Die Frage klingt nach Verschwörung, ist aber eine ganz normale archäologische Frage, und sie hat eine überraschend lange Antwort.
Unter dem Gelände liegt tatsächlich einiges. Der Untergrund des Gizeh-Plateaus ist kein massiver Block, sondern von Menschenhand durchlöchert: Grabkammern, Schächte, Gänge, Gruben, Kammern auf mehreren Ebenen. Manches davon ist seit zweihundert Jahren bekannt, anderes wurde erst in den letzten Jahrzehnten ausgegraben.
Was es nicht gibt, ist eine zusammenhängende unterirdische Anlage, eine Stadt oder ein Tunnelsystem, das die Bauwerke verbindet. Behauptungen dieser Art tauchen regelmäßig auf, zuletzt 2025, und sie haben bislang keine Prüfung überstanden. Dazu gibt es eine eigene Seite.
Diese Seite listet auf, was belegt ist. Das ist weniger spektakulär als eine versunkene Stadt und deutlich interessanter als nichts: ein dreistöckiger Schacht mit einem Sarkophag im Wasser, drei Grabkammern im gewachsenen Fels, ein Grabungsgelände mit tausenden Schächten und ein Kalkstein, der von Natur aus Hohlräume bildet.
Eine Vorbemerkung zur Begriffsklärung hilft dabei. Unter dem Gelände liegt dreierlei, und es wird ständig durcheinandergebracht: erstens Räume, die zu den Pyramiden gehören und mit ihnen zusammen entstanden; zweitens Gräber der umliegenden Nekropole, die über zwei Jahrtausende hinzukamen; drittens natürliche Hohlräume im Kalkstein, die niemand angelegt hat. Wer eine Meldung über den Untergrund liest, sollte zuerst fragen, um welche der drei Kategorien es geht.
Und am Ende die Frage, die alle Beteiligten umtreibt: Wie fände man weitere Räume, wenn es sie gäbe?
Was unter dem Gelände dokumentiert ist
- Grabkammern im Fels
- bei allen drei großen Pyramiden, ganz oder teilweise
- Tiefste Kammer der größten Pyramide
- rund 30 m unter der Basis, unfertig
- Osirisschacht
- drei Ebenen, unterste rund 30 m tief, teilweise unter Wasser
- Grabschächte der Nekropole
- mehrere tausend, über das gesamte Gelände verteilt
- Bootsgruben
- in den Fels geschnitten, an mehreren Anlagen
- Zugänglich für Besucher
- nur die Innenräume der drei Pyramiden, gegen Zusatzticket
Die Felsenkammern unter den drei Pyramiden
Die naheliegendste Antwort auf die Frage, was ist unter der Cheops-Pyramide, steht seit dem 19. Jahrhundert in jedem Fachbuch.
Rund dreißig Meter unter der Basis liegt eine große Kammer, direkt in den gewachsenen Fels geschnitten, erreichbar über einen absteigenden Gang von über hundert Metern. Sie ist unfertig geblieben: rauer Boden, ein aufgegebener Schacht in der Mitte, ein blinder Gang, der nach Süden ins Nichts führt. Die gängige Deutung sieht darin einen ersten, später aufgegebenen Bauabschnitt.
Bei den beiden Nachbarpyramiden sieht es ähnlich aus, mit einem Unterschied: Dort wurden die unterirdischen Kammern tatsächlich genutzt. Die Grabkammer der mittleren Pyramide liegt größtenteils im Fels und enthält einen Sarkophag, die der kleinsten ist vollständig unterirdisch und mit Granit ausgekleidet.
Das ist kein Zufall, sondern Bautradition. Königsgräber lagen ursprünglich unter der Erde, und das Verlegen der Kammer nach oben ins Mauerwerk war die Neuerung, nicht die Regel. Wer unter einer Pyramide eine Kammer erwartet, erwartet das Übliche.
Bemerkenswert ist der Unterschied im Aufwand. Die Kammer unter der größten Pyramide wurde in massiven Fels getrieben, über hundert Meter Zugangsgang eingeschlossen, und dann liegen gelassen. Das ist Monate an Arbeit für ein Ergebnis, das nie genutzt wurde. Bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung offenbar verkraftbar, und ein guter Hinweis darauf, dass Planänderungen während des Baus nichts Ungewöhnliches waren.
Für Besucher hat das eine praktische Folge. Die amtliche Übersicht zum Gelände führt die drei Pyramiden als eigene Ticketbereiche. Wer eine unterirdische Grabkammer sehen will, kommt am günstigsten bei den beiden kleineren Bauwerken hinein.





Halbtagestour zu den Pyramiden von Gizeh und dem Sphinx
- Die Grabschächte der Nekropole liegen offen im Gelände und werden meist übersehen
- Ein lizenzierter Guide zeigt, welche Öffnungen im Boden was sind
- Plateau-Eintritt, deutschsprachige Führung und Abholung am Hotel sind enthalten
- Kostenlose Stornierung bis 24 Stunden vor Beginn

Der Schacht unter dem Aufweg
Der spektakulärste unterirdische Befund des Geländes ist kaum bekannt, obwohl er alles hat, was eine gute Geschichte braucht.
Unter dem Aufweg der mittleren Pyramide, etwa auf halber Strecke zwischen Sphinx und Totentempel, liegt ein Schacht, der über drei Ebenen nach unten führt. Die unterste liegt rund dreißig Meter tief. Dort öffnet sich eine Kammer mit einer Art Insel in der Mitte, umgeben von wassergefüllten Kanälen, und auf dieser Insel steht ein großer Sarkophag.
Die erste vollständige Ausgrabung fand 1999 statt. Die unterste Kammer stand unter Wasser, sodass zunächst nur der Deckel des Sarkophags herausragte. Es wurde abgepumpt, Taucher bargen vorab Material, und Risse in den Wänden wurden während der Arbeiten überwacht. Gefunden wurden Bestattungen der Spätzeit, menschliche Überreste und Grabbeigaben. Der Grabungsbericht des Ausgräbers beschreibt eine Anlage, die über Jahrhunderte in mehreren Phasen genutzt wurde.
Der Name der Anlage führt allerdings in die Irre. Er bezieht sich auf die Deutung als symbolisches Grab des Totengottes, nicht auf einen Fund. Niemand hat dort einen Gott gefunden, und niemand behauptet das.
Interessant ist die Datierung. Die Anlage wurde nicht in der Pyramidenzeit angelegt, sondern deutlich später, und die Bestattungen darin gehören in die Spätzeit, also fast zweitausend Jahre nach dem Bau der Pyramiden. Der Schacht liegt zwar unter einem Bauteil des Alten Reichs, gehört aber nicht dazu. Das ist ein gutes Beispiel für die eingangs genannte Kategorienfrage: unter dem Gelände heißt nicht aus derselben Zeit.
Zu sehen ist von alledem nichts. Der Schacht ist nicht für Besucher geöffnet, und das wird sich absehbar nicht ändern: Er ist eng, tief, teilweise wassergefüllt und hat einen einzigen Zugang.
Das meiste darunter sind Gräber
Der größte Teil dessen, was unter dem Gelände liegt, gehört aber weder zu den Pyramiden noch zu spektakulären Einzelanlagen. Es sind Gräber, und es sind sehr viele.
Bauwerke unter den Pyramiden von Gizeh im engeren Sinn sind die Kammern der drei Königsanlagen. Im weiteren Sinn besteht der Untergrund des gesamten Geländes aus einem Netz von Grabschächten: senkrechte Löcher im Fels, meist wenige Meter tief, am Ende eine kleine Kammer. Über sechstausend Gräber sind bekannt, und ihre Zahl wächst mit jeder Grabungskampagne.
Diese Gräber sind zudem nicht gleichzeitig entstanden. Die ältesten gehören in die Bauzeit der Pyramiden, die jüngsten liegen zweitausend Jahre später, aus einer Zeit, in der die Anlagen bereits antike Denkmäler waren. Wer einen Schacht öffnet, weiß deshalb zunächst nicht, aus welcher Epoche er stammt. Genau das macht Zufallsfunde am Plateau so aufwendig: Jeder Befund muss erst datiert werden, bevor er sich einordnen lässt.
Diese Schächte sind der Grund, warum das Gelände in geophysikalischen Messungen so unruhig aussieht. Wer mit Radar oder Widerstandsmessung über den Boden geht, bekommt an vielen Stellen Auffälligkeiten, und die allermeisten davon sind längst bekannte oder noch unbekannte Grabschächte, keine Kammern und keine Hallen.
Dazu kommen natürliche Hohlräume. Kalkstein löst sich unter Wasser, und über Jahrmillionen entstehen Klüfte, Spalten und kleine Kavernen. Ein Teil der Anomalien im Untergrund ist schlicht Geologie.
Diese beiden Effekte zusammen erklären, warum Meldungen über unterirdische Entdeckungen so häufig sind und so selten Bestand haben. Auffälligkeiten gibt es reichlich. Die Frage ist immer, ob jemand hingegangen ist und nachgesehen hat.

Vier Aussagen zum Untergrund
- Stimmt
Unter dem Gelände liegen Kammern und Schächte.
Drei Grabkammern im Fels, ein dreistöckiger Schacht unter dem Aufweg, Bootsgruben und mehrere tausend Grabschächte, alle dokumentiert.
- Falsch
Die Pyramiden sind unterirdisch miteinander verbunden.
Dafür gibt es keinen Befund. Die bekannten Gänge gehören jeweils zu einer Anlage und enden dort.
- Falsch
Unter dem Plateau liegt eine Stadt mit Hallen und Schächten von hunderten Metern Tiefe.
Die Behauptung von 2025 stützt sich auf keine begutachtete Messung, und die Methodenarbeit dahinter wurde 2026 zurückgezogen.
- Teilweise
Man kann die unterirdischen Anlagen besichtigen.
Die Grabkammern der drei Pyramiden ja, gegen Zusatzticket. Der Osirisschacht und die meisten Grabschächte nein.
Wie man weitere Räume überhaupt fände
Bleibt die interessanteste Frage: Wie würde man weitere Räume überhaupt finden?
Der Goldstandard sind Verfahren, die nichts beschädigen und trotzdem etwas messen. In der größten Pyramide hat das funktioniert: Myonen aus der kosmischen Strahlung wurden monatelang gezählt, und aus der Verteilung ließ sich auf Hohlräume schließen. Für den Untergrund taugt das nur eingeschränkt, weil die Teilchen von oben kommen und ein Hohlraum unter dem Messgerät keinen Schatten wirft.
Für den Boden sind andere Verfahren zuständig: Bodenradar, Widerstandsmessung, Seismik. Alle drei reichen wenige Meter bis einige Zehnermeter tief, alle drei liefern Auffälligkeiten statt Bilder, und alle drei brauchen anschließend eine Bohrung oder eine Grabung zur Bestätigung. Genau daran hakt es, denn Eingriffe an einem Welterbe sind genehmigungspflichtig und werden sparsam vergeben.
Was dagegen nicht funktioniert, ist Satellitenradar für große Tiefen. Die 2025 verbreitete Behauptung ausgedehnter Anlagen stützte sich auf ein solches Verfahren, dessen Grundlagenarbeit inzwischen zurückgezogen wurde. Die Redaktion nennt methodische Mängel und statistische Fehler, die Autoren widersprechen.
Es gibt noch eine Einschränkung, die selten genannt wird: den Grundwasserspiegel. Die unterste Kammer des Osirisschachts steht unter Wasser, und das ist kein Einzelfall. In der Tiefe, in der spektakuläre Anlagen vermutet werden, wäre alles längst geflutet. Wer eine trockene Halle in hundert Metern Tiefe behauptet, behauptet damit implizit auch, dass sie über Jahrtausende wasserfrei geblieben ist, und das wäre für sich genommen erklärungsbedürftig.
Realistisch ist deshalb ein langsamer Weg. Man vermisst Flächen, ordnet Auffälligkeiten, gräbt an wenigen ausgewählten Stellen und veröffentlicht. So sind alle bisherigen unterirdischen Befunde entstanden, und so werden auch die nächsten entstehen.
Häufige Fragen
Was wurde unter den Pyramiden von Gizeh gefunden?
Grabkammern im Fels bei allen drei Bauwerken, ein dreistöckiger Schacht mit Sarkophag unter dem Aufweg der mittleren Pyramide, Bootsgruben und mehrere tausend Grabschächte der umliegenden Nekropole.
Gibt es Tunnel zwischen den Pyramiden?
Nein. Kein Befund stützt das. Die bekannten Gänge gehören jeweils zu einer Anlage und enden dort.
Was ist der Osirisschacht?
Eine dreistöckige Schachtanlage unter dem Aufweg der mittleren Pyramide, deren unterste Kammer teilweise unter Wasser steht. 1999 vollständig ausgegraben, für Besucher nicht geöffnet.
Warum wird nicht einfach gebohrt?
Weil das Gelände Welterbe ist. Eingriffe sind genehmigungspflichtig, und zerstörungsfreie Verfahren haben Vorrang.
Kann man unterirdische Räume besichtigen?
Nur die Grabkammern der drei Pyramiden, jeweils gegen ein eigenes Ticket. Alles andere ist geschlossen.

Plateau-Eintritt als QR-Code auf dem Handy
Deckt das Gelände mit seinen offenen Schächten und Bootsgruben ab. Die Grabkammern in den Pyramiden verlangen jeweils ein eigenes Ticket.
