Der Zoo von Gizeh ist geschlossen, und zwar seit Juni 2023. Wer eine Anfahrt plant, sollte hier aufhören zu lesen und den Tag anders einteilen.
Angekündigt war eine Schließung von achtzehn Monaten für einen Umbau. Daraus sind mittlerweile mehrere Jahre geworden. Ein erster Wiedereröffnungstermin lag 2024, ein zweiter im September 2025, und zuletzt wurde eine stufenweise Öffnung mit privatem Betreiber für 2026 in Aussicht gestellt. Ob dieser Termin hält, lässt sich nicht sagen: Drei angekündigte Termine sind bereits verstrichen.
Erschwerend kommt für deutschsprachige Reisende hinzu, dass sich der Zustand schlecht prüfen lässt. Meldungen zu dieser Anlage erscheinen fast ausschließlich auf Arabisch und Englisch, und die deutschsprachigen Reiseseiten beschreiben durchweg den Zustand vor der Schließung.
Das ist für eine Reiseplanung die ganze Auskunft. Der Rest dieser Seite erklärt, worum es bei dem Umbau geht, warum die Anlage überhaupt so bekannt ist und warum die Vorgänge dort seit Jahren umstritten sind. Wer nur wissen wollte, ob sich der Weg lohnt: Er lohnt sich derzeit nicht.
Fahren Sie nicht auf gut Glück hin
Kartendienste führen die Anlage weiterhin als Sehenswürdigkeit, mit Adresse, Bewertungen und Fotos aus der Zeit vor der Schließung. Reiseführer und Blogbeiträge beschreiben sie ebenfalls im Präsens. Nichts davon bedeutet, dass geöffnet ist. Prüfen Sie vor einer Fahrt eine tagesaktuelle Quelle, und rechnen Sie damit, dass angekündigte Termine erneut verschoben werden.

Ein Tag für Plateau, Sphinx und Museum
Wer einen Familientag in Gizeh geplant hatte, findet die nächstliegende Alternative zwei Kilometer vom Plateau: das Große Ägyptische Museum, klimatisiert und stufenlos. Sieben bis acht Stunden mit deutschsprachiger Führung, Abholung und Mittagessen, Eintritt für das Gelände enthalten.
Alt, und aus einem zweiten Grund bekannt
Bekannt ist die Anlage aus zwei Gründen, und der erste ist ihr Alter. Sie wurde vom Khediven Ismail angelegt und öffnete am 1. März 1891, womit sie zu den ältesten zoologischen Gärten Afrikas gehört. Angelegt wurde sie nicht als Gehegesammlung, sondern als botanischer Park mit exotischen Bäumen, Grotten und einer Hängebrücke, und dieser Gartenteil ist bis heute der eigentliche Reiz. Der Eingang des Zoos von Gizeh liegt gut fünf Kilometer vom Plateau entfernt, mitten in der Stadt, nicht am Rand der Wüste.
Der zweite Grund ist unerfreulicher. 2004 wurde die Anlage aus dem Weltverband der Zoos und Aquarien ausgeschlossen. Genannt wurden ausgebliebene Mitgliedsbeiträge und die Missachtung von Empfehlungen der Prüfer, dahinter standen dokumentierte Mängel bei Unterbringung, Fütterung und Hygiene. 2008 trat die Anlage dem panafrikanischen Verband bei, was als Schritt zurück in den Weltverband gedacht war. Wieder aufgenommen wurde sie bis heute nicht.

Der Umbau und die Vorwürfe
Der laufende Umbau soll genau diese Geschichte beenden. Vorgesehen ist die Umstellung auf weitläufige Gehege ohne Käfige, eine Verbindung zum benachbarten botanischen Garten und der Betrieb durch ein privates Konsortium statt durch das Landwirtschaftsministerium. Die angekündigte Neueröffnung wurde als Rückkehr zu internationalen Standards beworben.
Begleitet wird der Umbau von Vorwürfen, und die gehören auf diese Seite, weil sie in deutschsprachigen Quellen praktisch nicht vorkommen. Unabhängige ägyptische Medien haben über den Verbleib der Tiere während der Bauzeit berichtet, über Todesfälle im Zusammenhang mit dem Baulärm und über getötete Großkatzen ohne Kenntnis der Veterinärbehörden. Das beteiligte Konsortium weist die Vorwürfe zurück. Ein Teil der Tiere wurde 2025 in Einrichtungen in Alexandria und im Fayyum gebracht.
Betroffen ist im Übrigen nicht nur der Tiergarten. Der benachbarte botanische Garten wurde zusammen mit ihm geschlossen und gehört zum selben Vorhaben; vorgesehen ist eine unterirdische Verbindung zwischen beiden Anlagen. Wer in Gizeh eine grüne Fläche zum Spazieren gesucht hat, findet derzeit also auch dort nichts.
Was davon zutrifft, lässt sich von außen nicht entscheiden, und diese Seite versucht es auch nicht. Festhalten lässt sich zweierlei: Die Vorgänge sind umstritten und werden von mehreren unabhängigen Redaktionen weiterverfolgt. Und für Reisende, die sich für Tierhaltung interessieren, ist das ein Grund, die Wiedereröffnung abzuwarten und sich vorher anzusehen, was Fachverbände dann über die Anlage sagen.
Häufige Fragen
Ist der Tiergarten geöffnet?
Nein. Er ist seit Juni 2023 geschlossen. Mehrere angekündigte Eröffnungstermine sind verstrichen, zuletzt war von einer stufenweisen Öffnung im Jahr 2026 die Rede.
Wie weit ist es vom Plateau?
Gut fünf Kilometer, mitten in der Stadt. Mit dem Plateau hat die Anlage außer dem Stadtnamen nichts zu tun.
Warum dauert der Umbau so lange?
Vorgesehen ist ein vollständiger Umbau der gesamten Anlage auf Gehege ohne Käfige, dazu ein Wechsel des Betreibers. Die genannten Gründe für die Verzögerungen gehen auseinander.
Was ist mit den Tieren?
Ein Teil wurde 2025 nach Alexandria und in das Fayyum gebracht. Über Todesfälle während der Bauzeit wurde berichtet, das Konsortium weist die Vorwürfe zurück.
Gibt es eine Alternative für einen Familientag?
Das Große Ägyptische Museum zwei Kilometer vom Plateau ist klimatisiert, stufenlos erreichbar und für Kinder gut geeignet.
