- AbusirRund zehn Kilometer südlich, Pyramiden der fünften Dynastie, sehr ruhig.
- SakkaraRund fünfzehn Kilometer südlich, mit der Stufenpyramide des Djoser.
- Memphis und DahschurZwanzig bis dreißig Kilometer südlich, die alte Hauptstadt und zwei begehbare Pyramiden.
Die Entfernungen sind Luftlinien ab dem Plateau. Die Fahrzeit hängt am Verkehr und liegt fast immer über dem, was die Kilometerzahl vermuten lässt.
Der lohnendste Abstecher liegt im Süden
Der lohnendste Abstecher liegt am südlichen Ende, und er ist zugleich der am wenigsten bekannte.
In Dahschur stehen zwei Pyramiden aus der Zeit des Snofru, des Vaters von Cheops. Die eine heißt Knickpyramide, weil ihre Flanken auf halber Höhe flacher werden, vermutlich eine Korrektur während des Baus. Die andere, die Rote Pyramide, gilt als die erste vollendete echte Pyramide überhaupt. Beide lassen sich betreten, beide sind in aller Regel fast leer, und die Verwaltung führt sie mit eigenen amtlichen Seiten.
Der eigentliche Grund für den Weg dorthin ist aber ein anderer. Die Knickpyramide trägt in weiten Teilen noch ihre ursprüngliche Kalksteinverkleidung. Was in Gizeh fehlt und dort nur an wenigen Resten am Fuß der größten Pyramide und an der Spitze der mittleren zu sehen ist, steht hier über weite Flächen. Wer wissen will, wie eine Pyramide vor viereinhalbtausend Jahren ausgesehen hat, glatt, geschlossen und hell, muss nach Dahschur fahren, nicht nach Gizeh.
Zugänglich ist das erst seit Kurzem. Die Knickpyramide war über fünfzig Jahre geschlossen und wurde 2019 wieder geöffnet, zum ersten Mal seit 1965. Wer in älteren Reiseführern nachschlägt, findet den Hinweis deshalb nicht.
Dass dort so wenig los ist, hat einen einfachen Grund: Die meisten Tagestouren enden in Sakkara und fahren nicht weiter nach Süden. Wer die halbe Stunde zusätzlich in Kauf nimmt, steht anschließend häufig allein vor zwei Bauwerken, die jedes für sich größer sind als alles, was die meisten Menschen außerhalb Ägyptens je gesehen haben. Mitzubringen ist allerdings dasselbe wie in Gizeh: Schatten gibt es nicht, und der Abstieg in die Rote Pyramide ist lang, eng und warm.





Tagestour zu Plateau, Sakkara und Memphis
- Deckt in acht Stunden ab, was einzeln drei Anfahrten und drei Tickets bedeuten würde
- Deutschsprachige Führung, Abholung an der Unterkunft, Kleingruppe
- Der Eintritt für das Gelände in Gizeh ist enthalten, das Mittagessen als Zubuchung
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Sakkara und Memphis dazwischen
Zwischen Gizeh und Dahschur liegen zwei weitere Ziele, die auf fast jeder Tagestour vorkommen.
Das erste ist Sakkara. Wer Pyramiden von Gizeh und Sakkara an einem Tag verbindet, macht dabei einen Zeitsprung in die falsche Richtung: Die Stufenpyramide des Djoser dort ist rund ein Jahrhundert älter als alles in Gizeh und gilt als das erste monumentale Steinbauwerk der Welt. Sie sieht auch entsprechend anders aus, nämlich gestuft statt glatt, weil die Form damals noch nicht gefunden war. Dazu kommen Grabanlagen mit erhaltenen Reliefs und Farbresten, wie es sie in Gizeh so nicht gibt.
In Sakkara liegt außerdem der einzige Ort dieser Gegend, an dem sich eine Grabanlage in großem Maßstab begehen lässt, ohne dass es eine Pyramide wäre: das Serapeum, die unterirdische Anlage für die mumifizierten Apis-Stiere. Von einem langen Gang zweigen Kammern ab, in denen Granitsarkophage von jeweils vielen Tonnen stehen. Es hat ein eigenes Ticket und ist in manchen Angeboten nicht enthalten, obwohl es für viele Besucher der eindrucksvollste Teil des Tages ist.
Das zweite ist Memphis, die alte Hauptstadt, heute ein Freilichtmuseum bei dem Dorf Mit Rahina. Von der Stadt selbst ist wenig übrig, weil ihre Steine über Jahrhunderte abgetragen wurden. Was steht, ist eine Sammlung von Statuen und Fragmenten, und darunter befindet sich die Kolossalstatue in der Nähe der Pyramiden, nach der viele suchen: ein liegender Ramses der Zweite von über dreizehn Metern Länge, dem Unterschenkel und Füße fehlen, gefunden 1820. Er liegt auf dem Rücken in einer eigenen Halle, und man sieht ihn von einer Galerie aus von oben.
Diese Statue wird regelmäßig mit dem Sphinx verwechselt, und das ist verständlich. Beide sind kolossal, beide liegen, beide sind in der Nähe der Pyramiden. Nur steht der Sphinx auf dem Plateau selbst, der Koloss dagegen zwanzig Kilometer südlich. Es gibt in Memphis übrigens auch einen Sphinx, aus Alabaster und deutlich kleiner.

Entfernungen und was es dort gibt
Fahrzeiten ab dem Plateau, außerhalb der Stoßzeiten. Im Berufsverkehr kann sich jede Angabe verdoppeln.
| Ziel | Entfernung | Fahrzeit | Der Grund hinzufahren |
|---|---|---|---|
| Großes Ägyptisches Museum | 2 km | unter 10 Minuten | Der Inhalt der Bauwerke, die draußen leer sind |
| Abu Roasch | 8 km nördlich | 20 bis 30 Minuten | Eine zerstörte Anlage, fast nie besucht |
| Abusir | 10 km südlich | 25 bis 40 Minuten | Pyramiden der fünften Dynastie, sehr ruhig |
| Sakkara | 15 km südlich | 30 bis 45 Minuten | Stufenpyramide, Reliefgräber, Serapeum |
| Memphis | 20 km südlich | 40 bis 60 Minuten | Freilichtmuseum mit dem liegenden Koloss |
| Dahschur | 30 km südlich | 50 bis 70 Minuten | Zwei begehbare Pyramiden, erhaltene Verkleidung |
| Innenstadt Kairo | 20 km nordöstlich | 40 bis 90 Minuten | Ägyptisches Museum, Basar, Zitadelle, koptisches Viertel |
- Entfernung
- 2 km
- Fahrzeit
- unter 10 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Der Inhalt der Bauwerke, die draußen leer sind
- Entfernung
- 8 km nördlich
- Fahrzeit
- 20 bis 30 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Eine zerstörte Anlage, fast nie besucht
- Entfernung
- 10 km südlich
- Fahrzeit
- 25 bis 40 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Pyramiden der fünften Dynastie, sehr ruhig
- Entfernung
- 15 km südlich
- Fahrzeit
- 30 bis 45 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Stufenpyramide, Reliefgräber, Serapeum
- Entfernung
- 20 km südlich
- Fahrzeit
- 40 bis 60 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Freilichtmuseum mit dem liegenden Koloss
- Entfernung
- 30 km südlich
- Fahrzeit
- 50 bis 70 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Zwei begehbare Pyramiden, erhaltene Verkleidung
- Entfernung
- 20 km nordöstlich
- Fahrzeit
- 40 bis 90 Minuten
- Der Grund hinzufahren
- Ägyptisches Museum, Basar, Zitadelle, koptisches Viertel
Für Sakkara, Memphis und Dahschur gilt jeweils ein eigenes Ticket. Das Plateau-Ticket deckt davon nichts ab.
Zwei Ziele in Gehweite
Näher liegen zwei Ziele, die zu Fuß oder in wenigen Minuten erreichbar sind, und beide haben eine eigene Seite.
Das eine ist das Große Ägyptische Museum, zwei Kilometer nordwestlich, seit November 2025 vollständig geöffnet. Es ist die naheliegendste Ergänzung überhaupt, weil dort steht, was in den Bauwerken einmal lag. Das andere ist der Tiergarten der Stadt, gut fünf Kilometer entfernt, der allerdings seit 2023 wegen Umbaus geschlossen ist.
Wer Ausflüge in der Umgebung von Gizeh plant und dabei über die Stadtgrenze hinausdenkt, kommt an Kairo nicht vorbei. Das ältere Ägyptische Museum am Tahrir-Platz existiert weiterhin und ist ein anderes Erlebnis als der Neubau: enger, gewachsener, altmodischer im besten Sinn. Dazu kommen der große Basar, die Zitadelle und das koptische Viertel. Alle drei liegen östlich des Nils, also auf der anderen Seite der Stadt, und die Fahrzeit dorthin ist die eigentliche Hürde.
Dazu kommt seit einigen Jahren ein weiteres großes Haus im Süden der Stadt, in dem die Königsmumien ausgestellt sind. Es ist deutlich weniger überlaufen als die beiden bekannten Museen und für Menschen, die sich weniger für Bauwerke als für die Menschen dahinter interessieren, oft das eigentliche Ziel.
Eine praktische Einschränkung gehört dazu: Diese Ziele lassen sich nicht sinnvoll an einen Vormittag am Plateau anhängen. Wer um zwei Uhr aus Gizeh aufbricht, sitzt im dichtesten Verkehr des Tages und kommt an, wenn die Häuser schließen.

Privates Auto mit Fahrer in Kairo, tageweise
Für die Kette Sakkara, Memphis und Dahschur an einem Tag ist ein Wagen mit Fahrer die praktikable Lösung, weil die drei Orte auf derselben Achse liegen und ohne Fahrzeug nicht erreichbar sind. Gebucht wird der Tag, nicht die einzelne Strecke, die Route bestimmen Sie. Privatfahrzeug, kostenfreie Stornierung, sofortige Bestätigung.
Was sich sinnvoll kombinieren lässt
Bleibt die Frage, was sich sinnvoll kombinieren lässt, und hier gibt es eine klare Antwort.
Sakkara, Memphis und Dahschur liegen auf derselben Straße nach Süden und lassen sich an einem Tag verbinden. Das ist die übliche Zusammenstellung, sie dauert acht Stunden mit Anfahrt und Pausen, und sie funktioniert. Wer die Wahl hat, sollte Dahschur nicht als erstes anfahren, sondern als letztes: Es ist der ruhigste Ort der drei, und der Nachmittag dort ist deutlich angenehmer als der Vormittag in Sakkara.
Was nicht zusammenpasst, ist das Plateau am selben Tag. Rechnerisch geht es, praktisch bleibt von Gizeh dann eine Stunde übrig, und dafür ist der Ort zu groß. Zwei Tage sind hier keine Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass beide Teile etwas bringen.
Und ein Hinweis, der Geld spart: Für jede dieser Stätten gilt ein eigenes Ticket, und für einzelne Bereiche darin, etwa das Serapeum in Sakkara, gilt noch einmal ein eigenes. Wer eine geführte Tour bucht, sollte deshalb genau lesen, welche Eintritte enthalten sind. Bei den meisten Angeboten ist der Eintritt für Gizeh dabei, für die übrigen Stätten nicht immer.
Häufige Fragen
Wie viele Pyramiden gibt es in der Umgebung?
Entlang der Wüstenkante zwischen Abu Roasch und Dahschur stehen je nach Zählweise über zwei Dutzend. Gizeh ist ein Abschnitt davon, nicht das Ganze.
Welche Pyramide kann man von innen sehen, ohne anzustehen?
Die beiden in Dahschur. Sie sind begehbar und in aller Regel fast leer, während in Gizeh das Kontingent oft am Vormittag vergeben ist.
Wo steht die große liegende Statue?
In Memphis, rund zwanzig Kilometer südlich, in einer eigenen Halle des Freilichtmuseums. Sie wird häufig mit dem Sphinx verwechselt.
Passt Sakkara an denselben Tag wie Gizeh?
Nur mit Abstrichen. Beides an einem Tag lässt für das Plateau kaum Zeit. Besser sind zwei Tage oder eine bewusste Entscheidung für eines von beidem.
Gilt das Plateau-Ticket auch für Sakkara?
Nein. Jede Stätte hat ein eigenes Ticket, und einzelne Bereiche darin noch einmal ein eigenes.
Lohnt sich Abu Roasch?
Für Fachinteressierte ja, für einen ersten Besuch nicht. Die Anlage ist weitgehend abgetragen, dafür ist man dort meist allein.
