Diese Frage wird häufig gestellt, und sie enthält zwei Verwechslungen, die sich leicht auflösen lassen.
Die erste betrifft das Bauwerk. Die Meldungen über Säulen, Schächte und Hallen im Untergrund, die 2025 um die Welt gingen, bezogen sich nicht auf die große Pyramide, sondern auf ihre mittlere Nachbarin. Wer nach Säulen unter der größten Pyramide sucht, sucht nach etwas, das nicht einmal behauptet wurde.
Die zweite betrifft den Status dieser Meldungen. Sie beruhten auf einer Radarauswertung, zu der keine begutachtete Veröffentlichung vorliegt, und die Methodenarbeit dahinter wurde inzwischen zurückgezogen. Dazu weiter unten mehr.
Was es tatsächlich gibt, ist deutlich unspektakulärer und deutlich interessanter. Rund dreißig Meter unter dem Bauwerk, in den gewachsenen Fels geschnitten, liegt ein Raum. Er ist groß, er ist alt, er ist echt, und er wurde nie fertiggestellt. Sein Boden ist eine zerklüftete Fläche aus halb abgetragenem Gestein, als hätten die Steinmetze mitten in der Arbeit die Werkzeuge hingelegt.
Ein Hinweis vorweg, der die Einordnung erleichtert: Unfertige Bauteile sind an diesem Ort kein Ausnahmefall, sondern ein Muster. Am Sockel der dritten Pyramide steht roh belassener Granit, der Totentempel derselben Anlage wurde in Lehmziegeln zu Ende gebracht, und beim Sphinx blieb der zugehörige Tempel unvollendet. Ein aufgegebener Raum unter der größten Pyramide fügt sich in dieses Bild ein, statt aus ihm herauszufallen.
Genau das ist vermutlich passiert. Und die Frage, warum, führt tiefer in den Bauablauf dieses Bauwerks als jede Radarmeldung.

Wo dieser Raum liegt
- 1Nordseite mit Eingang Der ursprüngliche Eingang liegt auf der Nordseite, deutlich über dem Boden. Der heute benutzte Zugang ist ein späterer Einbruch weiter unten.
- 2Absteigender Gang Läuft in einem einzigen konstanten Winkel durch das Mauerwerk und dann weiter durch den gewachsenen Fels. Über hundert Meter ohne Richtungswechsel.
- 3Basislinie Die Standfläche des Bauwerks. Alles darunter ist nicht gebaut, sondern in den Felsen geschnitten.
- 4Gewachsener Fels Das Plateau selbst. Der Untergrund war kein Bauplatz, sondern Baumaterial und Fundament in einem.
- 5Felsenkammer Rund 30 Meter unter der Basis. Sie blieb unfertig: der Boden ist grob, ein Schacht bricht ohne Ziel ab, ein Gang führt nach Süden und endet im Nichts.
Die Darstellung ist schematisch und nicht maßstäblich. Der obere Kammerbereich ist nur zur Orientierung angedeutet.
Der absteigende Gang und die Kammer
Der Weg dorthin beginnt an derselben Stelle wie alles andere: am ursprünglichen Eingang an der Nordseite.
Von dort führt ein absteigender Gang nach unten, zunächst durch das Mauerwerk, dann durch den anstehenden Fels. Er behält dabei über die gesamte Länge dieselbe Neigung bei, was für sich genommen eine erhebliche Vermessungsleistung ist: Ein Gang von über hundert Metern, der durch zwei verschiedene Materialien läuft und trotzdem gerade bleibt.
Am unteren Ende öffnet sich die Felsenkammer der Cheops-Pyramide. Sie misst rund vierzehn Meter in der Länge und gut acht in der Breite, bei einer Höhe von etwa vier Metern. Damit ist sie größer als die Grabkammer im oberen Bereich, aber in einem völlig anderen Zustand: Die Wände sind grob, die Decke ist unregelmäßig, und der Boden ist eine Landschaft aus Vorsprüngen, Gruben und stehengelassenem Fels.
Zwei weitere Merkmale gehören dazu. In der Mitte des Bodens liegt ein Schacht, der ein Stück in die Tiefe getrieben und dann aufgegeben wurde. Und von der Südwand führt ein niedriger Gang etwa fünfzehn Meter waagerecht in den Fels hinein, wo er ohne Kammer und ohne erkennbares Ziel endet.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Ausführung. Der Gang dorthin ist mit großer Sorgfalt angelegt, die Wände sind glatt, die Neigung ist über die gesamte Strecke konstant. Der Raum am Ende ist das genaue Gegenteil. Wer beides nacheinander sieht, erkennt sofort, dass hier nicht schlampig gearbeitet, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehört wurde. Die Genauigkeit des Zugangs beweist, dass die Roheit des Ziels kein Können, sondern eine Entscheidung widerspiegelt.
Fotografien, Aufmaße und Grabungsberichte zu diesem Bereich liegen im digitalen Archiv der Universität Harvard, einschließlich Aufnahmen aus Zeiten, in denen der Zugang noch offen war.





Geführte Tagestour mit Option auf die Innenbesichtigung
- Die begehbare Route führt nach oben zur Grabkammer, nicht hinunter in den Fels
- Die Innenbesichtigung der Cheops-Pyramide ist als Zubuchung erhältlich
- Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung, Abholung und Mittagessen sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn

Zweimal umgeplant
Die gängige Erklärung für diesen Zustand ist zugleich die Erklärung für den gesamten Grundriss des Bauwerks, und sie lautet: Es wurde zweimal umgeplant.
Nach dieser Lesart war die Felsenkammer der ursprüngliche Bestimmungsort. Eine Grabkammer tief im Fels unter der Pyramide entspricht genau dem, was bei früheren Königsgräbern üblich war. Die Arbeiten begannen, kamen bis zur Ausformung des Raums und wurden dann eingestellt.
Danach entstand eine zweite Kammer, diesmal im Mauerwerk oberhalb der Basis. Auch sie wurde nicht als endgültige Grablege genutzt. Erst die dritte, hoch im Bauwerk gelegene Kammer wurde fertiggestellt, mit Granit ausgekleidet und mit einem Sarkophag versehen.
Warum umgeplant wurde, ist offen. Denkbar ist eine Änderung der religiösen Vorstellungen während der Bauzeit, denkbar ist eine bautechnische Schwierigkeit, denkbar ist auch schlicht, dass sich die Erwartung an die verbleibende Regierungszeit änderte. Ein König, der merkt, dass ihm mehr Zeit bleibt als gedacht, kann sich Aufwendigeres leisten.
Für die Umplanung spricht auch die Bauabfolge im Mauerwerk. Der aufsteigende Gang setzt an einer Stelle am absteigenden an, die konstruktiv ungünstig ist, und er wurde teilweise nachträglich in bereits gesetztes Mauerwerk geschlagen. Ein von Anfang an geplanter Weg nach oben hätte anders ausgesehen. Solche Spuren sind schwer wegzudiskutieren, weil sie zusätzlichen Aufwand bedeuten, den niemand ohne Grund betreibt.
Es gibt allerdings eine Gegenposition. Manche Fachleute halten die Felsenkammer nicht für einen aufgegebenen Plan, sondern für einen absichtlich unfertig belassenen Raum mit eigener Bedeutung, etwa als Darstellung der Unterwelt. Belege dafür sind schwach, aber die These erklärt, warum ein Raum, der angeblich aufgegeben wurde, überhaupt vollständig ausgehoben und über einen sorgfältig vermessenen Gang erschlossen wurde.
Gibt es Säulen unter der Pyramide?
Damit zu den Säulen. Die Frage stammt aus dem Frühjahr 2025, als eine italienische Arbeitsgruppe erklärte, mit Satellitenradar unter dem mittleren Bauwerk des Geländes ausgedehnte Anlagen gefunden zu haben: mehrere gleichartige Bauten, verbunden durch Wege, dazu senkrechte Schächte von mehreren hundert Metern Tiefe.
Drei Dinge sind dazu zu sagen, und alle drei sind überprüfbar. Erstens betraf die Behauptung nicht die Cheops-Pyramide. Wer unterirdische Pfeiler in Gizeh sucht, landet bei Meldungen über das Nachbarbauwerk. Zweitens liegt bis heute keine begutachtete Veröffentlichung dazu vor; vorgestellt wurde auf einer Pressekonferenz. Unabhängige Prüfungen fanden keine belastbare Grundlage, und die ägyptische Altertumsverwaltung widersprach öffentlich.
Drittens, und das ist neu: Die Arbeit, in der dieselbe Gruppe ihr Radarverfahren 2022 beschrieben hatte, wurde am 10. August 2026 von der Fachzeitschrift zurückgezogen. Die Redaktion nennt nach einer Prüfung schwerwiegende methodische Mängel und statistische Fehler. Die Autoren widersprechen dieser Entscheidung.
Dazu kommt ein Sachargument, das unabhängig von allem Übrigen gilt. Satellitenradar dringt in trockenen Boden wenige Meter ein, in massives Gestein praktisch gar nicht. Strukturen in hunderten Metern Tiefe kann dieses Verfahren nicht abbilden, gleich wie die Daten anschließend verarbeitet werden.
Bemerkenswert ist an dieser Stelle, wie hartnäckig sich die Verwechslung hält. Suchanfragen nach Säulen unter der Cheops-Pyramide sind häufiger als solche nach dem tatsächlich vorhandenen Raum. Eine Behauptung über ein Bauwerk wandert also im Bewusstsein auf das berühmtere Nachbarbauwerk über, und der reale Befund verschwindet dahinter. Das ist keine Besonderheit dieses Themas, sondern eine ziemlich allgemeine Eigenschaft populärer Wissenschaftsmeldungen.
Unter der großen Pyramide liegt also das, was seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist: ein unfertiger Raum, ein aufgegebener Schacht und ein Gang ins Nichts.

Vier Aussagen zum Untergrund
- Falsch
Unter der Cheops-Pyramide stehen Säulen.
Dafür gibt es keinen Befund. Die Meldung von 2025 betraf ein anderes Bauwerk und ist selbst nicht belegt.
- Stimmt
Unter der Cheops-Pyramide gibt es überhaupt einen Raum.
Rund dreißig Meter unter der Basis liegt eine große, unfertige Kammer im gewachsenen Fels, seit langem bekannt und dokumentiert.
- Falsch
Der Raum wurde nie fertig, weil man ihn vergessen hat.
Er ist über einen sorgfältig vermessenen Gang von über hundert Metern erschlossen. Aufgegeben wurde er, nicht vergessen.
- Falsch
Man kann die Felsenkammer besichtigen.
Der Bereich ist für Besucher geschlossen. Die begehbare Innenroute führt aufwärts zur Grabkammer.
Sie kommen dort nicht hin
Für den Besuch ist die Auskunft kurz: Sie kommen dort nicht hin.
Der absteigende Gang zweigt kurz hinter dem Einbruchsstollen ab und ist abgesperrt. Die begehbare Route führt in die andere Richtung, aufwärts durch den aufsteigenden Gang und die Galerie zur Grabkammer. Der untere Bereich war in der Vergangenheit zeitweise zugänglich, ist es aber seit langem nicht mehr, und daran wird sich absehbar nichts ändern: Der Gang ist niedrig, lang, schlecht belüftet und hat nur einen Ein- und Ausgang.
Was Sie sehen können, ist der Anfang. Beim Betreten des Bauwerks queren Sie die Stelle, an der der absteigende Gang weiterführt. Ein kurzer Blick nach unten in diese Röhre vermittelt die Dimension besser als jede Beschreibung, denn sie verschwindet im Dunkeln, ohne dass ein Ende erkennbar wäre.
Wer sich für den unteren Bereich interessiert, ist auf Dokumentation angewiesen. Es gibt Aufmaße, Fotografien und Vermessungen aus mehreren Jahrhunderten, und der Raum gehört zu den am besten dokumentierten unzugänglichen Orten der Archäologie.
Ein Nebeneffekt lohnt die Erwähnung. Weil der untere Bereich geschlossen ist, verteilen sich die Besucher nicht, und der aufsteigende Weg ist entsprechend voll. Wäre die Felsenkammer zugänglich, gäbe es zwei Routen und halb so viel Gegenverkehr. Aus konservatorischer und aus sicherheitstechnischer Sicht spricht trotzdem alles dagegen: Ein einziger Zugang von über hundert Metern Länge ohne zweiten Ausgang ist für Publikumsverkehr denkbar ungeeignet.
Und vielleicht ist das die passende Pointe. Die spektakulärste Frage zu diesem Bauwerk betrifft einen Untergrund, den es nicht gibt. Der Untergrund, den es gibt, ist seit zweihundert Jahren vermessen und wird kaum je erwähnt.
Häufige Fragen
Gibt es Säulen oder Hallen unter der Pyramide?
Nein. Es gibt keinen Befund dafür. Die Meldung von 2025 betraf die mittlere Pyramide, war nie begutachtet veröffentlicht, und die zugehörige Methodenarbeit wurde im August 2026 zurückgezogen.
Was liegt dann unter dem Bauwerk?
Ein rund vierzehn mal acht Meter großer, unfertiger Raum im gewachsenen Fels, etwa dreißig Meter unter der Basis, erreichbar über den absteigenden Gang.
Warum wurde der Raum nicht fertig?
Vermutlich weil während der Bauzeit umgeplant wurde. Die Grabkammer wanderte in zwei Schritten nach oben in das Mauerwerk.
Kann man den Raum betreten?
Nein, der Bereich ist geschlossen. Die Innenbesichtigung führt aufwärts zur Grabkammer.
Wohin führt der Gang an der Südwand?
Nirgendwohin. Er läuft etwa fünfzehn Meter waagerecht in den Fels und endet ohne Kammer.

Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy
Das Basisticket deckt das Gelände ab, nicht das Innere der Cheops-Pyramide. Der untere Bereich ist ohnehin für niemanden zugänglich.
