Was zieht man für die Pyramiden von Gizeh an? Hinter dieser Frage steckt fast immer eine zweite, und die lautet: Gibt es eine Kleiderordnung?
Die Antwort ist nein. Das Gizeh-Plateau ist eine archäologische Stätte und kein religiöser Ort. Es gibt keine Vorschrift zu bedeckten Schultern oder Knien, niemand wird am Tor zurückgewiesen, und die amtliche Übersicht zum Gelände kennt keine Regel dazu. Auch die Reisehinweise des Auswärtigen Amts enthalten keine Kleidungsvorschrift für Ägypten. Wer anschließend eine Moschee besuchen will, braucht dort bedeckte Schultern und Knie, aber das ist eine andere Frage und ein anderer Ort.
Die Kleidung für die Pyramiden von Gizeh ist damit keine Frage des Anstands, sondern eine des Sonnenschutzes. Was die Wahl entscheidet, hat mit Klima und Untergrund zu tun, nicht mit Sitte. Und dabei kommt etwas heraus, das der landläufigen Vorstellung von Wüstenkleidung widerspricht: Lang und leicht schlägt kurz und luftig, und zwar deutlich.
Was funktioniert
- Lange, weite Hose aus dünnem Stoff statt kurzer Hose
- Langärmeliges, leichtes Oberteil in heller Farbe
- Kopfbedeckung mit umlaufender Krempe, keine Kappe
- Sonnenbrille, weil der helle Sand von unten blendet
- Geschlossene, bequeme Schuhe, in denen Sand nicht stört
- Ein dünnes Tuch für Wind, Staub und Nacken
- Eine leichte Jacke, wenn Sie im Winter zur Öffnung kommen
Warum lange Kleidung besser ist
Der Grund für die lange Variante ist die Sonne, und zwar zweimal. Von oben trifft sie ohnehin, und auf dem Gelände gibt es zwischen den Bauwerken keinen Schatten. Von unten kommt sie zurück, weil heller Sand einen erheblichen Teil des Lichts reflektiert. Sie bekommen also Strahlung an Stellen, die sonst nie etwas abbekommen, unter dem Kinn, an den Unterarmen, hinter den Knien.
Ein dünner Stoff über der Haut ist an dieser Stelle wirksamer als Sonnencreme, weil er nicht abgerieben wird und nicht nachgetragen werden muss. Dieselbe Lage hilft gegen den zweiten Punkt, den Staub: Der feine Sand ist überall, er setzt sich in Hautfalten und wird von Wind in Bewegung gehalten.
Der dritte Faktor ist der Temperatursprung. Zwischen Tag und Nacht liegen in Gizeh ganzjährig rund zehn Grad. Im Winter heißt das: Um acht Uhr am Tor ist es empfindlich kühl, und um elf steht die Jacke im Weg. Wer zur Öffnung kommt, also zur besten Zeit, braucht deshalb eine Lage, die sich ausziehen und verstauen lässt. Im Hochsommer entfällt dieser Punkt, dort ist es schon am Morgen warm.
Hut mit Krempe und leichte lange Lage
Die drei Dinge, die an diesem Ort tatsächlich etwas bringen, sind eine Kopfbedeckung mit umlaufender Krempe, ein dünnes langärmeliges Oberteil und hoher Lichtschutz. Alles drei lässt sich vor der Reise besorgen und vor Ort schlecht nachkaufen.

Wanderstiefel sind der falsche Rat
Bleibt die Frage nach den Schuhen, und dazu kursiert ein hartnäckiger Rat: feste Wanderstiefel. Der ist falsch. Auf dem Gelände geht es über weichen Sand und über glatte Steinplatten, nicht über Geröll, und schwere Stiefel machen die Hitze schlimmer, ohne etwas zu leisten. Bequeme geschlossene Schuhe genügen. Sandalen gehen im Prinzip auch, nur füllen sie sich zuverlässig mit Sand, und heiße Steinplatten unter bloßen Zehen sind unangenehm.
Für das Innere eines Bauwerks kommt eine eigene Anforderung dazu, und sie geht in die andere Richtung. Der Aufstieg in der größten Pyramide ist eng, steil und ausdrücklich heiß und stickig. Was Sie dort brauchen, ist möglichst wenig: keine lange Jacke, kein großer Rucksack, nichts, was hängen bleibt. Wer das Innere plant, sollte die zusätzliche Lage draußen lassen oder in eine kleine Tasche stecken können.
Damit ist die Kleidung für den Besuch der Pyramiden von Gizeh im Grunde erledigt. Was Sie zu Hause lassen können: alles Neue in Weiß, weil der Staub sich daran hält, alles mit Absatz, alles Enge, und die Vorstellung, man müsse sich hier bedecken. Man muss nicht. Man tut es, weil die Sonne von zwei Seiten kommt.
Häufige Fragen
Müssen Frauen Schultern und Knie bedecken?
Am Plateau nicht. Es gilt keine Kleiderordnung. In einer Moschee gilt sie sehr wohl, das ist aber ein anderer Ort.
Sind kurze Hosen in Ordnung?
Erlaubt ja, sinnvoll eher nicht. Eine dünne lange Hose schützt besser vor Sonne und Staub und fällt vor Ort weniger auf.
Braucht man Wanderschuhe?
Nein. Sand und Steinplatten, kein Geröll. Bequeme geschlossene Schuhe reichen, schwere Stiefel schaden eher.
Was zieht man im Winter an?
Dasselbe, plus eine leichte Jacke für die erste Stunde. Der Unterschied zwischen früh und mittags beträgt rund zehn Grad.
Was trägt man im Inneren einer Pyramide?
So wenig wie möglich. Dort ist es heiß und stickig, der Gang ist eng, und alles Sperrige stört.

