Kamelreiten an den Pyramiden von Gizeh: was sich gerade ändert

Ägypten drängt die Tiere vom Gelände, große Anbieter verkaufen die Ritte nicht mehr. Was belegt ist, was sich gerade ändert und was Sie stattdessen tun können.

Kamelreiten an den Pyramiden von Gizeh steht in fast jeder Bilderstrecke über Ägypten. Wer heute danach sucht, sollte wissen, dass die Sache im Umbruch ist.

Zwei Entwicklungen laufen gleichzeitig. Erstens hat die Neuordnung des Besucherbetriebs die Tiere von den zentralen Wegen verdrängt: Auf dem Gelände fahren inzwischen Elektrofahrzeuge, und die Reitbetriebe wurden auf ausgewiesene Zonen am Rand verwiesen. Zweitens haben große internationale Vermittler die Ritte aus dem Angebot genommen, nachdem Tierschutzorganisationen über Jahre Material über den Zustand der Arbeitstiere veröffentlicht hatten.

Beides zusammen ergibt eine Lage, die sich nicht mit einem Satz beantworten lässt. Es gibt kein veröffentlichtes Verbot mit Stichtag, und trotzdem ist die Aktivität auf dem Rückzug. Wer eine klare Auskunft sucht, findet in Reiseforen vor allem veraltete: Berichte aus der Zeit, als Reittiere selbstverständlich zum Besuch gehörten und man am Tor darauf angesprochen wurde, noch bevor man das Ticket in der Hand hatte.

Diese Seite verkauft Ihnen deshalb keinen Ritt. Sie beschreibt, was belegt ist, was sich gerade ändert und welche Möglichkeiten bleiben, wenn Sie das Motiv trotzdem wollen.

Vorweg der wichtigste Satz, weil er die Erwartung sofort korrigiert: Ein Ritt zwischen den großen Bauwerken, wie ihn ältere Reiseberichte beschreiben, ist nicht mehr der Normalfall. Was angeboten wird, findet überwiegend am Rand und außerhalb der Umzäunung statt.

GetYourGuide

Halbtagestour zu Plateau und Sphinx

★ 4,7(125 Bewertungen)
  • Deckt die Wege ab, für die früher ein Tier genommen wurde, mit Führung statt Verhandlung
  • Vier Stunden, deutschsprachig geführt, mit Abholung und bevorzugtem Einlass
  • Plateau-Eintritt enthalten, der Elektroshuttle darin eingeschlossen
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Rechtslage
Kein veröffentlichtes Verbot mit Stichtag, aber eine erklärte Absicht, die Tiere aus dem Kernbereich zu nehmen
Auf dem Gelände
Elektrofahrzeuge übernehmen den Transport, Reitbetriebe wurden auf Randzonen verwiesen
Staatliches Programm
Seit Oktober 2024 ein nationales Tierschutzprogramm für Denkmalstandorte
Große Vermittler
Mehrere internationale Plattformen und Hotelgruppen bieten die Ritte nicht mehr an
Angebot vor Ort
Weiterhin vorhanden, überwiegend am Rand und außerhalb der Umzäunung

Was die Tierschutzberichte zeigen

Die Grundlage für all das ist unangenehm, und sie gehört auf diese Seite, weil sie sonst niemand nennt.

Die Tierrechtsorganisation PETA hat seit 2019 mehrfach verdeckt an ägyptischen Denkmalstandorten gefilmt und die Ergebnisse veröffentlicht. Dokumentiert werden Schläge gegen erschöpfte Tiere, Arbeit in praller Hitze ohne ausreichenden Schatten, mangelnde Wasser- und Futterversorgung sowie unbehandelte Erkrankungen. Nachfassende Aufnahmen aus den Jahren 2023 und 2024 zeigen nach Angaben der Organisation dieselben Zustände.

Zur Einordnung gehört, dass PETA eine Interessenorganisation ist und ihre Aufnahmen mit einer klaren Absicht veröffentlicht. Das entwertet die Aufnahmen nicht, verlangt aber die saubere Zuschreibung: Es handelt sich um die Darstellung dieser Organisation, nicht um einen behördlichen Befund.

Bemerkenswert ist deshalb, wie die ägyptische Seite reagiert hat. Am 27. Oktober 2024 haben der Minister für Tourismus und Altertümer und der Landwirtschaftsminister gemeinsam ein nationales Programm zum Schutz von Pferden, Kamelen und Haustieren an archäologischen Stätten aufgelegt. Ein Staat, der ein solches Programm auflegt, bestätigt damit im Kern, dass es ein Problem gibt.

Ein zweiter Beleg für den Handlungsdruck ist die Reaktion des Marktes. Als Vermittler von der Größe internationaler Buchungsplattformen und einer weltweit tätigen Hotelgruppe ein etabliertes, nachgefragtes Produkt aus dem Programm nehmen, geschieht das nicht aus Sentiment, sondern weil das Risiko für die eigene Marke die Erträge überstieg. Auch das ist ein Datum, das für sich spricht.

Ob das Programm wirkt, ist offen. PETA hält dagegen, die Zustände hätten sich seither nicht wesentlich geändert. Eine unabhängige Überprüfung dieser Gegenbehauptung liegt nicht vor.

Kamele mit Sätteln warten am Rand des Geländes auf Kundschaft
Die Tiere stehen heute überwiegend am Rand und außerhalb der Umzäunung. Im Kernbereich fahren Elektrofahrzeuge.

Der Umbau verdrängt die Tiere stärker als der Tierschutz

Was die Tiere tatsächlich verdrängt, ist weniger der Tierschutz als der Umbau des Besucherbetriebs.

Seit der Neuordnung sind private Fahrzeuge und Reisebusse innerhalb der ausgewiesenen archäologischen Zone nicht mehr zugelassen, und der Transport zwischen den Haltepunkten läuft über Elektrofahrzeuge, die im Eintritt enthalten sind. Damit entfällt der praktische Grund, aus dem viele Besucher früher ein Tier nahmen: Man kam anders schlecht über das weitläufige Gelände.

Für die Reitbetriebe ist das existenzbedrohend, und sie haben sich gewehrt. Ägyptische Medien berichteten über Proteste, bei denen Betreiber die Zufahrt für die neuen Elektrofahrzeuge blockierten. Der Streitpunkt waren neu zugewiesene Standplätze, die aus Sicht der Betreiber zu weit von den Zugängen entfernt liegen, um noch Kundschaft zu finden.

Parallel dazu haben mehrere große Vermittler reagiert. Internationale Buchungsplattformen und eine Hotelgruppe haben Touren mit Kamel- oder Pferderitten am Plateau aus ihrem Angebot genommen. Das ist für Reisende die spürbarste Änderung: Wo man vor wenigen Jahren mit zwei Klicks gebucht hat, findet man heute bei den großen Anbietern nichts mehr.

Was bleibt, ist der Direktvertrieb vor Ort, und der bringt die bekannten Begleiterscheinungen mit sich: Ansprache am Zaun, ausgehandelte Preise, die selten die bezahlten sind, und keine Instanz, an die man sich im Streitfall wenden kann.

Kann man noch, und sollte man?

Bleibt die Frage, die Sie vermutlich hierher geführt hat: Kann man noch, und sollte man.

Können: ja. Angebote existieren weiterhin, überwiegend am Rand des Geländes und in der offenen Wüste dahinter. Ein Verbot mit Stichtag ist nicht veröffentlicht, die Richtung der staatlichen Politik ist aber erklärt, und einzelne Bereiche sind für Tiere bereits gesperrt.

Sollte man: Das ist Ihre Entscheidung, und diese Seite trifft sie nicht für Sie. Was wir liefern können, ist die Grundlage. Es gibt dokumentiertes Material über den Zustand der Tiere, ein staatliches Programm, das den Handlungsbedarf einräumt, und mehrere große Vermittler, die für sich entschieden haben, das Angebot nicht mehr zu führen. Diese drei Punkte stehen nebeneinander, und wer sie kennt, entscheidet informiert.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, ändert das etwas an der Sorgfalt. Ein Tier, das mager ist, offene Stellen unter dem Sattel hat, hinkt oder apathisch wirkt, ist kein Tier, auf das man steigt, und die Weigerung kostet Sie nichts außer einer unangenehmen Minute. Wasser und Schatten in Reichweite sind das zweite Kriterium, die Tageszeit das dritte: Mittags bei 35 Grad arbeitet kein Tier freiwillig.

Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird: Ihre eigene Sicherheit. Ein Kamel steht zum Aufsitzen auf, und dieser Bewegungsablauf wirft ungeübte Reiter regelmäßig nach vorn und hinten. Stürze passieren fast immer beim Aufstehen und beim Niederlassen des Tieres, nicht während des Gehens. Wer reitet, hält sich am Sattelhorn fest und lehnt sich gegen die Bewegung, und wer unsicher ist, lässt sich das vorher zeigen statt es zu erraten.

Und eine Warnung zum Geld, weil sie unabhängig vom Tierschutz gilt. Der genannte Preis ist regelmäßig nicht der geforderte. Üblich ist, dass am Ende ein Betrag fürs Absitzen, fürs Zurückführen oder für den Fotografen dazukommt. Wer bar und passend zahlt und den Gesamtpreis vor dem Aufsitzen wiederholen lässt, hat die schlechteste Überraschung vermieden.

Die Abwägung in Stichpunkten

Dafür

  • Das Motiv ist ikonisch und in dieser Form nirgends sonst zu bekommen
  • Die offene Wüste hinter dem Gelände lässt sich zu Fuß kaum erschließen
  • Ein Ritt am Rand dauert kurz und kostet wenig Zeit im Tagesablauf

Dagegen

  • Über den Zustand der Arbeitstiere liegt dokumentiertes Material vor, das gegen die Nutzung spricht
  • Der Staat selbst drängt die Tiere aus dem Kernbereich und ersetzt sie durch Fahrzeuge
  • Große Vermittler führen das Angebot nicht mehr, es bleibt der Direktvertrieb ohne Beschwerdeweg
  • Preisabsprachen halten selten, Nachforderungen sind die Regel
GetYourGuide

Eintrittsticket für das Plateau als QR-Code

Der Elektroshuttle zwischen den Haltepunkten ist im Eintritt enthalten. Damit ist der Weg über das Gelände abgedeckt, ohne dass ein Tier nötig wäre.

ab 14 €
Ansehen

Das Bild geht auch ohne Tier

Wer wegen des Bildes kommt, hat inzwischen bessere Möglichkeiten als früher, und zwar ohne Tier.

Das klassische Motiv ist ohnehin selten das Reiten selbst, sondern die Silhouette vor der Pyramide. Ein Kamelritt bei Sonnenuntergang liefert genau das, aber dieselbe Aufnahme entsteht auch vom Aussichtspunkt im Südwesten aus, wo alle drei Bauwerke gestaffelt stehen und das Abendlicht von der richtigen Seite kommt. Die Tiere, die dort am Rand warten, kommen aufs Bild, ohne dass Sie aufsteigen müssen.

Ein zweiter Ort für dasselbe Motiv liegt im Westen, dort, wo die Wüste beginnt. Von den Sandrücken hinter dem Gelände stehen die Bauwerke frei, ohne Zaun und ohne Stadtrand im Bild, und die Tiere der Betriebe warten ohnehin in dieser Gegend. Für ein Foto reicht das, ohne dass ein Ritt gebucht werden muss.

Für die Draufsicht gibt es Rundflüge über das Gelände, für die Wüstenstrecke Quadtouren außerhalb der Umzäunung. Beides ersetzt den Ritt nicht eins zu eins, deckt aber jeweils einen Teil dessen ab, wofür Reisende ihn buchen.

Und es gibt die schlichteste Möglichkeit: zu Fuß. Der Weg vom Sphinx zur größten Pyramide ist gut zu gehen, das Gelände ist flach, und der Shuttle nimmt die langen Abschnitte ab. Was früher ein praktisches Argument für ein Tier war, ist seit dem Umbau keines mehr.

Der ehrliche Schluss lautet deshalb: Das Kamel gehört zum Bild, das wir alle im Kopf haben, aber es gehört nicht mehr zum Besuch. Diese Entwicklung ist erklärte Politik, sie ist im Gange, und sie wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Elektroshuttle auf dem Plateau vor der Chephren-Pyramide
Der Shuttle ist im Eintritt enthalten und deckt die Strecken ab, für die früher ein Tier genommen wurde.

Häufige Fragen

Sind Kamelritte am Plateau verboten?

Ein Verbot mit Stichtag ist nicht veröffentlicht. Die erklärte Politik ist aber, die Tiere aus dem Kernbereich zu nehmen und durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen.

Kann man noch reiten?

Ja, überwiegend am Rand des Geländes und in der Wüste dahinter. Bei den großen Buchungsplattformen finden Sie das Angebot allerdings kaum noch.

Warum haben Anbieter die Ritte aus dem Programm genommen?

Nach jahrelanger Veröffentlichung von Material über den Zustand der Arbeitstiere. Mehrere Plattformen und eine Hotelgruppe haben daraufhin entschieden, die Ritte nicht mehr zu vermitteln.

Woran erkenne ich ein Tier, auf das ich nicht steigen sollte?

Magerkeit, offene Stellen unter dem Sattel, Lahmen, Apathie, kein Wasser und kein Schatten in Reichweite. Im Zweifel ablehnen.

Wie komme ich sonst über das Gelände?

Zu Fuß und mit dem Elektroshuttle, der im Eintritt enthalten ist. Der praktische Grund für ein Reittier ist damit entfallen.

Touren, in denen der Kamelritt enthalten ist

Vierzehn Angebote im geprüften Bestand nennen den Ritt im Titel. Elf davon tragen mehr als zehn Rückmeldungen bei mindestens vier Sternen, was für eine so kleine Kategorie eine gute Quote ist.

  1. Kairo: Private Tour zu Pyramiden und Großer Sphinx mit Kamelritt

    4 bis 8 StundenSnefro Travel

    4,97.579 Bewertungen

    • Eintritt Plateau enthalten
    • Hotelabholung
    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 51 €
    Ansehen
  2. Kairo: Pyramiden, Sphinx und Kamelritt, mit ATV-Option

    4 bis 8 StundenSnefro Travel

    5,0385 Bewertungen

    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 43 €
    Ansehen
  3. Gizeh: Geführte Pyramiden-Tour bei Sonnenaufgang mit Kamelritt und Frühstück

    5 StundenEgypt Excursions Online

    4,7928 Bewertungen

    • Eintritt Plateau als Zubuchung
    • Hotelabholung
    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 40 €
    Ansehen
  4. Pyramiden von Gizeh: Quad-Wüstensafari und optionaler Kamelritt

    1 bis 2 StundenEmo Tours Egypt

    4,51.167 Bewertungen

    • Deutschsprachiger Guide
    • Eintritt Plateau als Zubuchung
    • Hotelabholung
    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 34 €
    Ansehen
  5. Kairo: Halbtagestour zu den Pyramiden mit Kamel oder Pferdekutsche

    5 StundenOceanAir Travel

    4,9171 Bewertungen

    • Deutschsprachiger Guide
    • Hotelabholung
    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 78 €
    Ansehen
  6. Kairo: Pyramiden-Quad-Abenteuer und optionaler Kamelritt

    2 bis 3 StundenOceanAir Travel

    4,5572 Bewertungen

    • Hotelabholung
    • Kostenlos stornierbar bis 24 h vorher
    ab 55 €
    Ansehen

Eine gute Note misst die Zufriedenheit der Gäste und nicht den Zustand der Tiere. Was Sie vor Ort prüfen können, steht weiter oben auf dieser Seite; die Sterne beantworten es nicht. Gezeigt sind 6 von 14 Angeboten. Bewertungen, Preise und Verfuegbarkeit laut GetYourGuide, abgerufen am 2026-09-03. Preise in Euro; „ab“ ist der niedrigste Einstiegspreis des Anbieters.

Stand: August 2026Die Verdrängung der Reittiere vom Gelände ist im Gange und nicht abgeschlossen. Rechtslage, zugewiesene Standplätze und das Angebot der Vermittler ändern sich; prüfen Sie den Stand vor der Reise.