Golfplatz an den Pyramiden von Gizeh: es gibt ihn, seit 1899

Ja, am Fuß der Pyramiden, gespielt seit 1899. Was der Neunlochplatz wirklich taugt, wer dort spielen darf und was der angekündigte Umbau für die Planung heißt.

Gibt es einen Golfplatz an den Pyramiden? Ja, und er ist älter als fast alles, was heute sonst auf dem Plateau steht, den Bauwerken selbst natürlich ausgenommen.

Gespielt wird dort seit 1899. Die Anlage gehört zum Hotel Mena House, das als königliches Jagdhaus begann und in den 1880er Jahren für Gäste öffnete, und sie liegt jenseits der Straße, unmittelbar am Fuß des Geländes. Von den Bahnen aus stehen die großen Bauwerke nicht am Horizont, sondern darüber.

Das ist kein Marketingbild, sondern schlicht die Geografie. Der Platz liegt außerhalb der archäologischen Umzäunung, in der Zone, die früher zum Hoteldorf gehörte, und damit näher an den Pyramiden als jede andere Sportanlage der Welt an einem Weltwunder.

Ein Wort zur Einordnung vorweg, weil die Sache leicht ins Kuriose kippt. Es handelt sich nicht um eine Touristenattraktion, die zum Bauwerk erfunden wurde, sondern um eine Anlage aus der Frühzeit des ägyptischen Tourismus. Als sie entstand, war das Hotel der Endpunkt einer Kutschfahrt aus Kairo, und die Gäste blieben Wochen statt Stunden. Der Platz war für diese Aufenthaltsdauer gedacht, nicht für einen Tagesausflug.

Was diese Seite klärt: was der Platz tatsächlich ist, wer dort spielen darf, was der im Mai 2026 angekündigte Umbau bedeutet, und ob sich der Umweg für jemanden lohnt, der eigentlich wegen der Nekropole angereist ist.

Ein Platz in vier Etappen

  • 1880er Jahre

    Aus dem königlichen Jagdhaus am Fuß des Plateaus wird ein Hotel für Reisende.

  • 1899

    Der Golfbetrieb beginnt. Der Platz ist damit einer der ältesten Ägyptens.

  • bis 1917

    Gespielt wird ohne Gras, direkt auf dem Wüstenboden. Achtzehn Jahre lang.

  • 1917

    Unter Roy Wilson wird die Anlage begrünt und zu einem Rasenplatz umgebaut.

  • Mai 2026

    Talaat Moustafa Group und Legacy Hotels beauftragen das Büro Robert Trent Jones II mit einem vollständigen Neuentwurf.

Neun Bahnen mit je zwei Grüns

Der Zuschnitt überrascht die meisten, weil in Reiseberichten mal von neun und mal von achtzehn Bahnen die Rede ist. Beides stimmt, und der Grund dafür ist eine Eigenheit des Platzes.

Angelegt sind neun Bahnen, aber jede von ihnen hat zwei Grüns. Wer die Runde zweimal geht, spielt beim zweiten Durchgang auf das jeweils andere Grün und bekommt dadurch eine spürbar andere Bahn, mit anderer Länge und anderem Anspielwinkel. Aus neun Bahnen werden so achtzehn Spielbahnen, ohne dass die Anlage doppelt so viel Fläche braucht.

Die Maße sind entsprechend bescheiden. Zweimal herum ergibt eine Distanz von rund 5.300 Yards, also deutlich unter dem, was ein Meisterschaftsplatz misst, und das Gelände ist flach. Verteilt sind über die Anlage etwa 34 Bunker.

Dass die Anlage so kompakt ist, hat einen einfachen Grund: Platz war nie im Überfluss vorhanden. Zwischen dem Hotelgelände, der Straße und der Grenze der archäologischen Zone liegt nur ein begrenzter Streifen, und dieser Streifen bestimmt die Form der Bahnen bis heute. Die Lösung mit den zwei Grüns je Bahn ist genau daraus entstanden.

Wer also einen sportlich anspruchsvollen Platz erwartet, ist am falschen Ort. Der Reiz liegt woanders, und er ist schwer zu überbieten: Sie schlagen ab, und im Rücken der Fahne steht ein viereinhalbtausend Jahre altes Bauwerk. Es gibt weltweit keine zweite Anlage, bei der das in dieser Entfernung der Fall ist.

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★ 4,9(74 Bewertungen)
  • Wer wegen des Platzes anreist, sollte das Gelände selbst nicht auslassen
  • Vier Stunden, deutschsprachig geführt, mit Abholung und bevorzugtem Einlass
  • Der Plateau-Eintritt ist enthalten, das Pyramideninnere nicht
  • Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn
Golfbahn mit Fahne, dahinter erheben sich die Pyramiden von Gizeh
Der Platz liegt außerhalb der Umzäunung, aber unmittelbar am Fuß des Geländes. Die Kulisse ist keine Montage.

Spielen dürfen auch Gäste von außen

Spielen dürfen in der Regel auch Gäste, die nicht im Haus wohnen. Der Platz ist eine Hotelanlage, aber keine geschlossene Gesellschaft, und die Startzeit wird über das Hotel vereinbart.

Das ist ungewöhnlich genug, dass es der Erwähnung wert ist. Viele Hotelplätze in dieser Lage sind reine Gästeanlagen; hier war der Betrieb von Anfang an offener, weil die Zahl der Gäste im Haus für einen eigenen Spielbetrieb nie ausgereicht hätte.

Praktisch heißt das: vorher anfragen, nicht einfach hinfahren. Für Ausrüstung, Startzeit und die Frage, ob der Platz an diesem Tag überhaupt bespielbar ist, gibt es keine Buchungsplattform, über die sich das im Voraus klären ließe. Die Greenfee liegt im Verhältnis zu europäischen Plätzen vergleichbarer Lage niedrig, bestätigen lassen sollten Sie sie aber beim Haus selbst.

Schläger lassen sich vor Ort leihen, was den Koffer entlastet. Verlassen sollten Sie sich darauf trotzdem nicht: Ein kleiner Hotelplatz hält keinen großen Bestand vor, und wer Linkshänder ist oder besondere Schaftlängen braucht, fragt das besser vorher ab.

Zur Saison gibt es nur eine sinnvolle Antwort, und sie ist dieselbe wie für das Plateau. Zwischen Oktober und April sind die Bedingungen angenehm, im Hochsommer ist eine Runde auf schattenlosem Gelände bei Werten um 35 Grad kein Vergnügen. Wer im Sommer anreist, spielt früh oder gar nicht.

Was Sie mitbringen sollten, unterscheidet sich kaum von einem Besuch des Geländes selbst: Kopfbedeckung, Sonnenschutz und mehr Wasser als gedacht. Der Platz ist flach und die Runde kurz, aber Schatten gibt es auch hier fast nirgends, und der Sand reflektiert.

Zwei Gepflogenheiten sollten Sie kennen. Erstens ist ein Caddie üblich und wird empfohlen, nicht nur wegen der Schläger, sondern weil er die Anspielpunkte und die lohnenden Fotostellen kennt. Zweitens gilt eine schlichte Kleiderordnung mit Polohemd; kurze Hosen sind in Ordnung.

Der Platz wird komplett neu gebaut

Und nun der Vorbehalt, der jede Planung betrifft. Im Mai 2026 wurde angekündigt, dass die Anlage vollständig neu entworfen wird.

Beauftragt wurde das kalifornische Büro Robert Trent Jones II, das den Auftrag von der Talaat Moustafa Group und Legacy Hotels erhielt. In der Mitteilung des Büros wird der Platz als einer der bedeutendsten Standorte des Golfsports weltweit bezeichnet, mit inzwischen über 125 Jahren Geschichte. Angekündigt sind ein kompletter Neuentwurf mit Blickachsen auf die Bauwerke, eine Anlage für Familien und Anfänger, eine Beleuchtung entlang der Geländekonturen für abendliches Spiel, eine neue Bewässerung und neue Gräser.

Was in den Mitteilungen nicht steht, ist der Zeitplan. Weder ein Baubeginn noch eine Fertigstellung noch die Frage, ob und wie lange der Platz während der Arbeiten geschlossen bleibt, wurde veröffentlicht. Für den ab Mai 2026 angekündigten Neuentwurf wurde kein Zeitplan veröffentlicht; ob und wie lange der Platz dafür schließt, ist offen.

Für die Anlage selbst ist der Umbau vermutlich eine gute Nachricht. Ein flacher Neunlochplatz mit Bewässerungsproblemen in einem Wüstenklima ist schwer in Form zu halten, und die angekündigte Beleuchtung würde das eigentliche Problem des Standorts entschärfen: Zwischen Mai und September ist tagsüber kaum zu spielen, abends dagegen schon.

Für Sie folgt daraus eine einfache Konsequenz: Bauen Sie keine Reise um eine Runde auf diesem Platz herum. Fragen Sie vor der Buchung des Fluges beim Haus nach, und behandeln Sie die Runde als willkommene Zugabe, nicht als Programmpunkt. Eine Anlage, deren Umbau angekündigt und deren Zeitplan unbekannt ist, ist keine verlässliche Größe.

Die Reihenfolge, die sich bewährt

Erst das Hotel fragen, ob gespielt werden kann, dann die Startzeit vereinbaren, dann alles andere planen. Wer in Plateaunähe übernachtet, hat den kürzesten Weg und erfährt den Zustand des Platzes ohnehin an der Rezeption. Eine schriftliche Bestätigung der Startzeit erspart Diskussionen am Morgen.

Unterkünfte am Fuß des Plateaus. Der Platz gehört zu einem Hotel, und die Startzeit läuft über dessen Rezeption. Drei Häuser, die das abdecken:

Am Sphinx

Giza Pyramids View Inn

Sphinxstraße 10, Nazlet el-Samman

  • Gutes Frühstück
  • Flughafenshuttle
  • Zwei Restaurants
  • 24-Stunden-Rezeption
  • Kostenloses WLAN

Wer den Sphinx aus dem Frühstücksstuhl sehen will

ab 25 €/Nacht
Ansehen
Meistbewertet

Great Pyramid Inn

Abu-al-Hol-Straße 14, wenige Minuten zum Tor

  • Fabelhaftes Frühstück
  • Dachterrassen-Restaurant
  • Bar
  • Flughafenshuttle
  • 24-Stunden-Rezeption

Die meisten, die im Viertel übernachten wollen

ab 27 €/Nacht
Ansehen
Garten & Pool

Marriott Mena House

Nordseite, am früheren Haupteingang

  • Hervorragendes Frühstück
  • Außenpool
  • Spa und Wellnesscenter
  • Drei Restaurants
  • Fitnesscenter

Wer Platz, Garten und Pool statt Dachterrasse sucht

ab 230 €/Nacht
Ansehen

Der sportlich ernstere zweite Platz

Bleibt die Frage nach der Alternative, denn es gibt einen zweiten Golfplatz in der Nähe der Pyramiden, und er ist sportlich der ernstere.

Er liegt in der Satellitenstadt 6th of October westlich von Gizeh und gehört zu einer Hotelanlage. Entworfen wurde er von Karl Litten und 2010 vom irischen Architekten David Jones überarbeitet; der Meisterschaftsplatz misst rund 7.205 Yards und lässt sich von fünf Abschlägen spielen. Das ist eine andere Größenordnung als die neun Bahnen am Plateau.

Der Preis dafür ist die Kulisse. Die Angaben zur Entfernung schwanken je nach Quelle erheblich, und aus dem Gelände heraus sind die Bauwerke nicht das bestimmende Motiv. Wer wegen des Golfs nach Ägypten reist, spielt dort besser. Wer wegen der Pyramiden reist und nebenbei eine Runde möchte, ist am Mena House richtig.

Für den Vergleich lohnt eine dritte Überlegung, die mit Golf wenig zu tun hat. Die Fahrt nach 6th of October kostet je Richtung eine gute halbe Stunde durch den Verkehr des Ballungsraums, und sie führt vom Plateau weg. Wer nur wenige Tage hat, gibt dafür einen halben Tag aus, den er sonst am Gelände oder im Museum verbringt.

Die ehrliche Einordnung lautet deshalb: Der Platz am Plateau ist eine Sehenswürdigkeit, die man bespielen kann, und kein Golfziel. Genau so sollte man ihn behandeln, dann ist er sein Geld wert.

Ein letzter Hinweis zur Lage. Die Anlage liegt außerhalb der ausgewiesenen archäologischen Zone, und die Regeln des Geländes gelten dort nicht. Umgekehrt heißt das aber auch: Ein Greenfee ist kein Eintritt. Für das Plateau selbst brauchen Sie ein eigenes Ticket.

Historische Aufnahme von Golfspielern auf sandigem Boden vor den Pyramiden
Die ersten achtzehn Jahre wurde ohne Gras gespielt, direkt auf dem Wüstenboden. Erst 1917 wurde begrünt.

Häufige Fragen

Wie viele Bahnen hat der Platz?

Neun, aber jede mit zwei Grüns. Wer zweimal herumgeht, spielt achtzehn unterschiedliche Bahnen von zusammen rund 5.300 Yards.

Darf man ohne Hotelzimmer spielen?

In der Regel ja. Die Startzeit wird über das Hotel vereinbart, deshalb sollte man vorher anfragen statt einfach hinzufahren.

Wann ist die beste Zeit?

Oktober bis April. Im Hochsommer ist eine Runde auf schattenlosem Gelände bei Werten um 35 Grad kaum zu empfehlen.

Ist der Platz wegen des Umbaus geschlossen?

Ein Zeitplan wurde nicht veröffentlicht. Weil weder Baubeginn noch Dauer bekannt sind, ist eine Anfrage beim Haus vor der Reise unerlässlich.

Ersetzt das Greenfee den Eintritt zum Plateau?

Nein. Der Platz liegt außerhalb der archäologischen Zone. Für das Gelände selbst ist ein eigenes Ticket nötig.

Stand: August 2026Der vollständige Neuentwurf der Anlage wurde im Mai 2026 angekündigt, ein Zeitplan bislang nicht. Bespielbarkeit, Greenfee und Startzeiten sind vor der Reise beim Haus zu erfragen.