Zeitleiste der Pyramiden von Gizeh

Von den ersten Bestattungen bis zur neuen Besucherordnung von 2025: die wichtigsten Daten des Gizeh-Plateaus auf einen Blick, samt ihrer Unsicherheiten.

Diese Seite ist bewusst kurz gehalten: eine Abfolge von Daten, mehr nicht. Für die Zusammenhänge gibt es eigene Seiten, auf die am Ende verwiesen wird.

Eine Vorbemerkung ist trotzdem nötig, weil sie für jede einzelne Zeile gilt. Die Daten vor der griechischen Zeit sind geschätzt. Sie beruhen auf Königslisten, aus denen zurückgerechnet wird, und verschiedene Chronologien kommen dabei zu Ergebnissen, die um Jahrzehnte auseinanderliegen. Was gesichert ist, ist die Reihenfolge, nicht die Jahreszahl.

Ein zweiter Hinweis betrifft die Auswahl. Eine Zeitleiste zu diesem Ort könnte hundert Einträge haben, denn es wurde über Jahrtausende ununterbrochen gegraben, gebaut, geplündert und geschrieben. Aufgenommen ist hier, was den sichtbaren Zustand des Geländes verändert hat oder was den Kenntnisstand darüber verschoben hat. Rein wissenschaftliche Einzelfunde ohne diese Wirkung fehlen bewusst.

Ab der griechischen Zeit wird es genauer, ab dem 18. Jahrhundert taggenau. Ein Datum wie 1798 ist eine Tatsache, ein Datum wie 2550 vor Christus ist eine begründete Schätzung. Beide stehen in derselben Liste, und dieser Unterschied sollte mitgelesen werden.

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Spuren aus fast allen Epochen dieser Liste liegen im normalen Ticketbereich, vom Steinbruch bis zur Abbruchkerbe.

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Vom Felsrücken zum Welterbe

  • um 2600 v. Chr.

    Auf dem Felsrücken wird bereits bestattet, bevor der Pyramidenbau beginnt.

  • um 2550 v. Chr.

    Baubeginn der größten Anlage unter Chufu. Der Steinbruch südlich davon wird erschlossen.

  • um 2530 v. Chr.

    Chafre errichtet die mittlere Anlage. Der Sphinx wird aus dem Fels geschnitten, der Tempel davor aus dem Abraum gebaut.

  • um 2500 v. Chr.

    Menkaure beginnt die kleinste Anlage. Sie bleibt unvollendet und wird vom Nachfolger in Lehmziegeln abgeschlossen.

  • um 2200 v. Chr.

    Die Zentralgewalt bricht zusammen, der Totenkult endet, die Kammern werden vermutlich in dieser Zeit ausgeräumt.

  • um 1400 v. Chr.

    Der versandete Sphinx wird freigelegt, eine Stele zwischen den Pranken aufgestellt. Der Ort wird zum Wallfahrtsziel.

  • um 450 v. Chr.

    Herodot besucht Ägypten und schreibt die Angabe von zwanzig Jahren Bauzeit auf, die bis heute zitiert wird.

  • um 820 n. Chr.

    Ein Stollen wird in die Nordflanke der größten Pyramide getrieben. Er ist bis heute der Zugang.

  • ab dem 12. Jahrhundert

    Systematischer Abbau der Verkleidung als Baumaterial für Kairo.

  • 1196

    Ein Abbruchversuch an der kleinsten Pyramide wird nach acht Monaten aufgegeben und hinterlässt eine Kerbe.

  • 1737

    Ein dänischer Reisender zeichnet den Sphinx vor Ort. Die Nase fehlt bereits.

  • 1798 bis 1801

    Die französische Expedition vermisst und zeichnet systematisch. Das Ergebnis erscheint als monumentales Tafelwerk.

  • 1818

    Belzoni betritt als erster Europäer der Neuzeit die Grabkammer der mittleren Pyramide. Sie ist leer.

  • 1837

    Vyse und Perring arbeiten mit Schwarzpulver, öffnen die Entlastungskammern und finden dort die Namen der Bautrupps.

  • 1880 bis 1882

    Flinders Petrie vermisst die Anlage erstmals mit moderner Genauigkeit.

  • ab 1902

    Beginn der längsten Grabungsreihe des Geländes, über fünfunddreißig Jahre.

  • 1925

    Fund eines versiegelten Schachts mit vergoldeter Ausstattung und leerem Sarkophag.

  • 1925 bis 1936

    Der Sphinx wird vollständig aus dem Sand geholt und gesichert.

  • 1954

    Eine Bootsgrube wird geöffnet. Darin liegt ein zerlegtes Schiff aus Zedernholz.

  • 1979

    Die Pyramidenfelder von Gizeh bis Dahschur werden gemeinsam Welterbe.

  • 2017

    Ein großer Hohlraum über der Großen Galerie wird veröffentlicht, nachgewiesen mit Myonenmessung.

  • 2021

    Das erste Schiff wird in das Große Ägyptische Museum gebracht. Das Bootsmuseum am Plateau schließt.

  • 2025

    Neue Besucherordnung mit verlegtem Haupteingang und Fahrverbot auf dem Gelände. Im November eröffnet das Große Ägyptische Museum.

Alle Angaben vor der griechischen Zeit sind Schätzungen mit einer Unsicherheit von Jahrzehnten. Die Reihenfolge ist gesichert.

Warum die frühen Daten schwanken

Warum die frühen Daten schwanken, lässt sich in einem Satz sagen: Es gibt keinen durchgehenden Kalender.

Ägypten zählte nach Regierungsjahren einzelner Könige. Um daraus ein absolutes Datum zu gewinnen, muss man die Regierungszeiten aller Herrscher bis zu einem bekannten Bezugspunkt aufaddieren, und dabei summieren sich Lücken, beschädigte Listen und Zeiten mit mehreren gleichzeitigen Herrschern. Verankert wird die Kette an astronomischen Ereignissen, die sich zurückrechnen lassen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die wichtigste dieser Listen beschädigt ist. Ein Papyrus, der Herrscher und Regierungsjahre über Jahrhunderte verzeichnet, zerfiel bereits im 19. Jahrhundert in hunderte Fragmente, die seither geordnet werden. Ausgerechnet für die frühen Dynastien fehlen Abschnitte. Jede Rekonstruktion der Königsfolge muss diese Lücken überbrücken, und je nach Annahme verschiebt sich das Ergebnis.

Die Datierung der Pyramiden von Gizeh ist deshalb keine einzelne Zahl, sondern ein Korridor. Eine gängige Herrscherliste setzt die Regierung des größten Bauherrn auf rund 2550 bis 2530 vor Christus an, andere Zählungen liegen einige Jahrzehnte früher. Wer eine Jahreszahl weitergibt, sollte deshalb runden.

Die drei Pyramiden von Gizeh gestaffelt im Abendlicht
Achtzig Jahre Bauzeit, viereinhalbtausend Jahre Nachgeschichte. Die Reihenfolge läuft von rechts nach links.

Was die Verteilung der Einträge zeigt

Ein Blick auf die Verteilung lohnt sich, weil sie das übliche Bild verschiebt.

Von den dreiundzwanzig Einträgen oben betreffen drei den Bau. Alles andere gehört zur Nachgeschichte: Kult, Zusammenbruch, Wiederverehrung, Steinraub, Vermessung, Grabung, Schutz. Der Bau ist der Anlass dieser Zeitleiste, aber nicht ihr Inhalt.

Ebenso auffällig sind die Lücken. Zwischen dem Ende des Kults um 2200 vor Christus und der Freilegung des Sphinx rund achthundert Jahre später steht kein einziger Eintrag, und das ist kein Versehen: Aus dieser Spanne gibt es für das Gelände praktisch keine Quellen. Dasselbe gilt für weite Teile des Mittelalters. Eine Zeitleiste bildet deshalb nicht ab, wann etwas geschah, sondern wann jemand darüber schrieb.

Auffällig ist außerdem die Verdichtung am Ende. Zwischen 1798 und heute liegen mehr Einträge als in den dreieinhalbtausend Jahren davor, und das liegt nicht daran, dass mehr geschah, sondern daran, dass es aufgeschrieben wurde. Für die langen stillen Abschnitte dazwischen gibt es schlicht keine Quellen.

Seit 1979 steht die gesamte Landschaft als Welterbe unter Schutz. Das ist der vorläufig letzte Statuswechsel eines Ortes, der schon Baustelle, Kultstätte, Ruine, Steinbruch und Ausgrabung war.

Häufige Fragen

Wie sicher sind die frühen Jahreszahlen?

Sie tragen eine Unsicherheit von Jahrzehnten, weil sie aus Königslisten zurückgerechnet werden. Die Reihenfolge der Ereignisse ist dagegen gesichert.

Warum stehen in verschiedenen Quellen verschiedene Daten?

Weil mehrere Chronologien nebeneinander gebräuchlich sind. Unterschiede von zwanzig bis fünfzig Jahren sind normal und kein Fehler.

Was ist das älteste sichere Datum?

Sicher im Sinne eines überlieferten Datums wird es erst mit den griechischen Berichten ab dem fünften Jahrhundert vor Christus. Alles davor ist errechnet.

Was hat sich zuletzt geändert?

2025 wurde der Besucherbetrieb neu geordnet, mit verlegtem Haupteingang und Fahrverbot auf dem Gelände. Im November 2025 eröffnete das Große Ägyptische Museum.